Eschweiler - Rauchverbot: Kurzer Countdown bis zum „Burn Out“

Rauchverbot: Kurzer Countdown bis zum „Burn Out“

Von: Rudolf Müller
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Die Raucherzone liegt hinter uns. Jetzt kommen qualmfreie Zeiten. Foto: imago/Manngold
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Einer der letzten Züge aus der Shisha: Hassan Hawili muss das „Sahara“ schließen. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Am 1. Mai hat‘s sich ausgeqalmt. Das umstrittene Nichtraucherschutzgesetz betrifft restlos alle Gaststätten. Seit 235 Jahren bereits sind die Lerschs Gastwirte in Eschweiler. Jetzt stehen sie vor einer Premiere: Erstmals in der ereignisreichen Familiengeschichte wird ein Filius (Marc) seinem Vater (Äu) in der eigenen Gaststätte Hausverbot erteilen müssen. Wenn – ja wenn „Äu“ es nicht schafft, seiner Leidenschaft für dampfende Zigarrillos Einhalt zu gebieten.

Ab 1. Mai sind alle Gaststätten in Nordrhein-Westfalen rauchfreie Zone. Da konnten sich die Wirte, die sich von den Gesetzgebern in ihrer Existenz bedroht sehen, noch so vehement wehren. Das Gesetz gilt: für „Raucherclubs“, die nun keine mehr sind, ebenso wie für Festzelte. Für Eckkneipen wie für Vereinslokale. An Aschermittwoch ebenso wie an Rosenmontag.

Edmund Müller, als Leiter des städtischen Ordnungsamtes in der Pflicht, die Einhaltung des Gesetzes zu kontrollieren, ist von der neuen Aufgabe wenig erbaut: „Dass die Wirte sich darüber nicht freuen, ist uns klar. Aber wir haben keine Wahl – wir müssen das umsetzen.“

Saftige Strafen

Was nicht heißt, dass gleich in der Mainacht Scharen städtischer Ordnungshüter ausschwärmen und Aschenbecher kontrollieren. Müller will den Betroffenen „eine gewisse Eingewöhnungszeit“ einräumen – und dann schwerpunktmäßig kontrollieren. „Wir besitzen keine schnelle Eingreiftruppe und können auch kein zusätzliches Personal einstellen“, sagt Müller.

Soll heißen: Wenn sich ein Gaststättenbesucher von Rauchern belästigt fühlt, muss er schon Anzeige erstatten. Das aber tun erfahrungsgemäß die wenigsten: „Keiner will sich mit seinem Namen als ,Spielverderber‘ outen“, weiß Edmund Müller. Kommen allerdings verstärkt Hinweise auf bestimmte Lokale, so dürfen die sich im Rahmen der nächsten Schwerpunktkontrolle auf Besuch freuen.

Dann kann‘s teuer werden: „Die Bußgelder gegen Wirte können bis zu 2500 Euro betragen. Bleiben Wirte dann uneinsichtig, kann ihnen sogar die Konzession entzogen werden. Neu ist, dass auch der Raucher selbst zur Kasse gebeten werden kann: mit 5 bis 1000 Euro.“

Vier Außendienstler hat der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt. „Wenn Schwerpunktkontrollen anstehen – zum Beispiel in den Gaststätten rund um den Markt – kommen da noch zehn Leute hinzu, die normalerweise Innendienst machen“, sagt Müller.

In den zurückliegenden Wochen hat er eine Menge Gespräche mit Gastwirten geführt: zum Beispiel über die Möglichkeit, Zeltvorbauten mit Heizstrahlern vor die Lokale zu setzen. Türlose Raucher- Asyle: „Wenn man die zumachen kann, sind es geschlossene Räume und fallen damit ebenfalls unters Nichtraucherschutzgesetz.“

Nicht unters neue Gesetz fällt die traditionsreiche Party des Röher Mai-clubs, der diesmal erstmalig eine „kölsche Mainacht“ anbietet. Vorsitzender Daniel Asara ist erleichtert: Nach Auskunft des Ordnungsamtes zählt die komplette Feier – bis zur Sperrstunde, wann immer die sein mag – zum Tag ihres Beginns, sprich: 30. April. Niemand muss also um Mitternacht durch die Tischreihen ziehen und die Aschenbecher einsammeln.

