RAF-Mutter empört: Ausgerechnet ihr Sohn wird Kommissar!?

Von: kaba
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Mit verschiedenen Stimmen liest Horst Eckert aus seinem Kriminalroman „Schwarzlicht“ und macht die Zuhörer neugierig auf die Geschichte von Hauptkommissar Vincent Veih. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Seine Krimis sind bekannt, seine Mordfälle spannend und die Enden manches Mal überraschend. Hort Eckert gehört zu den großen deutschen Krimiautoren und sein neuer Kriminalroman „Schwarzlicht“ sorgt jetzt schon für Begeisterung.

Wenn das kein guter Grund ist, den beliebten Autor im Rahmen der bundesweiten Bibliothekswoche in die Eschweiler Stadtbibliothek einzuladen. Eckert wohnt in Düsseldorf und auch seine Krimis spielen in der Großstadt, doch geboren ist der 55-jährige in Bayern, wie er vor seiner Lesung verrät. „Er ist ein sehr sympathischer Mensch“, findet Michaele Schmülling–Kosel, Leiterin der Stadtbücherei und freut sich, dass Eckert die Einladung angenommen hat.

Gegenstand der Lesung ist natürlich das neuste Werk und bereits der Einstieg in „Schwarzlicht“, bei dem die Hauptfigur Vincent Veih eingeführt wird, weckt Interesse. Eckert liest einzelne Auszüge und überspringt immer wieder einige Kapitel, doch das stört die Erzählung kaum. Denn was in der Zwischenzeit passiert, erläutert der Schriftsteller in kurzen Worten.

„Schattenboxer“ folgtl

Vincent hat sich als Figur der Gerechtigkeit verschrieben und ermittelt in diesem Fall gegen viele Widerstände. Auch privat ist das Leben des Hauptkommissars nicht gerade einfach. „Das macht Vincent zum ersten Mal zu einer Figur, bei der ich das Gefühl habe, dass von ihm noch nicht alles erzählt ist.“, berichtet Horst Eckert und verrät: „Deshalb wird er wohl meine erste Serienfigur und taucht in ,Schattenboxer‘, was nächstes Frühjahr erscheinen wird, erneut als Hauptkommissar auf.“

In Schwarzlicht stellt sich das Ganze so dar, dass NRW´s Ministerpräsident Walter Castorp tot in seiner luxuriösen Wohnung im Hafenviertel aufgefunden wird. Es scheint, als sei er nach reichlich Alkoholkonsum an seinem Swimmingpool ausgerutscht, doch Vincent traut der These des Unfalls von Anfang an nicht. Kurze Zeit später sind es die Kollegen von der Spurensicherung, die Vincents Vermutung von einem Mordfall bestätigen.

Gemeinsam suchen die Männer mit Hilfe von Schwarzlicht nach Blutspuren und werden schnell fündig. Eine Schleifspur, die vom Schlafzimmer bis zum Pool führt und ein blutdurchtränkter Teppich sowie ein Projektil einer Waffe lassen keine Zweifel daran, dass Walter Castorp 5 Tage vor der Wahl ermordet wurde. Doch die Ermittlungen müssen zunächst verdeckt laufen, denn „die Polizeibehörde läuft an der kurzen Leine des Ministeriums“ und das verlangt Stillschweigen. Für Vincent ist das jedoch kein Grund, die Suche nach der Wahrheit aufzugeben.

Mehr erzählt Horst Eckert nicht über den Mordfall. Auch in der an seine Vorlesung folgende Fragestunde sagt er bestimmt: „Ich beantworte alle Fragen, nur nicht die nach dem Mörder.“ Einen kleinen Einblick gibt er aber noch in Vincent Veihs Privatleben: Brigitte, die Mutter des Hauptkommissars spielt eine nicht unbedeutende Rolle im Roman.

Sie war Mitglied der RAF und gab Vincent mit sieben Jahren bei Freunden ab. Weil der Junge dort nicht bleiben wollte, nahmen ihn schließlich die Großeltern, Brigittes Eltern, auf. Der Großvater war ebenfalls Polizist und möglichweise in beruflicher Hinsicht Vincents Vorbild. Er war von seinem Großvater angetan und erhielt von den Großeltern zum ersten Mal etwas wie Geborgenheit. Das Einzige, was immer tabu war, waren Gespräche über den Krieg und Brigitte, die später lange im Gefängnis saß.

Und genau zu dieser Brigitte geht Vincent im vorgetragenen Kapitel und es wird deutlich, wie schwierig das Verhältnis der beiden ist. Denn die Mutter hat auch nach dem Gefängnisaufenthalt ihre Meinung zum Staat und der Gesellschaft nicht geändert und ist dementsprechend empört, dass ausgerechnet ihr Sohn ein Polizist ist.

Verlustängste

Einen winzigen Einblick bekommen die Zuhörer auch in Vincents Liebesleben, denn es ist von einem Telefongespräch zwischen Brigitte und Vincents Freundin die Rede, aus dem hervorgeht, dass Vincent sehr eifersüchtig ist und seine Verlustängste die Beziehung belasten. Verlustängste; etwas, das er wohl seiner Mutter zu verdanken hat. Die Szene, die Eckert vorliest, endet damit, dass Brigitte Vincent aus ihrer Wohnung wirft.

Eine Gegebenheit, die die private Seite des Hauptkommissars wohl neben dem Mordfall zu einem zweiten spannenden Erzählstrang macht. Dass Vincent nach der Begegnung mit seiner Mutter und nach einer Radiomeldung über den Tod eines Demonstranten, der von Polizeibeamten zusammengeschlagen wurde, ins Grübeln kommt, ist nicht verwunderlich. Ebenso wenig wie die Zweifel, die er bekommt. „Ich tu nur meinen Job, auf der Seite der Guten. – So hofft er.“ Sind die letzten Worte, die Horst Eckert an diesem Abend aus „Schwarzlicht“ liest.

Dieser letzte Auszug behandelt die menschlichen Themen, die den Krimiautor am meisten interessieren. „Ich möchte auf das Menschliche und die Abgründe, die in jedem von uns stecken, aufmerksam machen. Abgründe, die unter gewissen Umständen hervortreten“, erklärt er. Das ist ihm mit Vincents Geschichte sicherlich gelungen, denn auch der geliebte Großvater hat ein dunkles Geheimnis der Vergangenheit. Aber nicht nur das ist es, was Horst Eckerts Romane ausmacht.

„Ganz wichtig ist, dass die Leser am Ende sagen: Davon will ich mehr lesen. Und das schaffe ich, indem nicht von Anfang an klar ist, was passieren und wer der Mörder sein wird.“, berichtet der Schriftsteller. Da kommt es auch schon einmal vor, dass ein eigentlich bereits fertiges Werk kurzerhand noch einmal abgeändert werden muss, weil Eckerts Probeleser angemerkt hat, dass es zwar nett, aber nicht so packend wie das vorherige Buch ist.

Mit solch kleinen Geschichten aus seinem Schriftstellerleben bringt er das Eschweiler Publikum nach der Lesung zum Schmunzeln und geduldig beantwortet er jede Frage. Wie er zum Beispiel auf die Namen komme, fragt ein Eschweiler. „Ich versuche immer Namen zu wählen, die nicht zu extravagant sind. Mal schaue ich auf Grabsteine, mal ins Telefonbuch“, antwortet der Literat. „Aber es geht auch nicht um die konkrete Person, sondern um die Charaktere, die dahinter steht. Deshalb sind die Namen nur zweitrangig.“

Ob er in Düsseldorf schon einmal Ärger wegen seiner Bücher bekommen habe. „Nein, in Düsseldorf verschwimmt das alles. In meiner kleinen Heimatstadt könnte ich so einen Krimi nicht spielen lassen, da würde jeder darüber nachdenken, wer gemeint ist“, erklärt er. Nur ein einziges Mal sein eine Lesung abgesagt worden, weil die Kurzgeschichte zu sehr an die Regionalpolitik erinnert hatte, erinnert sich Eckert.

„Der freundliche Dealer...“

Dass Horst Eckert mitten im Kapitel aufgehört hat zu lesen, stört die Anwesenden kaum, denn „der freundliche Dealer dahinten hat ja genug Ware.“, sagt der Autor scherzhaft und meint Jörg Drescher, der einige Exemplare von Schwarzlicht und auch aus der bekannten Krimireihe mitgebracht hat. „Die Krimis sind alle in sich abgeschlossen, aber die Figuren tauchen immer wieder auf, denn schließlich geht es immer um dieselbe Wache“, erklärt der Autor.

Natürlich signiert Horst Eckert seine Bücher für die Anwesenden. Ob mit Widmung oder ohne, in jedem Fall wünscht er „Mords Unterhaltung“. Und die gibt es für neue und alte Fans in seinen vielen Bänden. Und wer wissen will, wie es mit Vincent weiter geht, muss auch nur noch bis zum Frühjahr warten.

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