René Costantini: Die neue Stimme der Stadtverwaltung

Von: Patrick Nowicki
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Sein neuer Arbeitsplatz: René Costantini ist seit wenigen Wochen neuer Leiter des Bürgermeister- und Presseamtes. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Er sitzt dem Bürgermeister Rudi Bertram immer im Nacken. Aber nur räumlich betrachtet, denn der Leiter des Presse- und Bürgermeisteramtes ist so etwas wie die rechte Hand des Verwaltungschefs. Jahrelang war Stefan Kaever die „Stimme der Stadt“, bis er im Frühjahr zum neuen Kämmerer der Stadt gewählt wurde.

Seit wenigen Wochen sitzt dort sein Nachfolger: René Costantini, der in der Eschweiler Stadtverwaltung seine Ausbildung bestritt und die Abläufe dort gut kennt. In unserem Interview schildert der 31-Jährige, dass er Fan von Borussia Dortmund ist, Karneval eine rot-weiße Uniform trägt und das Vertrauen beweisen will, dass man in ihn setzt.

Der Leiter des Bürgermeister- und Pressebüros ist ja so etwas wie die Stimme der Stadtverwaltung. Was hat Sie gereizt, die Stelle zu übernehmen?

Costantini: Die Stelle war intern ausgeschrieben. Ich habe in den 13 Jahren, die ich nun bei der Verwaltung arbeite, einen Einblick in die Tätigkeit von meinem Vorgänger Stefan Kaever bekommen. Im Bürgermeisterbüro laufen alle Fäden zusammen. Das hat mich gereizt. Und nach einem Gespräch mit meiner Frau habe ich mich beworben.

Welche Akzente möchten Sie in Ihrer neuen Funktion setzen?

Costantini: Ich bin schon jemand, der gerne Verantwortung übernimmt. Man muss allerdings sagen, dass Stefan Kaever riesige Fußstapfen hinterlassen hat. In diese Fußstapfen kann und will ich auch nicht treten. Ich werde schon versuchen, meinen eigenen Stil zu finden und habe auch die ein oder andere Idee, die man zusammen mit Kollegen in der Verwaltung umsetzen kann. Aber ich bin noch jung und schaue gerade frisch auf meine neue Aufgabe. Deswegen will ich mich erst einmal zurecht finden. Schauen wir mal, welche Idee sich letztlich umsetzen lässt.

Bürgermeister Rudi Bertram und Stefan Kaever pflegten ein sehr vertrauensvolles, enges Arbeitsverhältnis, dass über viele Jahre gewachsen ist. Empfinden Sie dies als zusätzliche Hürde?

Costantini: Man muss schon sagen, dass man mit der Entscheidung für mich schon großes Vertrauen in mich setzt. Viele Freunde und Bekannte haben mir gratuliert. Aber ich muss dieses Vertrauen nun auch rechtfertigen. Ich bin neu hier. Deswegen ist es gut, dass mich Rudi Bertram in alle Dinge einbindet. Der Rest wird sich mit der Zeit dann zeigen.

Was hat Sie in den ersten Wochen Ihrer neuen Arbeit am meisten überrascht?

Costantini: (überlegt) Das ist schwer zu sagen. Was ich bemerkenswert finde, mich aber nicht wirklich überrascht, ist, wie häufig der Bürgermeister kontaktiert wird. Da muss man den Überblick behalten, weil die Themen sehr unterschiedlich sind.

Das bedeutet: Irgendwann möchte René Costantini Bürgermeister werden?

Costantini: (lacht) Wenn ich den Terminkalender von Bürgermeister Rudi Bertram betrachte, werde ich wohl erst ein sehr langes Gespräch mit meiner Frau führen müssen. Aber im Ernst: So weit denke ich nicht.

Sie sind Mitglied der SPD. Hätten Sie sich auch beworben, wenn der Bürgermeister ein Christdemokrat wäre?

Costantini: Hm, eine kommunalpolitische Rolle spielt das Ganze hier natürlich schon. Aber wichtig ist vor allem das Vertrauensverhältnis. Wenn dies vorhanden ist, dann hätte ich mich vielleicht auch dann beworben, wenn der Bürgermeister von der CDU gestellt würde.

Welche dringenden Themen in der Stadt werden Sie in den nächsten Monaten besonders begleiten?

Costantini: Natürlich das Flüchtlingsthema wird uns alle beschäftigen. Dazu war die Veranstaltung „Willkommen in Eschweiler“ ein guter Anhaltspunkt. Wichtig ist auch die Frage, wie sich der Braunkohle-Standort Eschweiler entwickelt. Da muss sich die Landes- und Bundesebene positionieren. Es muss ein Plan entwickelt werden, wie es in 20 Jahren in Eschweiler aussieht.

Wie viel von den Sorgen und Nöten der Menschen, mit die sich auch der Bürgermeister befasst, bekommen Sie mit?

Costantini: Ich bekomme schon vieles mit. Nehmen wir RWE. An den Jobs hängen Existenzen. Für mich bedeutet das, dass man vor Augen geführt bekommt, dass man sich oft über Kleinigkeiten im Leben aufregt. Die Situation der Menschen bei RWE, um bei dem Beispiel zu bleiben, macht mich sehr betroffen. Wenn das Telefon dann Sturm klingelt hier, dann muss man den Leuten zuhören und helfen.