Probleme ganz anderer Art haben die beiden in Eschweiler ansässigen Shisha-Bars. Wasserpfeifen zu rauchen – diese uralte arabische Tradition findet auch hierzulande immer mehr Anhänger. Doch die Freunde des Tabaks mit Fruchtaromen (derzeitiger Spitzenreiter in Eschweiler: Zitrone/Minze) müssen ihrer Leidenschaft künftig in den eigenen vier Wänden frönen. Die Bars müssen schließen.

Hassan Hawili ist 29 Jahre alt. Geboren im Libanon, kam er mit zwei Jahren nach Eschweiler. Hier wuchs er auf, hier betreibt er seit vier Jahren das „Sahara“ an der Dürener Straße. Alkohol gibt‘s danicht – aber Shisha-Tabak in 27 Geschmacksrichtungen. Zwar teerfrei, aber Nikotin enthaltend.

Wenn auch weniger als Zigarettentabak. Bis zu 150 Gäste zählt Hassan Hawili hier täglich. Nicht nur aus der Indestadt, sondern auch aus Stolberg, Würselen, Hückelhoven, Düren. Das „Sahara“, so sagt er, sei zum Treffpunkt junger Leute geworden, „die früher am Bushof und in anderen Ecken abhingen.“ Im „Sahara“ fanden sie neben alkoholfreien Getränken Brettspiele, Kartenspiele – „also durchweg Gemeinschaftsspiele“, so Hassan Hawali. Dazu Musik, die ankam. „Das war wie ein großes Jugendheim“, sagt er.

Bis Montag hatte er den Laden eine Woche lang geschlossen, um die endgültige Schließung am 1. Mai vorzubereiten. „Da sind die Leute wie blind durch die Stadt gelaufen, wussten nichts mit sich anzufangen und haben auch hier und da Mist gebaut“, sagt der 29-Jährige, der nun hofft, das eine oder andere Teil des Inventars verkaufen zu können. „Ich muss da jetzt durch.

Noch ein paar gute Tage hier – und dann muss ich zum Arbeitsamt.“ Eine Ausbildung kann er nicht vorweisen. Vielleicht findet sich ja etwas in der Gastronomie. Vielleicht schafft er es, sich später wieder selbstständig zu machen. Allerdings: Das „Sahara“ zur „normalen“ Kneipe umfunktionieren, das will er nicht. „Mit Alkohol kommt ein ganz anderes Klientel und wir werden mit ganz anderen Klischees konfrontiert“, sagt er. Und versteht nicht, dass selbst nikotinfreier Shisha-Tabak – auch den gibt‘s – keine Überlebensmöglichkeit für die Wasserpfeifen-Cafés bietet.

Dass auch einige Eckkneipenwirte demnächst die Segel streichen müssen, das glaubt Marc Lersch, Vorsitzender des Wirtevereins Eschweiler. „Wenn ein kleines Lokal 20 oder 30 Stammgäste hat und davon bleiben zehn weg, weil sie beim Bier nicht mehr ihre geliebte Zigarette rauchen dürfen, dann gehts dem Wirt an die Existenz. Diese Angst ist bei einigen durchaus vorhanden."

Die Wirte wollen einen Monat lang Erfahrungen mit dem Gesetz, seiner Umsetzung und seinen Auswirkungen sammeln und sich dann mit Ordnungsamtleiter Edmund Müller zusammensetzen, um die Situation zu bereden. Dazu gehört auch der programmierte Ärger mit ruhebedürftigen Nachbarn wegen der Raucher, die jetzt scharenweise auf der Straße stehen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

liebte Zigarette rauchen dürfen, dann geht‘s dem Wirt an die Existenz. Diese Angst ist bei einigen durchaus vorhanden.“ Die Wirte wollen einen Monat lang Erfah-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

rungen mit dem Gesetz, seiner Umsetzung und seinen Auswirkungen sammeln und sich dann mit Ordnungsamtsleiter Edmund Müller zusammensetzen, um die Situation zu bereden. Dazu gehört auch der programmierte Ärger mit ruhebedürftigen Nachbarn wegen der Raucher, die jetzt scharenweise auf der Straße stehen.

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