Publikumsliebling in Südkorea: Hapkido-Team wird Vizemeister

Von: mah
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Platz zwei in Südkorea: Die deutsche Hapkido-Nationalmannschaft überzeugte bei der Weltmeisterschaft in Asien. Foto: Josef Römers

Eschweiler. Eine Reise mit zahlreichen Herausforderungen neigt sich dem Ende, als die Kampfkunstschule Chong Yong von der Weltmeisterschaft in Hapkido aus Südkorea zurückkehrt. Die langjährige Vorbereitung mit Josef Römers hat sich ausgezahlt.

Der deutsche Kader holt sich die Vizemeisterschaft und bringt in den Einzeldisziplinen fünfmal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze mit nach Hause.

Hapkido – so der Oberbegriff für verschiedenste Kampfkunstarten – ist kein gewöhnlicher Sport. Techniken in den Bereichen Hebel, Würfe, Rollen, Fallen und Waffen werden mit dem Ziel demonstriert, sich selbst effektiv und energetisch verteidigen zu können. Dabei wird die Kraft und Bewegung des Angreifers jedoch nicht wie bei anderen Kampfsportarten wie Boxen oder Taekwondo abgeblockt, sondern für den Gegenangriff genutzt.

Pionierarbeit in Deutschland

Als Pionier kann in Deutschland Josef Römers gelten, der im Jahr 1990 die Kampfkunstschule Chong Yong als Verein gründete und später auch den deutschen Verband, die Deutsche Hapkido-Federation, kurz DHF. Letztere untersteht der internationalen Dachorganisation, der IHF (International Hapkido-Federation), die Lehrer und Schüler in Deutschland regelmäßig kontrolliert, ob und wie die koreanische Kampfkunst hierzulande umgesetzt wird. Die strenge Begutachtung führe, so Römers, dazu, dass koreanische Meister ihren eigenen Weg gehen, um sich den Reglementierungen des Verbandes zu entziehen.

Aus diesem Grunde ist eine sorgfältige Umsetzung des Trainingsbetriebs notwendig, die Römers anfangs noch zusätzlich zu seinem Schichtdienst im RWE erfüllte. Der heute 65-jährige reiste erstmals im Jahr 2003 mit einem Kader zu einer Weltmeisterschaft, damals noch mit einer wesentlich älteren Mannschaft als heute. 2007 und 2010 ging man mit einem jüngeren Team an den Start, um auch der Entwicklung zu mehr akrobatischen Elementen gerecht zu werden. Die durchdachte Auswahl des Kaders mit entsprechenden Castings und die harte und lange Vorbereitung sicherte dem deutschen Hapkido-Team im Jahr 2013 den Weltmeistertitel. Der gewohnte Drei-Jahres-Rhythmus wurde anschließend unterbrochen, da aufgrund politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten die WM in Südkorea um ein Jahr auf 2017 verschoben werden musste.

Die Verlegung der Weltmeisterschaft machte auch dem deutschen Verband zu schaffen, denn dem Turnier geht eine jahrelange Vorbereitung voraus. Die Mitglieder des Kaders passen teilweise ihre schulische und berufliche Zukunft an, um sich international messen zu können. Römers aktuelle Mannschaft, mit einem Altersschnitt von 24 Jahren, kommt aus verschiedenen Teilen Deutschlands, überwiegend jedoch aus Nordrhein-Westfalen von der Eifel bis zum Münsterland.

40 Grad und Starkregen

Der aktive Kader machte sich nach langen Trainingseinheiten und Entbehrungen schließlich auf dem Weg nach Südkorea. Nicht nur eine andere Kultur, vor allem auch an das Klima mussten sich die Sportler gewöhnen. 40 Grad, täglicher Starkregen mit hoher Luftfeuchtigkeit sind Bedingungen, die Europäern schon zu schaffen machen, gesteht Römers. Neben der bekannten Problematik aufgrund des Essens komme hinzu, dass Klimaanlagen in zu hohem Maße für Kühle sorgen und so ein Erkältungsrisiko bestehe, so dass sich die Betreuer um den Kader besonders umsichtig kümmerten.

In Suwon im Norden Südkoreas fanden die Meisterschaften, im Mannschaftsmodus und in den Einzeldisziplinen, an zwei Tagen statt. Das deutsche Team entschloss sich aufgrund des Konflikts mit Nordkorea, in einem von der Grenze weiter entferntem Lager unterzukommen. Einen Tag lang dauerte die Anreise von Deutschland mit Flugzeug und Bus, zwei Tage hatten die Deutschen Zeit, sich vor Ort körperlich und mental vorzubereiten, ehe am Sonntag die Meisterschaften ausgetragen wurden.

Nicht direkt gegeneinander kämpften die Teilnehmer der verschiedenen Nationen um den Titel. Anders wie bei sonstigen Kampfsportarten, präsentierten die Mannschaften hintereinander das gesamte Repertoire des Hapkidos in Küren, die von einer ungeraden Anzahl von Wertungsrichtern begutachtet wurde. Das rief jene auf den Plan, die versuchten, die Regeln und Wertungskriterien zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Daran scheiterte jedoch beispielsweise der scharfe Konkurrent Belgien, der sich letztlich den Deutschen geschlagen geben musste.

Faires Publikum

Fair war, so die Einschätzung Römers, das überwiegend koreanische Publikum. Wenn den Konkurrenten des eigenen Landes eine eindrucksvolle und gute Performance gelingt, schlagen sich die Zuschauer auch schon einmal auf die gegnerische Seite, erklärt auch die Aktive und Römers Frau Gaby den teilweise fehlenden Patriotismus der Koreaner. Nach dem K.o.-System kam der deutsche Kader Runde für Runde weiter, doch hatte der schon die Befürchtung, dass das Turnier abgebrochen werden müsse. Plötzlich kam per SMS die Warnung, dass man sich in Sicherheit bringen solle, da ein starker Monsunregen drohe. Doch war das Unwetter letztlich und zum Glück nicht so stark, dass die Veranstaltung vorzeitig beendet wurde.

Während Südkorea der gefürchtete Konkurrent war und man die vielen neuen Teilnehmer aus Asien nicht einzuschätzen wusste, etablierte sich Deutschland unter tosendem Applaus zum Publikumsliebling. Am Ende des Tages hieß es Silber für das Team um Josef Römers. Den Vizetitel im Gepäck punkteten die Deutschen allerdings auch in den Einzeldisziplinen, die die Techniken des Fallens und des Rollens, mit Waffen und Schwertern herausforderte. Die Bilanz: fünfmal Gold, viermal Silber, dreimal Bronze und als Mannschaft Vizeweltmeister.

Zwar wurde der Titel nicht verteidigt, kehrte man am Donnerstagabend trotzdem glücklich zurück in die Heimat, die Zukunft bereits im Blick. Bald veranstalten Römers und der DHF ein neues Casting, bei dem die neuen Talente für die nächste Weltmeisterschaft gesichtet werden. Aber nicht nur im Leistungsbereich ist der Verein Chong Yong aktiv. Die Polizei, das Militär und nun auch immer öfters Rettungssanitäter nutzen die von der Schule beigebrachten Kampfkunsttechniken, um sich vor allem vor den vermehrten Messerangriffen zu schützen und nicht gleich auf Schusswaffen zurückgreifen zu müssen.

Aber auch die Kooperation mit sozialen und regionalen Initiativen findet statt. So nutzen zum Beispiel „Flügelschlag“ und die Mobile Jugendarbeit der Indestadt das Angebot, Workshops in Taekwondo, Hapkido, Yongkumdo und Taebo durchzuführen.

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