Aachen - Rebell Comedy begeistert quer durch alle Kulturen

Rebell Comedy begeistert quer durch alle Kulturen

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
11382411.jpg
Dies sind sie, die „Auserwählten“: Mit dem gleichnamigen Programm gastiert Rebell Comedy mit Khalid Bounouar (am Mikro) am Sonntag in Aachen.

Aachen. Wie andere Komiker in Deutschland will diese Formation nicht sein und das wird bereits an ihrem Namen deutlich: Die Rede ist von Rebell Comedy. Zwar liegen die Wurzeln der neun Mitglieder in Marokko, im Iran, in der Türkei und auch in der Schweiz, aus Deutschland ist die Truppe mittlerweile allerdings nicht mehr wegzudenken.

Der Grund: Mit ihrer Stand-Up-Comedy treffen sie den Nerv der Zeit. Ausverkaufte Hallen, Auftritte bei bekannten Fernsehsendungen und eine eigene Show gehören für die Comedians zum Alltag. Im Rahmen ihrer Tour „Die Auserwählten“ sind die Rebellen am Sonntag auch in Aachen zu Gast. Angefangen hat vor rund zehn Jahren jedoch alles sehr unspektakulär – und ungewöhnlich. Entstanden ist die Truppe aus einer Diplomarbeit.

Usama Elyas, der unter dem Namen Ususmango bekannt ist und die Formation mit Babak Ghassim gründete, studierte in Aachen Graphikdesign. Seine Abschlussarbeit nutzte er, um ein Comedy-Format zu planen – Gags, Requisiten und Werbepausen inklusive. Das Ergebnis: eine 31-minütige Show, die nur noch darauf wartete, umgesetzt zu werden.

Weitere Mitstreiter waren schnell gefunden. Nach den Comedians Benaissa und Pu, folgten Hany Siam, Enissa Amani, Alain Frei und Khalid Bounouar. Ihr Alleinstellungsmerkmal: „Viele Comedians machen Ethno-Comedy. Das bedeutet, dass sie sich in ihren Shows über ethnische Minderheiten lustig machen. Bei uns ist das anders. Da kommt jeder auf seine Kosten“, sagt Khalid Bounouar.

Er ist nicht nur das jüngste Mitglied, sondern auch der Moderator der Truppe. Aber können auch deutsche Zuschauer über die Witze der „Migranten“ lachen? Bounouar hat eine deutliche Meinung: „Egal, ob Deutsche, Marokkaner oder Türken im Publikum sitzen. Während der Show kann sich jeder zum anderen umdrehen und über ihn lachen.

Wir machen nicht nur Ethno-Comedy, sondern reden über das, was in der Welt vorgeht.“ Und das wäre? „Ich rede über Sachen, die man als Deutscher mit Migrationshintergrund erlebt. Das sind banale Sachen, die jedem passieren können“, sagt er.

Doch es gebe noch weitere Aspekte, die die Rebellen von ihren Kollegen unterscheiden. „Viele stellen auf der Bühne Personen da, die sie im wirklichen Leben nicht sind. Stand-up-Comedy umfasst aber, dass du erzählst, wer du bist und was dir passiert ist“, berichtet Bounouar.

Bei diesen alltäglichen Sachen gehe es darum, dass das Publikum die Situationen auch schon mal erlebt habe. Usama Elyas fügt hinzu: „Wir machen uns nicht zum Affen, indem wir eine Perücke aufziehen. Wir sind authentisch, und das wird nie alt werden. Wenn wir wachsen, wächst unser Publikum mit.“

Drehen wir den Scheinwerfer auf die Bühne: Bounouar beschreibt dort, wie sich verschiedene Nationalitäten beim Fußballgucken verhalten. Während Deutsche präzise und gefühllos kommentieren, seien Türken aggressiv und emotional. Und die Marokkaner? Umso spannender das Spiel, umso höher sei ihre Sitzposition. Dies erklärt er auch in einem Internet-Video, das von fast 340.000 Menschen gesehen wurde.

Mittlerweile ist die Formation, deren Mitglieder zwischen 25 und 35 Jahren alt und allesamt Akademiker sind, gefragter denn je und wird von großen Veranstaltern gebucht. Rund 70 Shows stehen in diesem Jahr an. Auch in TV-Formaten wie TV-Total und Nightwash sind die Comedians häufiger zu sehen. „Wir haben überschaubar angefangen, sind aber sehr gesund gewachsen“, meint Elyas. Erst in den vergangenen anderthalb Jahren sei der „große Schub“ gekommen.

Das wohl bekannteste Mitglied der Truppe ist die aus dem Iran stammende Enissa Amani. Sie wurde nicht zuletzt durch das Fernseh-Format „Let´s dance“ bekannt, sondern erhielt in diesem Jahr auch den Deutschen Comedy-Preis als Nachwuchskünstler des Jahres. Wachsende Bekanntheit hat auch ihre Schattenseiten.

Aber: „Es ist von Vorteil, wenn einzelne Künstler besonders bekannt werden, denn sie ziehen die Gruppe mit. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Künstler überwiegend durch Rebell Comedy bekannt wurden oder meist durch Rebell Comedy überhaupt erst mit Comedy starteten“, sagt Bounouar. Genau dann, wenn man bekannter werde, sei es umso wichtiger, eine feste Basis und eine Familie wie Rebell Comedy zu haben, um mit dem Druck klarzukommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert