„Quartier Eschweiler“: Seniorengerechte Innenstadt ermöglichen

Von: ran
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Diskutierten über Formen des bürgerschaftlichen Engagements: Ivo Schlenter, Dr. Wolfgang Joußen, Stephan Löhmann, Maria Mund, Peter Toporowski und Stefan Kämmerling (v. l.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Kernaufgaben sind umrissen: Strategien entwickeln, wie dem demografischen Wandel begegnet werden kann, sich dem Thema „Altersarmut“ stellen sowie die Alters- und Gesundheitsversorgung sichern. Natürlich können diese großen Herausforderungen und Problemkomplexe nicht grundsätzlich in Eschweiler gelöst werden.

Doch auch und gerade „vor Ort“ sind praktische und lebensnahe Gegenmaßnahmen möglich. Vor inzwischen gut einem Jahr wurde das mit Landesmitteln unterstützte Projekt „Quartier Eschweiler-Zentrum“, das eine altengerechte Innenstadt in den Fokus stellt, ins Leben gerufen.

„Dabei schauen wir genau in das Quartier Innenstadt hinein. Unser Ziel ist es, die Bevölkerung mit ins Boot zu nehmen und nach Lösungsansätzen zu fragen. Wir möchten die Lebenserfahrung und die weitreichenden Kompetenzen der Menschen vor Ort nutzen“, unterstreicht Peter Toporowski. Der Seniorenbeauftragte der Stadt Eschweiler und dessen Projektmitstreiter hatten nun am Mittwoch zum 2. Quartiers-Forum in den Ratssaal des Rathauses eingeladen. Nach der Premiere, die im Juli unter der Überschrift „Jetzt sind sie dran“ stand, galt es diesmal, Möglichkeiten des „Bürgerschaftlichen Engagements“ auszuloten.

„Selbstbestimmtes Leben“

„Für viele Senioren steht ein Grundsatz fest: Sie möchten so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden verweilen und ein selbstbestimmtes Leben führen“, sprach Peter Toporowski zu Beginn des Forums sicherlich zahlreichen älteren Menschen aus der Seele. Die Frage laute nun, was bürgerschaftliches Engagement dazu beitragen könne, Senioren ein Leben zu Hause zu ermöglichen. Eine von sicherlich vielen möglichen Antworten gab Ivo Schlenter, Geschäftsführer der „Stichting Katharina Kasper“ im niederländischen Geleen, der ein Projekt in der rund 7000 Einwohner zählenden Gemeinde Schinveld vorstellte.

„Dort haben die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, die Möglichkeit, auf einer Internet-Seite ihre Dienste individuell anzubieten. Sie tragen also ein, wann sie wie lange zur Verfügung stehen und welche Aufgaben sie sich vorstellen könnten. Passt dieses Angebot zu einer Person, die ehrenamtliche Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann diese sich mit dem Anbieter in Verbindung setzen“, umriss Ivo Schlenter das System.

Grundsätzliches Ziel sei dabei auch, die Überforderung von Ehrenamtlern zu verhindern sowie die einerseits professionell und andererseits ehrenamtlich ausgeführte Pflege beziehungsweise Begleitung eines Menschen zu koppeln. Darüber hinaus entstünden Netzwerke von Helfenden und Hilfesuchenden, von denen beide Seiten profitierten. „Es handelt sich um ein niedrigschwelliges Angebot, bei dem stets der Hilfesuchende und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, bei dem aber auch der Ehrenamtler nur um die Hilfe gebeten wird, die er zuvor angeboten hat“, so der Stiftungs-Geschäftsführer.

Für Dr. Wolfgang Joussen vom Büro B-Plan für sozialwissenschaftliche Analysen und Planungen ein bemerkenswertes Modell, von dem auch die Verantwortlichen in Eschweiler lernen könnten: „Es handelt sich um einen ‚New Deal‘ zwischen älteren Menschen mit Pflege- oder Begleitungsbedarf und Ehrenamtlern. Gerade für die Letztgenannten ein interessantes Projekt, da sie zum Beispiel nicht Teil einer Organisation oder eines Vereins werden müssen, was ja häufig mit regelmäßigen und stetigen Verpflichtungen verbunden ist.“ Stephan Löhmann, stellvertretender Vorsitzender des Sozial- und Seniorenausschusses der Stadt Eschweiler, gab grundsätzlich zu bedenken, dass „Pflege“ ein hochkomplexes Thema sei. „Wir benötigen dafür bestens ausgebildete Fachkräfte. Ehrenamtler können dabei wichtige Ergänzungen beitragen.“

Gesamtkomplex „Ehrenamt“

Doch immer häufiger stoße der Gesamtkomplex „Ehrenamt“ an Grenzen. „Deshalb muss der Ehrenamtler bei seiner Tätigkeit unbedingt von professionellen Kräften begleitet werden“, erklärte der Pflegeberater der Städteregion Aachen.

Der Landtagsabgeordnete Stephan Kämmerling ließ keine Zweifel an der gesamtgesellschaftlichen Notwendigkeit, sich der stetig wachsenden Gruppe der Senioren zu widmen. „Im Jahr 2012 waren in NRW rund 2,6 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Dies ist bereits eine Hausnummer. Doch Prognosen sagen voraus, dass deren Zahl bis zum Jahr 2050 auf 4,9 Millionen Menschen steigt, die alle das Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben haben. Das von uns im Auge zu behaltende Themenspektrum reicht dabei von Barrierefreiheit bis zur Bewältigung von Behördengängen“, so der Politiker, der darauf hinwies, dass die Herausforderungen in Eschweiler andere seien als in Großstädten wie Köln, Essen oder Düsseldorf.

Maria Mund, Vorsitzende des Sozial- und Seniorenausschusses, blickte bereits weiter in die Zukunft und wies auf die Notwendigkeit hin, auch in den Vororten der Indestadt Treffpunkte und Anlaufstellen für Senioren bereitzustellen. „Es geht darum, Versorgungsstrukturen für ganz Eschweiler zu schaffen.“

Abschließend verwies der Seniorenbeauftragte Peter Toporowski darauf, dass bürgerschaftliches Engagement damit beginne, einfach auf seinen Nächsten zu blicken. „Die Augen aufhalten, Probleme erkennen, soziale Kompetenz unter Beweis stellen. Man könnte auch sagen: Nächstenliebe praktizieren!“

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