Realschüler waren auf der Krim: „Zum Abschied flossen Tränen”

Von: sh
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Machten als „Team Deutschland” im Kinder- und Jugendferienlager auf der Krim eine gute Figur: Acht Realschüler verbrachten drei Wochen in der Ukraine und kamen mit vielen tollen Erfahrungen im Gepäck heim an die Inde. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. 2500 Kilometer entfernt von der Heimat, mit chinesischen und turkmenischen Jugendlichen (und den damit verbundenen Kommunikationsproblemen) unter einem Dach und dann noch diese störenden Regeln wie die tagtägliche Mittagsruhe - ein Traumurlaub sieht für viele wohl anders aus.

Für acht Eschweiler Realschüler war es trotzdem die mit schönste Zeit ihres Lebens, die sie drei Wochen lang auf der ukrainischen Halbinsel Krim erlebten. „Eine tolle Erfahrung”, sagen die Siebt- bis Zehntklässler einstimmig. „Sie sind wie ausgewechselt”, blicken die stolzen Eltern auf ihre Sprösslinge, die spürbar gereift sind im Artek-Ferienlager für Kinder und Jugendliche.

Am 16. Juli starteten Angelina Herdt, Stefan Rolko, Esther Jordans, Anna Winterscheid, Nico Görres, Daniel Beiß, Tobias Kommer und Marnie Hass mit dem Flieger Richtung Ukraine. Peter Schöner und seine engagierten Mitstreiter von der Gesellschaftspolitischen Bildungsgesellschaft (GPB) hatten den Kontakt zur ukrainischen Botschaft hergestellt. Erstmals kamen so auch Jugendliche aus NRW zum Artek-Ferienlager, in dem 630 Teilnehmer aus 63 Ländern und von allen fünf Kontinenten friedliches Miteinander vorbildlich vorlebten.

Die Eschweiler Schüler kamen mit dem „Kulturschock” gut zurecht. Sehr gut sogar: „Wir haben richtige Freundschaften geschlossen mit unseren Hausnachbarn aus China und Turkmenistan und auch mit vielen anderen Jugendlichen”, erzählt Marnie. „Zum Abschied flossen da sogar die Tränen.”

Auf Englisch unterhielt man sich mit den Gleichaltrigen aus den völlig fremden Kulturkreisen. „Und der Kontakt besteht noch immer”, schreibt Nico heute noch fleißig E-Mails mit seinen neuen Freunden aus aller Welt.

Und so kam ein jeder der acht Indestädter mit einer ordentlichen Portion Lebenserfahrung aus den Ferien zurück, die keine noch so gute Unterrichtsstunde vermitteln kann. Michaela Silbernagel, Leiterin der Realschule Patternhof: „Wir sind als Schulgemeinschaft sehr stolz darauf, dass ihr durch euer Dabeisein dazu beigetragen habt, die Welt ein Stück zum Besseren zu verändern.”

Ob Zoobesuch, Nachtwanderung oder Bergbesteigung - Langeweile kam im Artek-Ferienlager nahe der ukrainischen Stadt Hursuf nie auf. Naja, fast nie. „Einige Regeln vor Ort haben uns nicht so gefallen, zum Beispiel der verordnete Mittagsschlaf. Oder dass wir nirgendwo ohne Betreuer hindurften”, gibt Anna zu. Die anderen nicken zustimmend. Doch als „Team Deutschland” hielten sie super zusammen. Und freundeten sich mit der Zeit mehr und mehr mit ihren Zimmernachbarn an.

Am Ende sollten Chinesen, Turkmenen und Deutsche sogar einen gemeinsamen Tanz aufführen. Leider mussten die Jugendlichen aus dem Reich der Mitte früher abreisen, so dass bei der Aufführung etwas improvisiert werden musste. Geklappt hat´s trotzdem. Auch mit dem Essen. Größtenteils zumindest, denn während sich die Asiaten mit ungewohnten Messern und Gabeln eher unkonventionell aufs Essen stürzten, mussten die deutschen Schüler ihren Magen erstmal an die fremde Kost gewöhnen. Am Ende sind es Geschichten und Erfahrungen, über die alle rückblickend lachen.

„Ihr habt bewiesen, dass ihr als Abordnung der Bundesrepublik eine sehr gute Figur abgeben könnt. Für euch ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstständigkeit”, war Europaverein-Vorsitzender Peter Schöner voll des Lobes.

Und die in der Heimat zurückgelassenen Eltern? Wie empfanden sie die kinderlose Zeit? „Es ist schon gewöhnungsbedürftig, wenn die eigene Tochter oder der Sohn so weit von zu Hause weg ist”, erzählt eine Mutter. Und dann noch die ersten Nachrichten: „Nicht so gut hier” hieß es beim ersten Anruf, „geht so” in der zweiten Mail. Jetzt, bei der Rückkehr, gab es bei den Jugendlichen nur eine Antwort: „Wenn ich könnte, würde ich sofort wieder hinfliegen!”

Das geht aber nicht, wie Peter Schöner mitteilte. Aus dem Kreis Aachen wird vorerst keiner mehr die Chance haben, am Artek-Ferienlager teilzunehmen. „Jetzt sind andere dran”, so der GPB-Vorsitzende. Dafür plant er bereits einen Schüleraustausch mit Rumänien. „Da ist die Realschule dabei”, rennt er bei Rektorin Michaela Silbernagel offene Türen ein.
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