Regionalbahn braust bald an Nothberg vorbei

Von: Patrick Nowicki
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Bald nur noch Geschichte: Am 12. Dezember halten die Regionalzüge zum letzten Mal in Nothberg. Die Deutsche Bahn will die Fahrtzeiten zwischen Köln und Aachen deutlich verkürzen. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Fünf vor ist ihre Zeit. Dann hält die Regionalbahn Richtung Köln in Nothberg. Einige Pendler steigen dort allmorgendlich ein, auch Gabriele Meyer-Wopperer gehört dazu. Jeden Morgen steigt sie in den RE9 Richtung Köln. Doch bald rauscht die Bahn mit allen Zügen am Haltepunkt Nothberg vorbei. Mit dem Fahrplanwechsel zum 13. Dezember wird der Stopp gestrichen.

Der Resolution des Stadtrates und dem danach folgenden Protest des Bürgermeisters Rudi Bertram zum Trotz. Auch die Bürgerinitiative, die noch im Juni fast 500 Unterschriften zum Erhalt des Haltepunktes im Rathaus überreichte, wurde vergeblich aktiv. Eines dürfte die meisten Menschen verwirren: Die Stadt wusste früh von den Plänen der Bahn.

Der Konzerbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Nordrhein-Westfalen, Reiner Latsch, betont, dass die Verwaltung schon seit dem Jahr 2002 über den Kreis Aachen eingebunden und informiert war. Es habe einen Konsens gegeben, dass der DB-Haltepunkt Nothberg zu Gunsten eines Neubaus des Haltepunktes der Euregiobahn in Nothberg geschlossen werde. „Die Resolution des Rates der Stadt Eschweiler überrascht mich doch sehr”, gesteht Reiner Latsch.

Der Haltepunkt bleibt aus Sicht der Bahn übrigens immer noch aktiv, obwohl dort nicht mehr gehalten wird. Für Gabriele Meyer-Wopperer und viele andere Bahnnutzer hat die Schließung spürbare Konsequenzen: „Jeden Morgen muss ich eine Viertelstunde früher aus dem Haus.” Dann geht es mit dem Auto zum Hauptbahnhof, denn die Euregiobahn mit dem Haltepunkt ist in ihren Augen keine Alternative.

Dabei ist die Wiederbelebung der Talbahnstrecke Bestandteil der Absprache mit der Stadt, wie auch Hans-Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes, bestätigt. „Wir müssen die Bahnstrecke zwischen Aachen und Köln schneller machen, dann ist sie auch für die Eschweiler Bürger attraktiver”, nennt er einen Grund für die Schließung des DB-Haltepunktes.

Zudem führt er die schwachen Fahrgast-Zahlen aus dem Juni diesen Jahres ins Feld. „Man sollte die Kirche im Dorf lassen: Eschweiler hat vier neue Haltepunkte bekommen. Da kann man in Nordrhein-Westfalen lange suchen, um eine Stadt in der Größe Eschweilers zu finden, die so vorzüglich angebunden ist”, meint Hans-Joachim Sistenich.

Die Bürgerinitiative mit ihrem Sprecher Heinz Miseré und Gabriele Meyer-Wopperer sehen dies natürlich anders. „Die Rationalisierung macht keinen Sinn, kennt nur Verlierer, keinen einzigen Gewinner. Machen Sie den Schwachsinn rückgängig!”, sagt die erzürnte Bahn-Nutzerin. Sie meint, dass die Bahn durch den Wegfall des Stopps in Nothberg keine Minute schneller am Ziel sei. Die Bahn bezeichnet sie als „Dienstleistungswüste”.

Sistenich, der an der Gestaltung des neuen Fahrplans maßgeblich beteiligt war, rechnet vor: „Wenn jemand in Nothberg um 7.26 Uhr in die Euregiobahn steigt, dann erreicht er problemlos um 7.44 Uhr den Regional-Express in Düren, der um 8.12 Uhr am Hauptbahnhof hält.” Der Zeitverlust sei in seinen Augen gering, weil die Fahrtzeit auf der Hauptstrecke bis 2015 deutlich reduziert werden soll. „Wir müssen es wieder schaffen, von Aachen nach Köln in 45 Minuten zu gelangen”, lautet das Ziel.

Ein Zurück wird es für den DB-Haltepunkt Nothberg nicht geben. In der Sitzung des Stadtrates am 16. September, in der die Resolution verabschiedet wurde, verneinte die Verwaltung noch, dass es eine Vereinbarung mit der Bahn und dem AVV gebe. Zumindest aber wusste die Stadt lange von den Plänen, was Sistenich unterstreicht: „Wir haben immer offen darüber gesprochen. Dass das Thema im Sommer nochmal hochkocht, verwundert mich vor Wahlen natürlich nicht.”

Gabriele Meyer-Wopperer muss wohl in den sauren Apfel beißen: „Ich werde zwar weiter mit der Bahn fahren, aber ein Dienstleistungs-Partner sind sie für mich nicht mehr.”
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