Projekts „Finne“: Mit Köcher und Becherlupe am Seeufer

Von: Patrick Nowicki
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Andrea Herkenhöner forscht mit den Kindern am Ufer. Foto: Patrick Nowicki
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Auch zahlreiche Krebse treiben sich im Blausteinsee herum. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Da staunten die Kinder nicht schlecht, als Johannes Birkenstock einen etwa zehn Zentimeter großen, leblosen Krebs in die Höhe hielt. Erst wenige Minuten zuvor war er von Kindern aus dem Blausteinsee gefischt worden. Während er nur noch als totes Exemplar betrachtet werden konnte, herrschte in den Petrischalen und Becherlupen auf dem Tisch am Container des Segelclubs das pure, hektische Leben.

Im Blausteinsee gibt es viel zu entdecken – das wissen nun die Kinder, die am Workshop „Stille Seen und belebte Teiche“ von Finne teilnahmen. Der Name des Projekts steht für „Fischwelt in NRW neu entdecken“, es wurde vom Land NRW, von Fischereiverbänden, der Stiftung Wasserlauf NRW und dem Fischereimuseum Bergheim an der Sieg ins Leben gerufen.

Im Mittelpunkt steht, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, welche Tiere in den hiesigen Gewässern zu finden sind – und dies eben nicht nur in der Theorie, sondern ganz praktisch vor Ort. Das bedeutete, dass die jungen Teilnehmer selbst zu Köcher und zur Schale griffen, um sich auf Erkundungstour am Ufer zu begeben. Dafür wurden nur schnell Wasserschuhe übergestülpt und rein ging es in den See. Zwischen Schlamm und Steinen verbirgt sich nämlich so manch interessanter Zeitgenosse. Dafür muss das Material jedoch gesiebt werden. So holten die Kinder nicht nur den großen Krebskadaver aus dem Wasser, sondern Larven, Flussmuscheln und mehr.

Schlusspunkt des Halbjahrs

Der Workshop bildete den Schlusspunkt des ersten Halbjahresprogramms des Naturhauses Rheinland am Blausteinsee. Das Gebäude war erst vor etwas weniger als einem Dreivierteljahr bezogen worden und zeigt unter anderm in einer Dauerausstellung die Besonderheiten der hiesigen Region. Jutta Pletz, die für die Stadt Eschweiler im Naturhaus tätig ist, zieht ein durchaus positives Fazit: „Die Sonntage sind gut besucht“, schildert sie.

Allerdings wünscht sich Aline Foschepoth von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft eine noch größere Resonanz: „Vor allem für Schulen sind unsere Angebote sehr interessant.“ Im ersten Halbjahr war nicht nur das Projekt Finne mit einem Workshop vertreten, auch Eschweilers Förster Marco Lacks erläuterte die Entwicklung des Waldes am See, die Bienenfreunde Eschweiler rückten mit einem Schauvolk an und der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) lud zur Vogel-Exkursion ein.

Hinter den Kulissen wird fleißig am Programm des kommenden Halbjahres gebastelt. Es soll in wenigen Wochen veröffentlicht und bekannt gemacht werden. Daran hakte es im ersten Halbjahr nach Ansicht von Aline Foschepoth auch: „Viele Menschen und Institutionen kennen unsere Angebote, die alle kostenlos sind, noch nicht.“ Daran soll sich etwas ändern. Als Schule war bisher nur die Gesamtschule Waldschule vor Ort.

Dass es sich lohnt, die Natur am Blausteinsee zu erleben und die Erfahrungen mit Wissen zu garnieren, unterstrich der Finne-Workshop am See. Johannes Birkenstock und Andrea Herkenhöner wussten viel über die Tierwelt im Wasser zu erzählen. Die Kinder wissen nun, wieso manche Fische im Schwarm schwimmen, was bestimmte Tierarten über die Qualität des Wassers aussagen und wo man im See interessante Lebewesen entdecken kann. Dieses geballte Wissen kindgerecht zu servieren, ist die größte Herausforderung.

Eine besondere Fischart, die in deutschen Flüssen wieder häufiger auftreten soll, stellte Hans-Ulrich Tiepelt vom Fischereiverein Düren vor: den Lachs – und dies gleich als Schwarm, denn eine ganze Reihe von jungen Fischen tummelte sich in dem Becken, das im Schatten des Seezentrums aufgebaut worden war. An Schautafeln konnte jeder nachsehen, wie der Wanderfisch mit menschlicher Unterstützung wieder im Eifelgewässer angesiedelt werden soll. Besonders imposant waren die lebensgroßen Bilder der bisher größten festgestellten Lachse in der Rur. Den Rekord hält bisher ein 7,5 Kilogramm schweres und 101 Zentimeter langes Exemplar.

Viel Wissen im Gepäck

Im etwas kleineren Becken nebenan befanden sich einige Flusskrebse, also keine Tiere, die aus dem Blausteinsee geholt wurden. In diesem Fall musste es beim Blick durch die Glasscheibe bleiben, denn der Versuch Birkenstocks, eines aus dem Wasser zu holen, scheiterten an den Scheren der Tiere. Zum Abschluss hatten die Kinder allerdings nicht nur viel neues Wissen im Gepäck, sondern auch ein selbst gebasteltes Fischlexikon. Zum Abschluss des Workshops griffen die Teilnehmer zu Scheren und Kleber, schnitten Bilder der Tiere aus und hefteten sie an die richtige Stelle vorgedruckter Seiten.

Durchaus denkbar, dass dieser Workshop für Kinder und Jugendliche im Alter von 8 und 14 Jahren noch einmal am Blausteinsee angeboten wird. „Wir sind offen für Ideen sowie Gruppen und Institutionen“, betont Aline Foschepoth von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Das Naturhaus am See solle sich schließlich weiter entwickeln und als offenes Projekt betrachtet werden. Auch im Gebäude selbst soll sich in den nächsten Monaten etwas tun. Geplant ist, die Ausstellung in der 1. Etage zu erweitern.

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