Quantensprung für die Patienten: Onkologie-Ambulanz vor Fertigstellung

Von: Rudolf Müller
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40 Meter über dem Boden „schwebt“ die fast fertiggestellte Hubschrauber-Landeplattform des St.-Antoniuws-Hospitals. Spätestens im August soll hier der erste Rettungshubschrauber landen. Wenige Meter darunter, im achten Obergeschoss, eröffnet in wenigen Wochen die neue onkologische Ambulanz. Foto: Rudolf Müller
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Warteraum und Anmeldebereich der künftigen onkologischen Ambulanz: Die Zeiten der drangvollen Enge im Kellergeschoss sind bald vorbei.
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Ein wohldurchdachtes „Gewirr“ aus Stahlstreben: Hier entsteht die Umhausung des Aufzugs, der hinauf aufs Dach des achten Obergeschosses führt und hier direkt an die Hubschrauberlandeplattform angeschlossen wird. Foto: Müller
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Ausgefeilte Technik in den Bodenplatten der Landeplattform: Hunderte von Sensoren reagieren hier auf eine Vielzahl von Daten und steuern die Bodenheizung der Landefläche, um Hubschraubern jederzeit das Landen zu ermöglichen. Foto: Müller
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Kilometerweise Rohre, Kabel, Leitungen: Heizung, Lüftung, Klimatechnik, Brandschutzanlagen und ähnliches mehr bedeuten einen immensen Aufwand an Technik in den einzelnen Gebäudeflügeln des St.-Antonius-Hospitals. Foto: Müller
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Neue Großzügigkeit und Funktionalität: Vom Hauptflur der onkologischen Bilanz zweigen Wartezonen, Untersuchungs-, Besprechungs- und Therapiezimmer nebst einem Blutlabor ab. Kein Vergleich mit dem heutigen Kellerdasein. Foto: Müller

Eschweiler. Sie genießt einen ausgezeichneten Ruf: Patienten aus der gesamten Region bis hin nach Heinsberg und Bergheim setzen ihr Vertrauen in die Onkologie am St.-Antonius-Hospital. Das hat Folgen: Seit Jahren ist die onkologische Ambulanz hoffnungslos überlaufen.

Drangvolle Enge herrscht im Untergeschoss des Hospitals, in dem auch Versorgungseinrichtung des Medizinzentrums untergebracht sind. Hier herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Privatsphäre gibt es nicht, dafür „Trubel, Durchgangsverkehr, emotionale Zusatzbelastung, gepflegtes Chaos“, wie Elmar Wagenbach, Geschäftsführender Vorstand des Hospitals, eingesteht. „Unser onkologische Ambulanz ist in räumlicher Hinsicht fast schon menschenunwürdig.“

Das soll sich nun ändern: In wenigen Wochen beziehen Mitarbeiter und Patienten ihre neuen Räume im komplett neuen achten Obergeschoss. Vier Jahre ist es her, dass Wagenbach dafür den Bauantrag eingereicht hat. Vor zwei Jahren war Baubeginn. Jetzt hat die Ambulanz Gestalt angenommen. Rund 250 Prozent größer als bisher, in lichtdurchfluteten Räumen, die mit dem bisherigen „Kellerkinderdasein“ nichts mehr gemein haben. Mit reichlich Platz für großzügige Warteräume, Arztzimmer, Untersuchungs- und Therapieräume nebst großem Labortrakt.

Künftig nehmen vier Behandlungssessel den Platz ein, auf dem sich heute acht drängen. Durchgangsverkehr gibt es nicht mehr; hier kommt Ruhe rein. „Man kann nicht von einer Onkologie ,mit Wohlfühlcharakter‘ reden, das ist Quatsch. Sorgen und Ängste sind schließlich immer dabei“, sagt Wagenbach. „Aber wir wollen die Patienten nicht durch unzureichende räumliche Gegebenheiten noch zusätzlich belasten. Insofern stellt die neue Station einen Quantensprung dar.“

Um die neue Station bauen zu können, musste das gesamte achte Obergeschoss, das in den 80er Jahren über das jetzt 50 Jahre Hospital gestülpt worden war und mit seiner niedrigen Deckenhöhe lediglich als Lagerraum diente, abgetragen und neu aufgebaut werden. Gleichzeitig wurden seitlich des Baukörpers gigantische Stahlstützen im Boden verankert, die inzwischen den neuen Hubschrauberlandeplatz des Hospitals tragen: eine kreisrunde Plattform in 40 Metern Höhe über dem Behandlungstrakt und teilweise auch dem Bettenhaus des Hospitals. 350 Tonnen Stahl wurden hier verbaut. Am Donnerstag wurden die letzten Bodenstreben montiert. Daneben ragt der stählerne Käfig des künftig bis über den achten Stock aufs Dach führende Aufzugs in den Himmel.

Im Juni soll alles fertig sein, so Wagenbach. Dann folgen die nötigen Abnahmen durch verschiedene Behörden bis hin zur Fluggenehmigung durch die Bezirksregierung, ehe im Juli/August der erste Rettungshubschrauber hier landen kann.

Nötig war der neue Landeplatz, weil das Hospital als „Regionales Traumazentrum im Trauma-Netzwerk Euregio Aachen“ eine wichtige Rolle in der Versorgung Schwerverletzter hat. „Der Landeplatz kostet Geld. Aus ökonomischer Sicht einen Heliport zu betrachten, ist Selbstgeißelung“, sagt Wagenbach. „Jeder Patient, der eingeflogen wird, braucht eine medizinische Versorgung, die finanziell ein Defizit bedeutet. Aber wir sehen uns in der Pflicht, nicht nur das zu machen, was Geld bringt.“

Wenn der erste Hubschrauber einfliegt, wird das Hospital für die Gesamtbaumaßnahme Onkologie/Hubschrauberplattform rund 10,5 Millionen Euro ausgegeben haben. Ursprünglich kalkuliert waren 8,7. Die Gründe für die Kostensteigerungen seien vielfältig, betont Wagenbach: Insolvenzen beteiligter Unternehmen („wir sind bei öffentlichen Ausschreibungen verpflichtet, den billigsten zu nehmen, auch wenn der nicht den zuverlässigsten Ruf hat“) und Auftragserweiterungen („Wir haben das Dach des Bettenhauses komplett sanieren lassen, weil das Gerüst ohnehin stand. Das in zwei-drei Jahren noch einmal aufzubauen, wäre genauso teuer wie die Dachsanierung“) gehören dazu. Hinzu kamen 58 neue Brandschutztüren, Brandmelder in allen Patientenzimmern, eine komplett neue Löschwasserversorgung für das achte Stockwerk und anderes mehr.

Nicht in der Gesamtsumme aufgelistet ist der Rattenschwanz teurer Maßnahmen, die aus dem Umzug der Onkologie entstanden:

Im achten OG war bislang die Bettenzentrale untergebracht. Die wanderte jetzt in den Keller. Also musste auch der umgebaut werden. Der Keller beherbergte bis dahin die Physiotherapie. Die musste da raus. Platz fand sich in der früheren Kurzzeitpflege-Abteilung im Reha-Gebäude. Die Bäderabteilung wurde in den zweiten Stock verlegt. Und so weiter und so fort. Nächstes Projekt: eine Lösung für die aus allen Nähten platzende Internistische Notaufnahme zu finden. Wagenbach: „Ich sehe mich als visionären Spinner, der sich, wenn er übers Ziel hinausschießt, gern vom Kirchenvorstand wieder einfangen lässt.“

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