Pure Natur winkt Genossen als Rendite

Von: Patrick Nowicki
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Der Propsteier Wald besitzt viele ökologisch wertvolle Biotope: Er ist mit seinen 375 Hektar größer als der Eschweiler Stadtwald. Foto: Eberhard Büttgen

Eschweiler. Noch ist er umzäunt und verriegelt. Zumindest offiziell, denn immer wieder finden Menschen die Lücken im Maschendrahtzaun. Aber in naher Zukunft soll der Zugang für jeden frei sein.

Die Rede ist vom Propsteier Wald, der sich vom Militärgelände zum Bürgerwald verwandeln soll. Dies ist zumindest der Plan engagierter Indestädter, die für ihre Idee in der vergangenen Woche mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet wurden.

Natürlich sei dies ein großer Augenblick gewesen, berichten Stephan Miseré, Eberhard Büttgen und Reiner Fey. Schließlich schauten viele Prominente zu, wie das Quartett - auch Gerd Hilgers gehört dazu - die Prämie von 35.000 Euro für ihre Idee in Empfang nahmen. Mit dieser Summe sollen sämtliche Vorbereitungen für die Gründung einer Genossenschaft getroffen werden. „Das hätten wir sonst aus eigener Tasche bezahlen müssen”, sagt Büttgen. Schließlich müssen vorher Juristen und Steuerfachleute hinzugezogen werden.

Wertvolle Kontakte

Schwerer als das Geld wiegt jedoch die Tatsache, dass bei der Veranstaltung wertvolle Kontakte geknüpft wurden. Einer davon macht sich auch in Heller und Cent bezahlt: Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat seine Unterstützung bei den Verkaufsverhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten zugesagt und Wort gehalten. „Wir sind in guten Gesprächen”, teilt Bürgermeister Rudi Bertram mit. Im ersten Schritt soll die Stadt nämlich das ehemalige Militärgelände erwerben. Die Genossenschaft könnte das Areal pachten und bewirtschaften. Dass der marode Haushalt der Stadt die Pläne scheitern lässt, glaubt Bertram nicht: „Das ist mit der Aufsichtsbehörde schon abgeklärt. Wir erhalten ja auch einen Gegenwert.”

Die Idee, eine Waldgenossenschaft zu gründen, die einen Wald übernimmt, gab es in dieser Form bisher in Deutschland noch nicht. Zwar existieren vor allem in Süddeutschland Waldgenossenschaften, aber die bestehen aus Menschen, die bereits einen Forst besessen und sich aus wirtschaftlichen Gründen zusammengeschlossen haben. Genau diese Aspekte wollen Büttgen, Fey und Miseré nicht in den Vordergrund schieben: „Die jährliche Rendite ist sicherlich ein zu vernachlässigendes Kriterium”, betont Fey. Ziel sei es schließlich, den Wald für die Natur und die Bürger zu erhalten. Wie Forstbetriebe agieren, könne man an vielen Beispielen sehen.

Deswegen sollen alle Bürger mitmachen. „Wir werden den Genossenschaftsanteil so günstig halten wie möglich”, legt sich Büttgen fest und ergänzt: „Maximal 500 Euro.” Als Gegenleistung soll der Wald als Erholungsgebiet allen Menschen zur Verfügung stehen, was jedoch nicht bedeutet, dass die 23 Kilometer langen Wege komplett erhalten bleiben. „Manche Wege werden zum Schutz der Natur sicher nicht bestehen bleiben”, so Stephan Miseré. Auch über eine Beteiligung der Mitglieder am Holzertrag wird nachgedacht. CO2-Zertifikate sind ebenfalls ein Thema.

Beteiligen sich ausreichend Bürger, so plant man langfristig, den Wald von der Stadt zu erwerben. Aber dies sei erst der nächste Schritt. Zunächst müsse man die juristischen Grundlagen zur Gründung schaffen. Der Genossenschaftsverband als Aufsichtsgremium ist bereits eingeschaltet und stellt Fachleute zur Verfügung. Zudem knüpft das Quartett Kontakte zu Umweltverbänden, um Öko-Projekte ins Leben zu rufen.

Die Ziele bleiben ehrgeizig: Im ersten Halbjahr des nächsten Jahres soll die Genossenschaft gegründet werden. „Jetzt sind wir gefordert”, meint Büttgen. Infos zur Genossenschaft gibts bei ihm unter 0157/ 76677721.
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