Eschweiler-Weisweiler - Repowering: Bürgerzorn entlädt sich

Repowering: Bürgerzorn entlädt sich

Von: Patrick Nowicki
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Großer Andrang in der Festhalle: Das Repowering auf der Halde Nierchen stößt bei den Anwohnern aus Langerwehe und Weisweiler auf Unmut. Die Expertenriege musste harsche Kritik einstecken. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler-Weisweiler. Die Veranstaltung sollte aufklären, Fragen sachlich beantworten, am Ende kochten die Emotionen hoch. Bei der Bürgerversammlung in der Festhalle Weisweiler machten die Menschen deutlich, was sie von den Repowering-Plänen auf der Halde Nierchen hält: nichts.

Zwar scheint der Gedanke, dass die aktuell neun Windräder von nur vier ersetzt werden auf dem ersten Blick lukrativ, aber die neuen Exemplare werden mit einer Gesamthöhe von 170 Metern deutlich höher. Genau 100 Meter messen die aktuellen Windräder, die zum Teil nachts abgestellt werden, weil ein Bürger aus Langerwehe erfolgreich wegen der nächtlichen Geräusche geklagt hat.

Auch am Donnerstagabend waren die Differenzen zwischen den Wünschen des Unternehmens Energiekontor und den Anliegen der Bürger deutlich spürbar. Über drei Stunden lang debattierten und schimpften die Teilnehmer – Anwohner aus Weisweiler, Hücheln und Langerwehe auf der einen und Experten, Gutachter sowie der Technische Beigeordnete Hermann Gödde und Langerwehes Bürgermeister Heinrich Göbbels auf der anderen Seite. Während viele Bürger die Veranstaltung mit dem Gedanken verließen, dass sich ohnehin nichts mehr ändern lässt, räumte Gödde ein, dass er das Gespräch mit dem Investor noch einmal suchen möchte: „Der Bürgerwunsch ist sehr deutlich, dies muss man auch respektieren.“ Er wolle erreichen, dass die Windräder etwas kleiner würden. Addiert man zur Gesamthöhe der geplanten Windräder nämlich noch die Halde Nierchen, dann liegt die Spitze des Windrades nach dem Repowering 240 Meter über dem Umland.

Die Energiewende verlangt ihre Opfer. Diesmal in Weisweiler und Langerwehe, denn zum Start der Veranstaltung machte Gödde klar, dass man zwar zur Erneuerung der Energieversorgung stehe, aber nur in einem vertretbaren Rahmen für die Bürger. An dieser Stelle erntete der Technische Beigeordnete Applaus. Es blieb der einzige im Laufe der Veranstaltung, die dann das Manko offenbarte, wenn Experten über ihr Gutachten reden. „Sie sprechen Fachchinesisch, was sie hier erzählen, verstehen mindestens 90 Prozent der Anwesenden nicht“, rief ein Bürger. Dezibel, Schalldruck, Lumen, Paragrafen und Verordnungen – immer wieder verzettelte man sich in einen Fachvortrag, der die Menschen zusehends verärgerte.

Ein Kernpunkt der Kritik hätte entkräftet werden können, wenn man die Geräuschentwicklung der Stahlriesen anschaulicher geschildert hätte. Statt von 45 Dezibel an den Häusern zu sprechen, hätte ein Vergleich aus dem täglichen Leben genügt: So findet ein durchschnittliches Gespräch bei 55 Dezibel statt. Regen prasselt in der Regel mit etwa 50 Dezibel auf den Asphalt. Ein Besucher kritisierte, dass zur Lautstärkeentwicklung nur Rechenmodelle bestehen: „Wurde auch schon einmal an den Häusern und Windrädern wirklich gemessen?“ Am Tag nach der Veranstaltung sagte Hermann Gödde: „Man hätte deutlicher herausheben müssen, dass es an den meisten Punkten leiser wird.“

Letztlich waren es vor allem zwei Aspekte, die als Kritikpunkte blieben. Dabei spielte die geplante Höhe der Windräder die entscheidende Rolle. Vor allem Bürger aus Langerwehe sprachen von einer bedrückenden Wirkung, die von Windrädern in der Größe ausgehen. Sie kennen den Vergleich zum Windpark in Ellen, wo auch Bürger auf die Barrikaden gingen, um den Bau zu verhindern. Dort wurden allerdings neue Anlagen neben der Autobahn errichtet. Auf der Halde Nierchen bestehen derzeit schon neun Windräder.

