Eschweiler - Ressourcenschonung: Eschweiler plant Vorzeigesiedlung

FuPa Freisteller Logo

Ressourcenschonung: Eschweiler plant Vorzeigesiedlung

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
Trafen sich gestern auf Einlad
Trafen sich gestern auf Einladung von Hermann Gödde (sechster von rechts) im Rathaus, um sich in Sachen Planungswettbewerb zu informieren: Architekten und Stadtplaner aus zehn deutschen, sowie niederländischen und österreichischen Büros. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Häusle bauen können viele. Eine ganze Siedlung aber so bauen, dass sie nicht nur lebenswert und energiesparend, sondern auch ressourcenschonend ist und sich wandelnden Nutzungen gerecht wird, das können nur wenige.

In Eschweiler sollen sies nun unter Beweis stellen: Gemeinsam mit der Aachener Stiftung Kathy Beys, der Indeland-GmbH und dem RWE hat die Stadt zu einem internationalen städtebaulichen Wettbewerb aufgerufen.

Auf einem 37 000 Quadratmeter großen Areal in Dürwiß - zwischen Sebastianus-, Karl-Arnold- und Friedrich-Ebert-Straße - soll eine Modellsiedlung entstehen, die sich in Sachen Material- und Energieeffizienz sowie in Bau, Betrieb und Unterhaltung der Gebäude und Infrastrukturen wirtschaftlich deutlich von gängigen Siedlungen abhebt.

Häuser, die sich auch junge Familien leisten können. Und die ihnen auch dann noch gerecht werden, wenn sie - Bewohner wie Häuser - in die Jahre gekommen sind.

Das Gelände, auf dem die bundesweit einzigartige Siedlung schon ab dem nächsten Jahr entstehen soll, ist das Areal des früheren Sportplatzes des SC Bewegung Laurenzberg, der dort seit 1971 zuhause war. 2001 wurden Tribünen und Sportlerheim abgerissen - der SCB zog in den „Sportpark am See”. Seither werden die Flächen landwirtschaftlich genutzt.

Zu zwei Dritteln gehört das Gebiet der Stadt Eschweiler, das restliche Drittel ist im Besitz von RWE Power, das hier mit der Stadt an einem Strang zieht. „Wir wollen hier Praxis machen, keine akademischen Lernprozesse”, betont Alois Herbst, RWE, mit Blick auf künftige Umsiedlungsmaßnahmen: „Es geht uns darum, gute Konzepte, die der übliche Bauherr akzeptiert, später in Großprojekte für tausende Menschen umzumünzen.”

Stephan Baldin, Vorstand der Aachener Kathy-Beys-Stiftung, die sich den Erhalt der Lebensgrundlagen für Mensch und Tier auf die Fahnen geschrieben hat, unterstreicht die praxisbetonte Seite des Projekts: „Dies hier ist ein Vorzeigeprojekt, wie es in dieser Form in Deutschland noch nie gemacht wurde.” Modellhaft, nachhaltig, auf die Zukunft gerichtet. Und unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Faktoren.

Denn nicht allein Heizkosten sind maßgeblich für den Ressourcenverbrauch eines Hauses: Stichworte, mit denen die Planer aus zehn ausgewählten Fachbüros sich hier befassen, sind z.B. Umweltschäden, die bei der bergbaulichen Gewinnung von Baumaterialien entstehen, Vermeidung von Aushub, Möglichkeiten der Umstrukturierung des Innenausbaus, Möglichkeiten der Mehrfachnutzung oder Umwidmung eines Gebäudes, die Zerlegbarkeit eines Gebäudes und Trennbarkeit seiner Bestandteile, die Lebenserwartung von Baustoffen, die Verrottbarkeit bzw. Rückgabe von Baustoffen an die Biosphäre, die Verwendung regionaler Baustellen, die Erreichbarkeit und Veränderbarkeit von Haustechniksystemen zu Gunsten des SkF und deren gemeinsame Nutzung.

Aber auch Dinge wie Carsharing, Gemeinschaftswerkstatt, gemeinsame Nutzung von Büroinfrastruktur, Gästezimmern, Veranstaltungsräumen oder Gartengeräten.

„Der Lebensbereich Bauen und Wohnen verschlingt rund ein Drittel aller in Deutschland verbrauchten Ressourcen”, betont Stephan Baldin. „Zukunftsfähig ist das nicht. Daher ist es unser gemeinsames Ziel, über die Planungs- und Bauphase der Siedlung hinaus auch während der Nutzung bis zu einem eventuellen Umbau oder Abriss den Energie- und Materialverbrauch zu minimieren.”

50 bis 60 Wohneinheiten, so Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde, könnten auf dem Areal entstehen. In welcher Form, das soll sich Ende August klären: Bis dahin läuft der Wettbewerb der zehn Planungsbüros aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Zwei der Bewerber kommen aus der Region.

Am 24. Juli müssen die Planunterlagen zur Vorprüfung durch Prof. Hartmut Welters vom Dortmunder Stadtplanungsbüro Post-Welters vorliegen, am 7. August ist Abgabeschluss für die Modelle - und am 30. August tagt das Preisgericht. Welches die Jury für das beste Konzept hält und mit 10.000 fördert, das soll nicht nur auf Papier existieren, sondern bald umgesetzt werden. Bereits 2013 sollen die ersten baureifen Grundstücke angeboten werden.

Hochkarätig besetzt ist die Jury, die Ende August über das Vorzeigeprojekt zu entscheiden hat: Neben Stephan Baldin, Kathy-Beys-Stiftung, und Hermann Gödde, Stadt Eschweiler, gehören der Wiener Stadtplaner Roland Gruber, RWE-Power-Flächenmanager Alois Herbst, Prof. Dr. Harry Lehmann vom Umweltbundesamt und der Aachener Architekt und Stadtplaner Prof. Rolf Westerheide dazu.

Stellvertreter sind der Aachener/Gießener Planer Prof. Peter Jahnen, RWE-Liegenschaftsleiter Achim Lückoff, Indeland-Geschäftsführer Hans-Martin Steins und Holger Wolpensinger vom Förderverein Nachhaltige Stadtentwicklung, Bonn.

Als sachverständige Berater fungieren u.a. Eberhardt Büttgen und Florian Schoop von der Stadt Eschweiler.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert