Eschweiler - Propsteier Wald: Idyllische Natur und „Schwarze Kruste“

Propsteier Wald: Idyllische Natur und „Schwarze Kruste“

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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Dieser idyllische Teich im Propsteier Wald, der Tagepool, war im 19. Jahrhundert eine Erzlagerstätte, die oberirdisch abgebaut wurde, berichtet Dieter Spiertz den über 30 Teilnehmern der Exkursion. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Dieter Spiertz vom Förderverein Propsteier Wald führte interessierte Bürger zu Relikten des Bergbaus im Propsteier Wald. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Der Propsteier Wald hat etwas Geheimnisvolles, und er steckt voller Geschichten. Eine dieser Geschichten ist die vom Bergbau im Propsteier Wald: Wer weiß schon, dass dort vor über hundert Jahren ein Bergwerk war, dessen Schächte fast 100 Meter tief in die Erde reichten?

Dieter Spiertz, Heimatforscher aus Röhe, erzählte bei einem Waldspaziergang am Freitag die Geschichte des Bergbaus in diesem Waldgebiet. Der Förderverein Propsteier Wald hatte zu der Exkursion eingeladen, über 30 geschichtsinteressierte Bürger waren gekommen.

Die Grube Glücksburg

Nördlich der Inde und südlich der Autobahn liegt im Westen der Stadt Eschweiler der Propsteier Wald – in früheren Zeiten war er aber größer – und immer noch ist ein Teil dieses Waldes nicht öffentlich zugänglich, obwohl die belgischen Streitkräfte 1995 das Lager „Camp Astrid“ geräumt haben. Am Eingangstor dieses früheren Militärgeländes bei Glücksburg beginnt die Exkursion.

Dort befand sich im 19. Jahrhundert die Grube Glücksburg, auf der bis zu 120 Menschen Brauneisenstein, Galmei, Bleiglanz und Weißbleierz gefördert haben. Eines der Gebäude steht noch, das ehemalige Maschinen- und Kesselhaus. Später war es eine beliebte Ausflugsgaststätte. Heute ist es ein schmuckes Wohnhaus, dessen Vergangenheit als Fabrikgebäude kaum zu ahnen ist.

Wenige Meter westlich dieses Gebäudes befand sich früher einer der Hauptschächte des Bergwerks. Dieter Spiertz, der sowohl beim Eschweiler Geschichtsverein wie im Förderverein Propsteier Wald aktiv ist, zeigt auf einem historischen Lageplan, wo es in diesem Schacht, dem Voss-Schacht, abwärts ging. Die große Erzlagerstätte direkt unter diesem Schacht wurde „Schwarze Kruste“ genannt.

Die unterste der vier Sohlen war in 94 Metern Tiefe. Das Ende dieses Bergwerks kam 1884, als an der Pumpe, die das Wasser aus den Bergwerksschächten förderte, die Welle des Schwungrades brach und kein Ersatz beschafft werden konnte. Die Stollen und Schächte liefen voll, der Erzbergbau auf Glücksburg wurde aufgegeben. Auch die großen Abraumhalden, die sich nach dem Ende der Bergbau-Nutzung bei Glücksburg auftürmten, gibt es nicht mehr. Sie waren 1936 willkommenes Material für den Bau der Autobahn.

Wo die Kinder Schwimmen lernten

Bergbau im Propsteier Wald gab es aber nicht erst im 19. Jahrhundert. Schon die Römer haben im 2. oder 3. Jahrhundert dort Erz abgebaut, wie eine Ausgrabung im Jahr 1905 bereits belegen konnte. Gebäudereste samt Eisenschlacke und Steinkohle waren damals entdeckt worden. Wer genau das war? Dieter Spiertz kann es auf den Meter genau zeigen. Beim Bummel durch die frühlingsgrünen Waldungen weist Spiertz immer wieder auf Stellen, deren Herkunft aus der Bergbauzeit nur dem kundigen Auge ersichtlich sind.

Allerdings: Die Sandkuhl, der flache Teich nicht weit von der Grube Glücksburg entfernt, der habe mit dem Bergbau nichts zu tun. Dort sei Sand für den Bau der Autobahn abgebaut worden, im sogenannten 3. Reich, und das hoch stehende Grundwasser hat die Kuhle dann gefüllt. Später haben dort viele Kinder aus Röhe das Schwimmen gelernt: „Wir waren immer ganz gelb, wenn wir da raus kamen, so dreckig war das“, berichtet Spiertz.

Ganz anders der Tagepool, ein idyllischer Teich nur wenige Dutzend Meter weiter westlich. Dort wurden in den 1880er Jahren die Erze im Tagebau abgebaut. 18 Meter tief soll der Teich sein, der nun das einstige Tagebau-Loch füllt. Das Wasser ist kalt und klar, Sumpfschwertlilien blühen am Ufer.

„Überhaupt: Die Natur hier im Propsteier Wald“ schwärmt Eberhard Büttgen, Vorsitzender des Fördervereins, der das 370 Hektar große Waldgebiet zu einem Bürgerwald machen möchte. Er erzählt von Orchideen, von seltenen Pflanzen und Tieren: „Neun Fledermausarten leben hier!“ Allerdings auch einige andere, nicht so erwünschte Tiere. Der Propsteier Wald gilt als zeckenreich, beim Wandern empfehlen sich lange Hosen.

Die Exkursion führt Richtung Steinbachshochwald, dem Stolberger Ausflugslokal hinter der Eschweiler Stadtgrenze. Kurz vor dem Waldrand wird der Weg zu einem schmalen Pfad, der um eine tiefe Grube herum führt. Dort war ein weiteres Bergwerk, die Grube Dommelsheck, eröffnet 1900 von Karl Stürmann, dem Sohn des Betriebsführers der einstigen Grube Glücksburg, Hermann Stürmann.

Mit bis zu zehn Arbeitern förderte Stürmann dort Eisenstein. Das in Dommelsheck gewonnene Erz wurde mit Pferd und Wagen zur Hütte Konkordia in Eschweiler transportiert. 1914 stellte man der Betrieb ein, weil der Erste Weltkrieg begonnen hatte. Da wurden die Pferde an der Front gebraucht. Nach dem Krieg machte Stürmann allein weiter, aber viel Geld verdiente er mit seinem Eisenerz nicht mehr. 1930 endete der Bergbau im Propsteier Wald.

Harte Arbeit

Auf dem Rückweg erzählt Dieter Spiertz weitere Geschichten über den Bergbau im Propsteier Wald. Dass die Belgier auf dem Kasernengelände ein Naturschwimmbad angelegt hatten, in einer ehemaligen Blaustein-Grube. Und vom Silber, das im Bleierz enthalten ist, was aber wohl schwer zu trennen sei. Und, ach ja, die Römer hätten damals, also in der Römerzeit, lang ist es her, auch Gold gefunden.

Allerdings nicht im Propsteier Wald, sondern einige Kilometer entfernt, bei Malmedy in Belgien. Und zwar angeblich solche Mengen, dass in Rom der Goldpreis zusammen gebrochen sei. Angeblich. Von so etwas konnten die Bergarbeiter im Propsteier Wald nur träumen. Für sie bedeutete Bergbau vor allem harte Arbeit.

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