Pumper Gemeinden setzen ein ökumenisches Zeichen

Von: Sonja Essers
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Hannokarl Weishaupt, Andreas Lutter vom GdG-Rat und Thomas Richter (von links) blicken optimistisch in die Zukunft. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Pumpe. Über 50 Jahre war die Friedenskirche an der Friedrichstraße eine Heimat für zahlreiche evangelische Christen der Indestadt. Dort wurden Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten zelebriert. Es wurde gelacht und geweint. Doch damit ist nun Schluss.

Zumindest an diesem Ort. Am kommenden Montag findet der letzte Gottesdienst in der ehemaligen Soldatenkirche statt. Der Grund: Die Sanierungsarbeiten, die in den kommenden Jahren anfallen und rund eine Million Euro betragen werden, sind nicht zu stemmen.

Aus diesem Grund wird die Kirche am Pfingstmontag offiziell entwidmet. „Kein Pfarrer und keine Gemeinde schließen gerne eine Kirche“, sagt Pfarrer Thomas Richter. „Diese Kirche ist für uns ein Stück Heimat und jeder Abschied tut weh.“ Richter ist darüber zwar betrübt, blickt jedoch auch mit einem lachenden Auge in die Zukunft. Am kommenden Montag erfolgt nämlich nicht nur die Entwidmung der Friedenskirche, die evangelische Gemeinde macht sich auch auf den Weg in ein neues Gotteshaus: die Pfarrkirche St. Barbara. Dort hat sie ab sofort Gastrecht. Doch wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Bereits im Oktober 2013 war erstmalig der Gedanke aufgekommen die Friedenskirche zu schließen. Zu dieser Zeit entstanden Gespräche zwischen den beiden Gemeinden. „Dann ist die Idee entstanden, dass die Menschen ihren evangelischen Glauben in St. Barbara leben können. Diesen Gedanken haben wir mit frohem Herzen aufgenommen“, sagt Hannokarl Weishaupt, Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist. Bevor die Entscheidung endgültig gefällt wurde, diskutierten Gemeinderat, GdG-Rat und Kirchenvorstand das Vorhaben. Die Idee sei von allen Gremien positiv aufgenommen worden, bestätigt Andreas Lutter, Mitglied des GdG-Rates. „Solche Projekte sind zwar jetzt noch selten, werden aber in Zukunft mit Sicherheit mehr werden“, ist er sich sicher. Nachdem auch der Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff seine Genehmigung erteilte, stand dem Projekt nichts mehr im Weg.

Damit ist die Pfarrkirche St. Barbara eine von 70 Kirchen in der Bundesrepublik, die simultan, das bedeutet von Katholiken und Protestanten, genutzt wird. In den meisten Fällen geschehe dies jedoch auch historischen Gründen. Oft gebe es sogar Mauern, die Katholiken und Protestanten voneinander trennen, weiß Richter. Das sei in St. Barbara natürlich nicht der Fall. „Bei uns geschieht das freiwillig und aus dem Vernunftgedanken heraus“, betont Richter. Weishaupt und Lutter beschreiben diesen Schritt als „Bereicherung“.

Mit so vielen Informationen wie möglich will man in beiden Gemeinden Vorurteilen und Angst vorbeugen. Es gebe keine Übernahme, weder von der einen noch von der anderen Seite, stellen die beiden Pfarrer klar. Vielmehr wolle man ein „positives ökumenisches Zeichen setzen“. „Wir verabschieden uns zwar aus unserer liebgewonnenen Kirche, aber nicht vom Gemeindeleben in Pumpe-Stich“, so Richter.

Nicht nur die Kirche soll von der evangelischen Gemeinde genutzt werden, sondern auch das Pfarrheim. Jedoch erst nach den Sommerferien. „Es soll ein Umzug werden, der in Etappen stattfindet“, so Richter, der nicht ausschließt, dass beide Gemeinden auch zusammen Veranstaltungen durchführen werden. „Das, was wir gemeinsam machen könne, werden wir auch gemeinsam machen.“

Der erste Schritt erfolgt am Pfingstmontag. Nachdem in den Kirchen Gottesdienst gefeiert wird, findet die Entwidmung mit Prozession statt. Auf halber Strecke treffen sich die Gemeinden und ziehen in St. Barbara ein. Dabei werden die liturgischen Stücke der evangelischen Gemeinde, zu denen Bibel und Abendmahlgeschirr zählen, auf den Altar gestellt. Danach findet ein Empfang statt.

Ob die simultane Nutzung funktioniert, wird man spätestens in einem Jahr sehen. Nach dem Probejahr entscheiden die beiden Gemeinden, wie eine dauerhafte Lösung aussehen soll.

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