Résumé im Alter von 100 Jahren: Ein langes und bewegtes Leben

Von: Tyrone Schwark
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Freut sich über die vielen Glückwünsche: die Jubilarin Maria Bodewigs im Eschweiler Senotel. Foto: Tyrone Schwark

Eschweiler. Langsam schiebt sie sich in ihrem Rollstuhl eigens an den Tisch und rückt dort die Dekoration zurecht. Maria Bodewigs hat ein Lächeln, das Wärme ausstrahlt. Es zeigt gleichzeitig, dass sie etwas Besonderes an sich hat – und das nicht nur wegen ihres Alters. Sie wurde am 27. April 1917 geboren, heißt: Die gebürtige Mönchengladbacherin feierte in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag.

„Als ich an dem Tag aufgewacht bin, da habe ich nur zu mir gesagt: Du hast doch geträumt. Das kann doch nicht wahr sein“, spricht die Seniorin über ihren Ehrentag. Was dann auf sie zukam, war ein echtes Marathon-Programm: Private Feier, Treffen mit dem Bürgermeister, eine Geburtstagsfete im Eschweiler Senotel, in dem sie seit eineinhalb Jahren wohnt, und ein Empfang im Seniorentreff.

Doch das steckte die Seniorin locker weg: „Es ist doch wunderbar, wie viele Leute mit mir feiern wollten und an mich gedacht haben.“ Bei solchen Aussagen kann man verstehen, warum die Jubilarin bei allen so beliebt ist – ob beim Pflegepersonal oder den anderen Bewohnern.

Vom Ehrgeiz gepackt

Maria Bodewigs kann nicht nur auf ein langes, sondern auch auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Schon früh erkannte sie ihre große Leidenschaft: das Singen. Mit 15 Jahren sang sie bereits ihre ersten Soli im Kirchenchor und machte keinen Hehl daraus, die Musik zu ihrem Beruf machen zu wollen.

Dafür studierte sie vier Jahre lang Operngesang und fand danach schnell eine Anstellung im Theater in Mönchengladbach. „Dort wurden mir dann nur kleinere Rollen angeboten. Ich wollte aber mehr und es hat mir dort zu lange gedauert“, sagt sie. Gepackt vom Ehrgeiz fand sie eine freie Stelle als Sopran-Sängerin in Berlin und landete bei der Truppenbetreuung. „Schließlich herrschte da ja noch Krieg.“

Es war wohl eine der besten Entscheidungen ihres Lebens. Denn während ihrer Arbeit besuchte sie viele Länder, beispielsweise Serbien, Bosnien oder Kroatien. Aber auch in Norwegen landete sie für vier Monate. „Aber da war es mir zu einsam. Nur die Sprache dort ist ulkig“, erinnert sie sich.

Nach dem Krieg fand die talentierte Sängerin schnell mehrere Jobs: So sang sie nicht nur für und mit namhaften Musikern der Zeit, sondern trat unter anderem auch bei den Richard-Wagner-Festspielen auf. Zum Ende ihrer Karriere war sie 15 Jahre lang für die Oper in Düsseldorf/Duisburg tätig. Erst mit 60 Jahren legte sie ihre aktive Karriere nieder.

„Das war Leben“, sagt Maria Bodewigs mit einem Glänzen in den Augen. Sie ist ein sichtlich zufriedener Mensch, hadert zwar hier und da über kleine Wehwehchen – das ist aber bei weitem nichts Verwerfliches mit 100 Jahren. Auch wenn ihr Leben nicht nur Höhen hatte, ist sie dankbar für das was sie erleben durfte und was sie noch erleben darf.

„Vor allem aber über meinen Goldschatz.“ Damit meint sie ihre Enkelin, die sie vor 10 Jahren nach Eschweiler geholt hat. „Sie ist immer für mich da, wenn etwas ist“, sagt Bodewigs. „Ich kann mich so glücklich schätzen.“ Heute geht sie gerne noch in die Stadt zum Einkaufen oder im Garten des Senotels spazieren.

Sie möchte trotz ihres Alters allerdings nie jemanden vorschreiben, wie er zu leben hat. Einen Rat hat sie jedoch: „Man sollte keine Ängste haben und immer zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Denkt man, man ist auf dem richtigen Weg, dann sollte dieser auch gegangen werden.“

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