Den zweiten Kernpunkt der Kritik will der Technische Beigeordnete Hermann Gödde bei den Gesprächen mit Energiekontor noch einmal aufgreifen: Damit keine Flugzeuge oder Hubschrauber in die Windräder fliegen, leuchtet regelmäßig ein Licht. Anwohner aber auch Tiere fühlen sich davon gestört. Gödde will nun erreichen, dass das „nervige und ständige Blinken“, wie es ein Bürger formulierte, nur bei Bedarf angeschaltet wird. Es bestehen Anlagen mit Radarantennen, die erst dann die sogenannte Befeuerung der Windenergieanlagen anschaltet, wenn sich ein Flugobjekt nähert. „Dieser Aspekt dürfte die Wirtschaftlichkeit des Windparks nicht gefährden“, ist sich Gödde sicher.

Der Dezernent widerspricht ausdrücklich dem Vorwurf, dass die Bürgerinformation eine Scheinveranstaltung gewesen und ohnehin alles in trockenen Tüchern sei: „Wir werden uns mit den Anregungen und Kritikpunkten sachlich auseinandersetzen.“ Zudem sei es durchaus denkbar, dass der Rat der Gemeinde Langerwehe oder der Stadt Eschweiler am Ende den Plänen nicht zustimmen würden. Er sei von den ersten beiden Veranstaltungen enttäuscht gewesen: „Man hat den Bürgern keine Informationen an die Hand gegeben.“ Diesmal war gleich eine Reihe von Experten dabei, die über die Geräuschentwicklung, über Denkmalschutz (in der Nähe der Halde Nierchen befindet sich das Gut Kammerbusch) und zur Studie über die optisch bedrängende Wirkung sprachen.

Für die Bürger gibt es vielleicht noch ein Happyend: Der Technische Beigeordnete ist überzeugt, dass es auch möglich sei, den Windpark mit kleineren Anlagen zu betreiben. „Wir werden uns in dieser Frage noch mit dem Investor austauschen“, sagte er unserer Zeitung. Man werde auch die Wirtschaftlichkeit bei einer um 50 Meter kleineren Anlage beleuchten.

Dass die Veranstaltung letztlich nicht dazu führte, die Gemüter zu beruhigen, will Gödde nicht davon abhalten, auch in Zukunft solche Veranstaltungen anzubieten. „Wir müssen mit der Kritik leben.“ Es sei ihm lieber, dass sich viele Menschen engagiert in eine Diskussion einbringen, als sich anschließend zu beklagen. Zugleich gesteht er: „Nicht jeder Experte kann sein Wissen auch so mitteilen, dass es jeder Bürger versteht.“ Auch darin lag ein Problem der Veranstaltung am Donnerstagabend.

Zeit für Kritik

Nun haben erst einmal die Bürger das Wort, denn die Pläne werden im Eschweiler Rathaus und in Langerwehe vom 25. Mai bis zum 27. Juni ausgelegt. Ansprechpartnerin zu den Öffnungszeiten im Eschweiler Rathaus ist Lisa Trienekens in Zimmer 450. Sie ist telefonisch erreichbar unter Telefon 71455. Die Pläne können dort nicht nur eingesehen werden, sondern man hat in dieser Zeit auch die Möglichkeit, Anregungen und Kritik zu äußern. „Dies muss nicht immer schriftlich erfolgen, sondern kann auch protokolliert werden“, sagte Hermann Gödde. Danach entscheidet der Stadtrat, ob, wie viele und welche neuen Windräder auf der Halde Nierchen gebaut werden.

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