Eschweiler - Reiter der Scharwache: Von Beschimpfungen die Nase voll

Reiter der Scharwache: Von Beschimpfungen die Nase voll

Von: rpm
Letzte Aktualisierung:
Toller Auf(t)ritt: Selbst in B
Toller Auf(t)ritt: Selbst in Berlin begeisterten die Scharwach-Reiter bereits die Karnevalsjecken. Jetzt ist damit Schluss: Die Pferde bleiben Rosenmontag im Stall. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Vor wenigen Jahren noch vertraten sie die Farben der Indestadt vor einem begeisterten Publikum im Karnevalsumzug der Bundeshauptstadt. Die Zeiten sind vorbei: Die Reiterkorporalschaft der Scharwache lässt ihre Pferde in diesem Jahr im Stall.

Der Grund: Fortwährende Anfeindungen durch Tierschützer. „Die durch Tierschützer aufgebrachten Diskussionen in den vergangenen Wochen bezüglich der Teilnahme von Pferden in den Rosenmontagszügen in Eschweiler und Aachen, zwingen uns in diesem Jahr dazu auf unsere Teilnahme zu Pferd zu verzichten”, erklärt Dr. Stefan Wilhelms, Rittmeister der Scharwache.

„Wenn man die Reaktionen in der Presse, im Internet und Facebook sich anschaut (Begriffe wie ,Tierquäler und ,A.....löcher hoch zu Ross sind noch die freundlichsten Beschimpfungen), so wird einem klar, dass auch bei einem tadellosen Bild von Reiter und Pferd schon der geringste Anlass zu einer Anzeige wegen Tierschutzverletzung führen könnte. Man wartet förmlich darauf!”, betont der Scharwächter, im Zivilleben Chefarzt einer Frauenklinik in Coesfeld.

„Wir Reiter haben weder in der Vergangenheit noch zum jetzigen Zeitpunkt uns je etwas zu schulden kommen lassen. Die für den Rosenmontagszug ausgesuchten und geeigneten Pferde wurden vor, während und nach dem Zug von uns Reitern pferdegerecht behandelt.

Wir haben mit Freude und hohem Einsatz unser Brauchtum Eschweiler Karneval über Jahrzehnte lang vertreten. Dabei ist kein Pferd, kein Reiter und auch kein Zuschauer zu Schaden gekommen”, betont Stefan Wilhelms.

Norbert Weiland, von der Absage überraschter Vorsitzender des Eschweiler Karnevalskomitees, unterstreicht dies: „Hier ist noch nie etwas passiert - weder Zuschauern noch Pferden. Es ist schade, dass wieder mal der Karneval für etwas herhalten und auf etwas verzichten muss, das woanders gang und gäbe ist”, verweist Weiland auf den Einsatz von Pferden bei vielerlei anderen Gelegenheiten, zum Beispiel dem Neusser Schützenzug.

Die Pferde und Reiter, die in Eschweiler zum Einsatz kamen, mussten ihe Eignung regelmäßig unter Beweis stellen. Das gilt auch für die Reitergruppe der Blauen Funken, die nun als einzige berittene Gruppe im Eschweiler Rosenmontagszug unterwegs sein wird.

„Der Ritt zu Pferd an Rosenmontag ist für uns eine Ehrenbezeugung an alle Fastelovendsjecke in Eschweiler und die vielen Gästen von nah und fern”, sagt Stefan Wilhelms.

Gemeinsam mit dem Regimentsspielmannzug und der Regimentskapelle bildete die Reiterkorporalschaft der Eschweiler Scharwache 46 Jahre lang ein imposantes Bild im Rosenmontagszug, auf das die Gesellschaft, aber auch alle anderen Gesellschaften und das Eschweiler Karnevalskomitee zu recht stolz waren. Die Gunst und die Anerkennung seitens der Bevölkerung sind seit Jahrzehnten ungebrochen.

„Unsere Absage ist nicht als Eingeständnis stattgehabten unsachgemäßens Umgangs mit unseren Pferden zu verstehen!”, betont Wilhelms.

„Die von den Tierschützern erhobenen Anschuldigungen erfordern unsererseits eine besonnene Reaktion auf die dadurch hervorgerufenen Aggressionen, die sich gegen uns entladen und die wir ganz besonders am Rosenmontag nicht erleben wollen”, unterstreicht der Chef der Reiterkorporalschaft.

Gefeiert wird natürlich dennoch: „Wir wünschen den sogenannten Pferdefreunden der Städteregion Aachen schöne Karnevalstage. Ich finde es allerdings bedauerlich, dass es ihnen gelungen ist, eine seit Generationen bestehende Tradition beendet und den Rosenmontagszug 2012 in Eschweiler um eine Attraktion ärmer gemacht zu haben.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert