Rainer Harnacke ist neuer Direktor des Amtsgerichts

Von: Tobias Röber
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Der neue Direktor des Amtsgerichts: Rainer Harnacke wechselte von Jülich nach Eschweiler. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Rainer Harnacke hätte sich nach eigener Aussage für seinen Amtsantritt keinen besseren Zeitpunkt wünschen können. Seit Montag – und damit mitten in der heißen Karnevalszeit – ist er der neue Direktor des für die Städte Eschweiler und Stolberg zuständigen Amtsgerichts.

„Ich feier gerne Karneval, aber im Rahmen“, sagt der am 30. September 1960 in Aachen geborene Harnacke und lächelt. Seine neuen Kollegen hat er in den vergangenen Tagen unter anderem beim traditionellen Weiberfastnachtsfrühstück näher kennengelernt und ein „ausgesprochen gutes Betriebsklima“ ausgemacht.

Im November war Harnackes Vorgänger Dr. Gisbert Fuchs nach Aachen gewechselt, nun ist endlich ein Nachfolger gefunden. Harnacke studierte in Trier und absolvierte seine Referendarzeit in Aachen. Zuletzt war er als Direktor des Amtsgerichts in Jülich tätig, davor leitete er die Geschicke des Amtsgerichts Monschau. Damit hat sich der 55-Jährige Stück für Stück „vergrößert“. 25 Mitarbeiter hat das Amtsgericht in Monschau, 50 das in Jülich. In Eschweiler sind es nun 75 Mitarbeiter.

Das Eschweiler Amtsgericht sieht Harnacke als „gut aufgestellt“ an und aus diesem Grund hat er auch erstmal keine Änderungen vor. „Das muss nicht unbedingt sein. Es wäre falsch, etwas zu ändern, nur um seinen eigenen Fußabdruck zu hinterlassen. Wenn etwas gut läuft, dann kann es auch gut weiterlaufen“, sagt der neue Direktor. Verbesserungspotenzial sieht er dennoch. Das Projekt, das er meint, liegt jedoch nicht in seinen Händen. Seit mehr als 30 Jahren wird über die Zusammenführung der beiden Amtsgerichtsstandorte (das Hauptgebäude befindet sich an der Kaiserstraße, die Nebenstelle an der Peter-Paul-Straße) diskutiert. Bislang ohne Ergebnis.

Als „Unding“ bezeichnet Harnacke die zwei Standorte. Man müsse zwei Einlasskontrollen vorhalten, auch beim Aktentransport gebe es Probleme – nennt er zwei Beispiele. Nicht zu vergessen die soziale Komponente. „Der Bezug der Mitarbeiter untereinander ist mit den beiden Standorten nicht so gegeben“, sagt der neue Direktor. Etwas Neues gibt es in Sachen Zusammenführung nicht. Zwar war Justizminister Thomas Kutschaty erst kürzlich in Eschweiler und sprach auch die nicht optimale Situation an, eine Lösung präsentierte er jedoch (noch) nicht.

Geschäftsleiter Peter-Heinz Arnolds erklärt, dass derzeit unter anderem über eine Machbarkeitsstudie für das Projekt „Standortzusammenführung“ nachgedacht werde. Harnacke hält die Errichtung eines neuen Gebäudes an der Kaiserstraße für sinnvoll. Platz genug ist vorhanden, befindet sich doch hinter dem Gebäude an der Kaiserstraße (in Richtung Talbahnhof) ein brach liegendes Gelände.

An gemeinsamen Veranstaltungen, um den Bezug der Mitarbeiter der zwei Standorte untereinander zu verbessern, will Harnacke festhalten.

Weiterhin wünscht er sich ein besseres Ansehen der Justiz in der Bevölkerung. „Wenn innerhalb der Bevölkerung klar wäre, wie wichtig die Justiz ist, gäbe es auch mehr Geld vom Staat“, so Harnackes Rechnung. Damit spielt er auf die aus seiner Sicht knappe Personalsituation an. Mit 75 Mitarbeitern könne die Arbeit in Eschweiler gut bewältigt werden. Allerdings sei die Belegschaft nie komplett. Immer wieder gibt es krankheitsbedingt Ausfälle, auch langfristige. Die Arbeitsbelastung sei sehr hoch, so Harnacke, der zudem bemängelt, dass junge Leute fehlen. So gebe es zu wenig Bewerber für die Gerichtsvollzieherstellen, weshalb nun auch nach Quereinsteigern geschaut werde. „Uns fehlen junge Leute“, sagt Rainer Harnacke und hofft, dass Gesundheitsmanagement in der Justiz noch größer geschrieben wird, schließlich wird die Arbeit nicht weniger (siehe Infografik). Einen Teil möchte auch Harnacke beisteuern. So könne man etwa mit einer guten Ausstattung der Büros beitragen und die Mitarbeiter mehr in Entscheidungen einbeziehen.

Rainer Harnacke ist nicht nur Direktor des Amtsgerichts, sondern auch Familienrichter. Häufig erlebt er dort emotional belastende Verfahren. Vor allem, wenn es etwa um Kindeswegnahmen geht. Das könne man natürlich nicht so einfach wegstecken, erklärt er.

An einen besonders kuriosen Fall kann er sich auch noch erinnern. Es ging um eine Scheidung und diese Fälle laufen laut Har- nacke häufig sehr sachlich ab. Als der neue Direktor dann den Scheidungsspruch gefällt hatte, warf der Mann seiner Ex-Frau etwas unter dem Tisch mit den Worten zu: „Hier, das kannste jetzt wiederhaben.“ Es war das Hochzeitskleid...

Und was macht der neue Direktor, wenn er nicht arbeitet? Vor allem leidenschaftlich gerne segeln. Der vierfache Vater hat ein Segelboot auf dem Rursee, wo er viele Stunden mit seiner Frau verbringt. Die Familie nimmt auch viel Zeit in Anspruch.

Rosenmontag wird Harnacke mit seinem Enkel in Roetgen verbringen. Ab Dienstag lernt er dann die Eschweiler noch besser kennen. Und früher oder später sicherlich den Eischwiele Fastelovend.

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