Rauchmelder retten Leben: Pflicht in Wohngebäuden

Von: Patrick Nowicki
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Zeigt zwei Rauchmelder, die per Funk vernetzt werden können: Der Chef der Eschweiler Feuerwehr, Axel Johnen, weist darauf hin, dass die kleinen Geräte Leben retten können. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Wachleiter Axel Johnen gehört zu den routinierten Feuerwehrleuten in der Hauptwache am Florianweg. Die Zahl seiner Brandeinsätze kennt er nicht genau, aber es werden viele Hunderte sein. Manche Ereignisse haben sich jedoch im wahrsten Sinne des Wortes in sein Gedächtnis gebrannt: Feuer, bei denen Menschen zu Tode kommen.

Was den Stadtbrandinspektor besonders nachdenklich macht: „In den meisten Fällen hätte ein Rauchmelder Schlimmeres verhindert.“

Seit dem 1. Januar sind die Geräte in Wohngebäuden Pflicht. Angebracht werden müssen sie in allen Schlafstätten wie Kinder- und Schlafzimmer, aber auch in Fluren, da diese oft als Fluchtwege frei sein müssen. Kontrollen gibt es jedoch nicht. Welche Konsequenz in der Nachbetrachtung gezogen wird, wenn keine Rauchmelder installiert sind und es zu einem Feuer kommt, ist auch unsicher. Fest steht für Johnen und andere Fachleute nur eins: „Wer keinen Rauchmelder installiert, der gefährdet sein eigenes und das Leben anderer.“

Entgegen der landläufigen Meinung, dass der Brandgeruch einen wecke, werden die meisten Opfer im Schlaf überrascht. Sie sterben dann nicht an Verbrennungen, sondern an Rauchvergiftung. Beim Feuer entstehen nämlich gefährliche Gase, die zunächst zur Bewusstlosigkeit und schließlich zum Tod führen, werden sie länger eingeatmet. „Wenn man bedenkt, dass die Melder heute vergleichsweise wenig kosten, dann verstehe ich noch weniger, wenn keine Rauchmelder in Wohnungen installiert sind“, sagt Johnen.

Er empfiehlt Geräte, die miteinander über Funk vernetzt sind. Dies sei vor allem bei Wohnungen über mehreren Etagen sinnvoll. Wenn nämlich im Erdgeschoss Rauch entsteht, dann schrillt der Alarm auch bei den anderen Geräten in den Etagen darüber, wo sich in der Regel die Schlafzimmer befinden. „Kleinere Wohnungen hingegen müssen nicht auf die etwas teureren Melder mit Funk zurückgreifen, weil die Abstände zwischen den Räumen nicht so groß sind“, berichtet Johnen. Wichtig sei nur, dass die Geräte das CE-Zeichen tragen und die EN 14604 erfüllen.

Da die meisten Brände immer noch vermeidbar sind, informieren Mitglieder der Eschweiler Feuerwehr in Schulen und in Kindergärten, wie man sich richtig verhält. „Viele Kinder wissen heute gut bescheid“, sagt er. Dies kann man nicht von allen Erwachsenen behaupten. Im Jahr 2015 war in 35 Fällen Fahrlässigkeit Ursache für ein Feuer. Nach wie vor gehören das brennende Essen auf dem Herd und das vergessene eingeschaltete Bügeleisen zu den größten Verursachern.

Der Sachschaden durch Brände alleine im Jahr 2015, so schätzt die Feuerwehr, summiert sich auf über 1,8 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr liegt die Summe deutlich drüber, genaue Zahlen sind aber noch nicht bekannt. Johnens Fazit: „Neben der Installation von Brandmeldern ist wichtig, die Ursachen nach Möglichkeit zu vermeiden.“ Dazu gehört auch, die Heizung regelmäßig von Fachleuten warten zu lassen.

90 Prozent der jährlich 400 Brandopfer ersticken im Schlaf

Seit dem 1. April 2013 besteht die Rauchmelderpflicht für Neu- und Erweiterungsbauten, seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt sie für alle Wohnungen und Wohnhäuser.

Laut Gesetz liegt die Installationspflicht bei den Bauherren beziehungsweise den Eigentümern. Wenn diese ihrer Pflicht nicht nachkommen, sollten Mieter auf ihren Vermieter zugehen, empfiehlt der Verband der Feuerwehren in NRW. Die Wartung der Geräte muss der Mieter selbst übernehmen.

Nach wie vor sterben jährlich etwa 400 Menschen in Deutschland bei Bränden. In Eschweiler waren es im vergangenen Jahr eine Person. Die meisten Opfer, etwa 90 Prozent, sterben nicht an Verbrennungen, sondern ersticken nachts im Schlaf an einer Rauchvergiftung.

Gefährlicher Bestandteil des Brandrauchs ist das geruchlose Gas Kohlenstoffmonoxid, das nach wenigen Atemzügen zu Bewusstlosigkeit und später zum Tod führt. Bei Bränden kann auch Blausäure entstehen.

Deswegen ist es wichtig, dass beim Verdacht einer Rauchvergiftung sofort der Notarzt gerufen wird. Unbehandelt kann sie verheerende Folgen haben.

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