Putzen oder Pinseln: Gemeinsam für ein schöneres Heim

Von: Rudolf Müller
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Gemeinsam zupacken macht Spaß: Ergest und Victor aus Albanien, Brigitte Averdung-Häfner und Negasi aus Eritrea (von links) schwingen die Pinsel für ein schöneres Heim. Foto: Rudolf Müller
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Einen ganzen Lieferwagen voller Wandfarbe spendete gestern die Firma Ehlen, hier Stephan Ernst und Nina Ehlen. Foto: Rudolf Müller
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Die Zimmer werden zudem nach und nach mit wohnlichen Möbeln ausgestattet, wie auch Julieta mit ihren Kindern Victor und Anela zu schätzen weiß. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler-Weisweiler. Es ist kaum wiederzuerkennen, das Wohnheim an der Severinstraße. Seit Brigitte Averdung-Häfner mit ihrer Gruppe sich um die hier lebenden Menschen kümmert, ist aus der schmuddeligen Unterkunft ein akzeptables Heim geworden. Eines, in dem die Bewohner miteinander reden, statt sich in ihre Zimmer zu verkriechen, und Verantwortung übernehmen.

Dabei sind es oft schon Kleinigkeiten, die den großen Unterschied machen: Hängten die Bewohner bislang ihre Wäsche zum Trocknen über die angrenzende Friedhofsmauer (was Friedhofsbesuchern ganz und gar nicht gefiel), so nutzen sie jetzt Wäscheleinen auf der Wiese hinter dem Haus.

Bei „Putzpartys“, wie Brigitte Averdung es nennt, räumten sie das Areal des Wohnheims samt Umgebung gründlich auf, und auch den Frankenplatz haben sie schon gesäubert. Das und die Tatsache, dass sie die Weisweiler auf der Straße freundlich grüßen, hat zu einer breiten Akzeptanz geführt.

Eigentlich wollte Averdung-Häfner die Stadt als Betreiberin des Wohnheims dazu bringen, hier für menschenwürdige Wohnverhältnisse zu sorgen. Weil aber die Stadt „nicht aus den Puschen“ kam, wurde sie selbst aktiv. Gut zwei Monate ist das her. Heute ist es ein harter Kern von an die 30 Helfern, die die Menschen an der Severinstraße anleiten, selbst aktiv zu werden.

Mit Erfolg: Aus vielen der Fenster sind die Zeitungsblätter, die bislang als Sichtschutz Gardinen ersetzten, verschwunden; Vorhänge verschönern jetzt das Bild. In den Wohnräumen ersetzen immer mehr gespendete brauchbare Möbel den Schrott, in dem die Flüchtlinge dort bislang hausen mussten.

Das St.-Antonius-Hospital zum Beispiel spendete 20 ausrangierte, aber völlig intakte Zweiersofas samt Tischchen. Und unter Anleitung der Averdung-Häfner-Gruppe griffen die auch selbst zu Farbe und Pinsel: Ein Großteil der insgesamt 35 Zimmer wurde inzwischen neu gestrichen, ebenso die Flure, die Küche und Duschen.

Letztere bis auf eine: „Die ist so eklig und heruntergekommen, die müsste komplett erneuert werden“, sagt Brigitte Averdung-Häfner. Nach und nach wird das gesamte Wohnheim gestrichen – in frischen Farben. „Das schafft Wohlfühlatmosphäre, wo bisher alles schmuddelig und ungemütlich war.“

Dazu gehört auch, dass die zuvor unappetitlichen Küchen – Herde, Fliesen, Fenster – mit ihren insgesamt vier Herden (für laut Stadt rund 80 Bewohner) gründlich geschrubbt und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet wurden.

Im Keller des Haupthauses wollten die Helfer eigentlich einen Aufenthaltsraum mit Esstischen schaffen, damit nicht länger jeder Bewohner mit seinem Teller durch das gesamte Haus bis in sein Zimmer laufen muss. Eine laut Stadt zu geringe Deckenhöhe machte dies unmöglich.

Statt der Esstische sollen nun die Waschmaschinen dort untergebracht werden. Ob die Möglichkeit besteht, zwei höhere Kellerräume durch den Abbruch einer Rigipswand zu einem größeren Aufenthaltsraum umzugestalten, ist noch offen: Seit einem Ortstermin am 9. September lässt die Stadt die Ehrenamtler auf ihre Entscheidung warten. Auch die Fassade des Hauses soll frisch gestrichen werden: Für Farbe und Gerüst hat die Gruppe schon einen Spender gefunden.

„Gefunden“ ist auch das Stichwort, mit dem Peter Holtz einen Bewohner des Heims an der Severinstraße glücklich machte. Der Syrer lebte hier zurückgezogen, weinte oft, weil er seiner Familie verloren hatte. Der Eschweiler Diplom-Betriebswirt machte sich auf die Suche, forschte auf vielen Kanälen – und fand die Familie schließlich in einem Möbellager in Fürth.

Holtz sorgte auch dafür, dass die Familie in Eschweiler wieder vereint wurde und der überglückliche Syrer sein 17 Monate altes Kind zum ersten Mal sah. Heute leben sie in einer der Monteursunterkünfte des RWE.

Es sind Menschen aus Albanien und Syrien, Afghanistan und Mazedonien, Eritrea und Georgien, um nur einige Länder zu nennen, die hier auf eine bessere Zukunft hoffen. Menschen wie der Krankenpfleger Maliksada aus Afghanistan, dessen Frau von den Taliban umgebracht wurde und dessen Kinder – sechs und zwei Jahre alt – sich bei Verwandten in Afghanistan versteckt halten.

Ihnen das Leben etwas erträglicher zu machen und vor allem: sie selbst dazu zu bringen, ihr Leben in die Hand zu nehmen, ist das Bestreben der Helfer um Brigitte Averdung-Häfner.

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