Wenn Sie Bürgermeister Rudi Bertram als Ihren Chef beschreiben würden, welche drei Worte wählen Sie dann?

Costantini: Bodenständigkeit. Er ist authentisch. Hm, und er hat – das kann man nur in einem ganzen Satz sagen – immer ein offenes Ohr für die Menschen, egal woher sie herkommen. Und er ist ein strenger Chef.

Sind Sie fußballinteressiert?

Costantini: Ich bin Borussia-Dortmund-Fan.

Wie passt das mit der Zuneigung Rudi Bertrams für den 1. FC Köln zusammen?

Costantini: Da mein Vater Schalke-Fan ist, habe ich da schon meine Erfahrungen sammeln können. Ich habe auch schon versucht, selbst Fußball zu spielen. Bei Rhenania Eschweiler, weil auch mein Vater dort aktiv war. Aber dann habe ich gemerkt, dass mich der Sand in der Weitsprunganlage mehr interessierte als der Ball, da habe ich das dann gelassen.

Wie hält sich der neue Stadtsprecher denn fit?

Costantini: Ich habe eine Zeit lang Laufsport betrieben, bis mein rechtes Knie nicht mehr mitmachte. Ich bin dann aufs Fahrrad umgestiegen, war auch schon im Fitnessstudio. Aber im Moment, das gebe ich zu, treibe ich zu wenig Sport.

Der Rosenmontagszugteilnehmer marschiert ja auch eine lange Strecke. Welche Rolle spielt für Sie der Karneval als Roter Funke?

Costantini: Der Karneval gehört einfach zu Eschweiler. Es ist für mich wichtig, dass sich junge Leute engagieren. Egal in welchem Verein. Und so kam ich zu den Roten Funken, weil die Truppe mir gefiel. Kollegen und Freunde haben mich dazu eingeladen. Zunächst war ich inaktives Mitglied, aber dies gefiel mir nicht, also wurde ich aktiv. Da ich auch dort Verantwortung übernehmen wollte, bin ich nun seit 2010 Zekretär des Vereins. Das macht mir Spaß.

Zurück auf die heutige Arbeit: War die Stelle in der Stadtverwaltung immer der Wunschberuf als Kind?

Costantini: Nein, das waren die klassischen Berufe Feuerwehrmann oder Polizist. Nachdem ich in meiner Zeit bei der Realschule ein Praktikum absolviert hatte, war mir klar, dass ich einen Bürojob anstrebe. Nach der Höheren Handelsschule habe ich mich bei der Stadtverwaltung beworben und wurde genommen.

Warum kein Bürojob bei einer Bank oder in einer Versicherung?

Costantini: Das lag an den Mathenoten. (lacht) Warum Verwaltung? Nun, ich habe hier die Möglichkeit, mit dem Bürger zusammen etwas zu gestalten. Natürlich habe ich in einer Bank auch Kundenkontakte. Aber die Arbeit in der Verwaltung ist vielseitiger. Ich habe in den vergangenen Jahren auch Gremienarbeit gemacht, war also in Sitzungen des Stadtrates. Da zeigt sich dann das ganze breite Feld. Man wird in der Ausbildung ja auch so vorbereitet, dass man in jedem Bereich der Verwaltung einsetzbar ist.

Könnten Sie sich auch vorstellen, im Jugendamt oder Sozialamt zu arbeiten, wo man auch viel Sozialarbeit leisten muss?

Costantini: Die Kollegen leisten dort hervorragende Arbeit. Ich war auch einige Zeit im Bürgerbüro und habe die Menschen in all ihren Facetten mit den unterschiedlichen Problemen und Fragen erfahren dürfen. Das hat mich auch ein Stück weit vorbereitet auf andere Arbeiten, die auf mich zukommen können. Sozialamt – warum nicht? Aber im Moment bin ich froh, an diesem Schreibtisch zu sitzen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Costantini: Vielleicht an diesem Platz. Und Bürgermeister Rudi Bertram sitzt nebenan. (lacht)

Dann dürfte er aber das Rentenalter mehr als erreicht haben...

Costantini: Stimmt. Aber ganz ehrlich: Das weiß ich noch nicht. Im Moment ist mein Ziel, mich hier einzuarbeiten. Was später kommt, wird man sehen.

Würden Sie sich als Teamplayer bezeichnen?

Costantini: Ganz klar: Ja. Ich habe das sehr früh gelernt und habe als Jugendlicher schon in der Pfarre St. Barbara und bei der CAJ (Christliche Arbeiter-Jugend) ehrenamtlich mitgearbeitet. Dort stand Teamarbeit ständig auf der Tagesordnung.

Tauschen Sie sich regelmäßig mit Ihrem Vorgänger Stefan Kaever aus?

Costantini: Ja, wir halten Kontakt. Die Arbeit ist ja vielseitig, da kann man nicht sofort alles bedenken und umsetzen. Auch Bürgermeister Rudi Bertram unterstützt mich und betont immer, dass ich fragen soll, wenn ich etwas nicht weiß. Im Moment muss ich mich in viele Bereiche noch tiefer einlesen. Das dauert seine Zeit und fordert mich auch, aber das war mir von vorneherein klar. Hier laufen die Fäden zusammen und es macht einfach Spaß, ein Stück weit die Geschicke der Stadt mitzugestalten.

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