Psychothriller „Der Sarg“: Bald gehen auch Männer „hops“

Von: jlm
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Der Autor Arno Strobel las in Eschweiler. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. „Sie wacht auf. Es ist dunkel. Zu dunkel. Sie kann nichts erkennen. Kein Lichtschein durch die Jalousien, keine Leuchtziffern auf dem Wecker. Nichts. Sie will sich aufrichten. Es gelingt ihr nicht. Ihr Kopf schlägt dumpf gegen das Holz. Sie ist gefangen. Sie liegt in einem Sarg. Und niemand hört sie schreien.“ Leser, die nun bereits völlig gefesselt sind und unbedingt wissen wollen, wie die Geschichte weiter geht, sollten eventuell schon einmal ihr Portemonnaie zücken und die nächste Buchhandlung aufsuchen.

Denn dies war eine kurze Einführung in Arno Strobels aktuellen Psychothriller „Der Sarg“, aus dem er jetzt in der Stadtbücherei zum Abschluss der Woche der Bibliotheken vorlas.

„Wenn Sie möchten, dass ihnen jemand ein Buch vorliest, dann kaufen Sie sich ein Hörbuch“, stellte Arno Strobel gleich zu Beginn klar. Sinn und Zweck einer Lesung seien für ihn, dass man mehr über die Entstehung eines Buches und die Person dahinter erfahre. Jederzeit durften daher Fragen an ihn gestellt werden, die er auch alle charmant und mit Witz beantwortete. Nur bei einer Frage ließ er mit der Antwort auf sich warten: „Haben Sie in ihren Krimis schon mal jemanden umgelegt, den sie schon immer einmal umlegen wollten?“ Erst später sollte diese Frage mit einer Kurzgeschichte als Antwort geklärt werden. „Da hab ich es einfach getan“ ist ihr Titel.

Arno Strobel feierte im vorigen Jahr seinen 50. Geburtstag, er ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von neun, elf und 17 Jahren. Seit 20 Jahren arbeitet er in einer Bank in Luxemburg.

Der Weg hin zum Autor sei dabei Zufall gewesen. „Ich wollte nie Autor werden“, sagte er. Im Alter von 16 Jahren habe er einen Liebesbrief für einen Freund geschrieben, der seine Beziehung retten wollte, aber die richtigen Worte nicht fand. Die beiden kamen am Ende wieder zusammen. Arno Strobel erhielt danach die eine oder andere Auftragsarbeit. Autor wollte er trotzdem nicht werden. Auf Umwegen gelang er erst später zum Schreiben: Im Internet wurde er auf ein Forum aufmerksam, in dem jeder seine eigenen Kurzgeschichten veröffentlichen konnte. Einige las er und entschied schließlich, „einfach aus Jux und Dollerei“ zwei zu schreiben und sie online zu stellen. Eine dieser Kurzgeschichten landete sogar später in einem Buch. Danach schrieb er laufend Kurzgeschichten. Vor rund 13 Jahren verfasste er an die 70 Exemplare, anders als in seinen Romanen geht es drin aber immer um Alltagssituationen mit einem Augenzwinkern.

Ein kleines Bonbon

Zwei seiner Kurzgeschichten las er auch an diesem Abend vor, „als Bonbon“, so der Autor, weil sie so anders sind. Außerdem wolle er die Gäste nicht mit einem düsteren Gefühl nach Hause gehen lassen.

Auch zur Entstehung eines solchen Werkes erfuhren die vielen Besucher an diesem Abend mehr. Der Psychothriller sollte vor allem eins sein: spannend und logisch. Wenn man dann merke, dass die Spannung an einer Stelle abfalle, helfe nur eins: löschen. Bereits mehrmals sei es ihm passiert, dass er einige Seiten deshalb löschen musste.

Eins sei bei der Entstehung eines Buches ganz wichtig: die Recherche. Vornamen suche er im Internet, indem er ein Geburtstagsjahr eingibt und den zur Figur passenden Namen sucht, den Nachnamen übers Telefonbuch. Auch die Stadt, in der der Roman spielt, wird natürlich besucht und näher in Augenschein genommen. Auch bei Medizinern oder der Polizei informiert der Autor sich im Vorhinein, wenn es zum Beispiel um psychische Krankheiten geht. Mit den Leitern der Mordkommissionen in Köln und Aachen verbinde ihn mittlerweile durch seine Recherchearbeit sogar eine Freundschaft. Medizinische Faktoren müssen einfach stimmen, weiß Arno Stobel.

Ein Ziel seiner Arbeit ist es, dass der Ausgang des Buches jederzeit offen bleibt. „Ich finde es toll, wenn ein Autor es schafft, mich auf die falsche Fährte zu locken“, gesteht er. Immer neue Figuren sollen das unter anderem ermöglichen, damit von Anfang nie klar sei, ob eine Person gut ist oder nicht. Die Auflösung ergibt sich dabei während des Schreibens, was „furchtbar spannend“ ist, so Arno Strobel, da auch er daher nicht wisse, was auf den nächsten Seiten passiere.

Auf die Frage nach seinem Lieblingsautor tat Arno Strobel sich dann doch schwer. Zu viele seien es, um sie alle aufzulisten. Stephen King aber sei dabei der Übervater aller Autoren, „der genialste Wahnsinnige von allen“. Um sich nicht von anderen Werken und Autoren unbewusst beeinflussen zu lassen, liest er in den letzten drei Monaten der Entstehungszeit keine Thriller mehr. Denn er weiß: jeder Autor ist die Summe seiner Bibliothek. Die Gefahr, unbewusst etwas zu adoptieren ist also groß. Einmal habe er auch eine Diskussion mit seiner Frau gehabt, die immer die Erste sei, die seine Romane lese und dabei seine strengste Kritikerin sei. „Bei dir sterben immer nur Frauen“, habe sie damals gesagt. Dies war ihm zuvor nicht bewusst gewesen, doch anschließend habe er darauf geachtet, versucht eine Erklärung dafür zu finden und sei zu dem Schluss gekommen, dass Frauen hilfloser seien und mehr Mitgefühl erregen würden. Nun würde er aber darauf achten, demnächst müssten auch mal Männer „hops gehen“.

Während der Arbeit an seinen Romanen versuche er dabei immer in die Rollen der Charaktere zu schlüpfen. Zu Beginn der Arbeiten an „Der Sarg“ habe er überlegt, sich bei einem Bestatter in einen Sarg zu legen, aber das sei ihm dann doch zu pietätlos gewesen.

Die Lesung Arno Strobels schloss die bundesweite Aktionswoche aller Bibliotheken ab, deren Zweck es ist, in diesen Tagen besonders auf ihre Angebote aufmerksam zu machen. Bücherei sei vielfältig, verstaubte Bücher sind nicht alles. In Eschweiler sei diese Woche super gut gelaufen. Angeboten wurde ein Bilderbuchkino „Malte Maulwurf und sein wundersamer Fernseher“, ein Abend mit Mark Twain, „eine musikalisch literarische Dampferfahrt auf den Spuren von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ mit Jörg Drescher und „Frank & Friends“, sowie eine Theateraufführung des diesjährigen Workshops „Gustav Gorky“ unter der Regie von Anna Zeien.

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