Eschweiler - Reanimationstraining: Prüfen, rufen, drücken – und Leben retten

Reanimationstraining: Prüfen, rufen, drücken – und Leben retten

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Herzstillstand? Prüfen, rufen, drücken, ist doch ganz einfach, und vor allem kinderleicht: Bis zur Grundschule dauert es zwar noch gut vier Jahre, aber spätestens dann weiß die kleine Zoey Fina auch Bescheid. Ihre Eltern haben gestern beim Reanimationstraining in der Fußgängerzone mitgemacht. Foto: Doris Kinkel-Schlachter
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Drücken, drücken, drücken: Hans-Josef Hahn und Notarzt Rolf Overs-Frerker machen die Herzdruckmassage bei Übungspuppe „Anne“. Foto: Doris Kinkel-Schlachter

Eschweiler. Heute werden sicherlich einige Damen und Herren mit Muskelkater aufwachen. Vielleicht lächeln sie dann, aber auf jeden Fall wissen sie, warum sie schwere Arme haben und dass sie die Folge eines besonders wichtigen Trainings sind: Am Montag hat die „Woche der Wiederbelebung“ mit einem Reanimationstraining in der Fußgängerzone begonnen, und die Resonanz bei der Erste-Hilfe-Schulung auf offener Straße ist trotz des verregneten Morgens sehr gut.

„Kann ich da nichts verkehrt machen? Und was mache ich, wenn ich alleine auf weiter Flur unterwegs bin, zum Beispiel mit dem Fahrrad, ohne Handy?“ Eugenie Rapoizinski löchert Thorsten Mülly mit Fragen. Ruhig beantwortet der Notarzt sie und zeigt der 64-Jährigen, was sie im Notfall machen muss. Gespräch und Aktion laufen parallel, weil es kinderleicht ist.

„Prüfen. Rufen. Drücken“, lautet die Devise. Drei leicht zu merkende Schritte bei einem Herzstillstand: Prüfen, ob die betroffene Person noch atmet. Unter der Notrufnummer 112 den Rettungsdienst rufen. Fest und mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs drücken und nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft.

Einzig hier wird es schwierig, wie die Eschweilerin ebenso wie die vielen anderen Teilnehmer feststellen: Das ständige Drücken ist ganz schön anstrengend. Der Einfachheit halber hat das Team der Klinik für Anästhesie des St.-Antonius-Hospitals ein Metronom aufgestellt, das ein gleichmäßiges Tempo vorgibt. Jedes Ticken heißt auch gleichzeitig Drücken.

„Das ist anstrengend und kann sehr schwer sein, aber Sie haben Mut bewiesen und etwas gemacht. Sie machen das sehr gut“, spricht Rolf Overs-Frerker einer anderen Passantin, die über das ständige Drücken ins Schwitzen gerät, gut zu.

Auch Janka Brandt staunt nicht schlecht. Die 22-Jährige hat noch nie eine Herzdruckmassage gemacht, während ihr Mann Kevin das erst vor einigen Monaten im Rahmen seiner Ausbildung bei der Bundeswehr üben durfte.

Beide bearbeiten den Brustkorb von Übungspuppe „Mini-Anne“, die hier in fünffacher Ausführung liegt. Töchterchen Zoey Fina schaut sich das Ganze mit einem skeptischen Blick an, der dann aber einem Lächeln weicht, als Theresa Kaminski der Kleinen einen roten Luftballon schenkt.

Die Notärztin stellt auch das Projekt „LebenRetten – kinderleicht“ vor. Auf Initiative der Anästhesistin wird es an verschiedenen Grundschulen in Eschweiler und der Region umgesetzt, „dieses Jahr sind es 15 Schulen“, sagt sie. Bei dem zweitägigen Kurs erwerben die Viertklässler die Qualifikation als potenzieller Ersthelfer in Notfallsituationen.

Und genau wie die Passanten am Montag in der Grabenstraße erfahren die Schüler, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 40.000 und 64.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod sterben. Obwohl jeder helfen könnte, tun es die wenigsten.

Hierzulande ist die Helferquote beim Herzstillstand im internationalen Vergleich sehr gering: Nur in 17 Prozent der Fälle werden die einfachen, aber lebensrettenden Maßnahmen ergriffen.

Hier setzt die vom Bundesgesundheitsministerium gestützte Kampagne „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung an.

Die Aktionswoche zur Wiederbelebung findet bundesweit statt und soll das Bewusstsein in der Bevölkerung für Erste Hilfe schärfen und zum Handeln im Notfall motivieren. „Über 4500 Unfalltote spricht man, nicht aber über die 5000 Menschen im Jahr, deren Leben mit der Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer gerettet werden könnte“, sagt Notarzt Overs-Frerker.

Gut in Übung ist Hans-Josef Hahn. Leider hat der Eschweiler, so sagt er, schon viele Betriebsunfälle im Rahmen seiner Tätigkeit erlebt und schon mehrmals Menschen wiederbelebt. Er weiß auch, dass vielen Leuten der Mut fehlt. „Sie sind überfordert, können mit der Notfallsituation nicht umgehen.

Die Psyche macht nicht mit.“ Das sei eine menschliche Regung, jedoch sollte sich jeder einbinden, soweit es geht. Hahn: „Ich bin natürlich kein Sanitäter, aber ich laufe nicht weg!“

„Weglaufen“ müssen am Ende nur die Feuerwehrmänner Christian Haake und Marcel Krott. Mit Blaulicht geht es zum Einsatz. Die Meldung: Schlaganfall.

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