Rap-Musik dient als Schlüssel zur Integration

Von: Annika Thee
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Projektkoordinator Christian Kolf (links) zusammen mit den Jugendlichen, die an dem Rap-Projekt teilnehmen und Tontechniker Michael Heidmann (oben 2.v.r.)

Eschweiler. Langsam füllt sich der Raum, der im Jugendtreff „Check In“ als Tonstudio genutzt wird. Die Jugendlichen haben ihn selbst renoviert, gestrichen, Schallschutz an den Wänden angebracht und sogar eine kleine Tonkabine eingebaut. Michael Heidmann ist Tontechniker und sitzt konzentriert vor dem Mischpult. Eine Hand hat er am Keyboard, mit der anderen hält er die Gitarre.

Die Jugendlichen sind gespannt, wie sich ihr Lied inzwischen anhört. Jede Woche kommen neun bis 14 Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren in den Jugendtreff an der Hehlrather Straße 15. Sie schreiben gemeinsam Songs, rappen ins Mikro, spielen Instrumente und schneiden die Aufnahmen mit Hilfe von Michael Heidmann.

Strapazen der Flucht

Der erste Song ist bereits fertig, er heißt „Keep your head up“. Auf Farsi, Englisch und Deutsch erzählen die neuen Jugendlichen von der Situation in ihren Heimatländern und den Strapazen der Flucht nach Deutschland. Ihre neuen Freunde aus Eschweiler antworten ihnen mit dem Refrain „Ich weiß es war nicht leicht, aber wir sind für euch da. Der Weg nach hier war weit, aber nicht umsonst“.

Integration? Hier scheint es fernab von allen akademischen Diskussionen auf rein praktische Weise zu gelingen. „Am Anfang wusste noch niemand, wo die Reise mit dem Song überhaupt hingeht. Die Jugendlichen kannten sich nicht. Dann hat jeder seinen Teil dazu beigetragen und am Ende ist aus all den Ideen ein einziger, in sich geschlossener Song geworden“, freut sich Michael Heidmann.

„Hier geht es darum, aus Puzzleteilen etwas Gemeinsames zu machen, deshalb arbeiten wir auch schon an dem zweiten Song, der noch mehr Sprachen enthält, nämlich Farsi, Lingála, Französisch, Englisch und Deutsch“, fügt Christian Kolf hinzu.

Das Rap-Projekt ist eine Aktion im Rahmen des großen Projekts „Ich? Du? Wir gehör‘n dazu! – Kinder- und Jugendarbeit in kommunalen Bildungslandschaften“, mit dem die Stadt Eschweiler versucht, Jugendliche aus Eschweiler und jene, die erst vor kurzem aus dem Ausland nach hierher gekommen sind, miteinander bekannt zu machen. Die Projekte werden von der Stadt Eschweiler geplant und durchgeführt, finanziert werden sie von Mitteln aus dem Kinder- und Jugendförderplan NRW.

„Ich komme jede Woche her und die Leute hier sind inzwischen meine Freunde geworden. Wir machen zusammen Musik“, sagt der 17-jährige Marvis aus Nigeria. Er sitzt neben Mohammad, der aus Afghanistan kommt und seit fast einem Jahr in Eschweiler lebt. „Ich finde es toll, hier Texte zu schreiben und Lieder zu singen und dabei Spaß mit der Gruppe zu haben“, sagt er. Deshalb komme er jede Woche in den Jugendtreff „Check In“.

Der Austausch zwischen den Jugendlichen findet im Rahmen verschiedener Aktionen statt, an denen sie jede Woche im Jugendtreff „Check In“ teilnehmen können. Das soll den geflüchteten Jugendlichen helfen, in der Inde-stadt Fuß zu fassen, Gleichaltrige kennenzulernen und die deutsche Sprache zu lernen. Eine vorausgegangene Bedarfsanalyse im Rahmen des geförderten Bildungsprojekts zeigte, dass die Jugendlichen aus Eschweiler und aus dem Ausland besonders drei gemeinsame Interessen verbinden: Musik, Freizeit und Sport.

Daraus wurden drei einzelne Projekte entwickelt. Neben dem „Rap-Projekt“ entwickeln elf Jugendliche im Rahmen des Projekts „Jugendlandkarte“ gemeinsam eine Stadtkarte von Eschweiler, in der alle wichtigen Anlaufstellen für die neuzugezogenen Jugendlichen verzeichnet sind. So können sie Einkaufs- und Transportmöglichkeiten finden, aber auch Bolzplätze und Hilfsangebote, wie die Suchtberatungsstelle.

„Schließlich sind hier die Jugendlichen die Experten. Sie wissen selbst am besten, was Gleichaltrige interessiert und wo es die besten Orte zum Skateboarden gibt“, erklärt Christian Kolf, der für die Mobile Jugendarbeit und das Projekt „kommunale Bildungslandschaften“ bei der Stadt Eschweiler angestellt ist. Die Karte ist bereits entworfen und liegt zurzeit bei einer Grafikdesignerin. Ab Anfang April soll sie in allen Kinder- und Jugendeinrichtungen und weiterführenden Schulen der Stadt ausliegen.

Die Sportsachenbörse

Viele neuzugezogene Jugendliche treiben außerdem genau wie ihre Eschweiler Altersgenossen gerne Sport. „Die Eschweiler haben jede Menge Kleidung für Flüchtlinge gespendet, jedoch keine Sportkleidung oder Sportschuhe für Jugendlichen“, erklärt Christian Kolf. Daher hat er für den 18. März im Jugendtreff eine Sportsachenbörse organisiert, „damit die neuen Jugendlichen auch mit kicken können“, erklärt Kolf.

„Man muss sehr flexibel sein und mit viel Spontaneität umgehen können“, beschreibt Christian Kolf seine tägliche Arbeit. Schließlich seien die Projekte alle unverbindlich und beruhten darauf, dass die Jugendlichen freiwillig ins Jugendzentrum kommen. „Manchmal sind es nur drei Teilnehmer, manchmal stehen 14 Leute auf der Matte“, sagt Kolf.

Ein Neuantrag zur Weiterförderung des Projekts, das am 30. April zu Ende geht, wurde bereits beim Land NRW gestellt. Anschließend an das „Rap-Projekt“ wollen die Jugendlichen in diesem Jahr ein Musikvideo zu ihren Songs drehen. „Auf jeden Fall werden die Projekte wieder die Begegnung zwischen Jugendlichen aus Eschweiler und neuzugezogenen Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen, was in diesem Projekt bisher ein voller Erfolg war“, freut sich Christian Kolf.

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