Projekt „Nocase“: Gemeinsam Filme drehen

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
10435063.jpg
Nicht nur das Schlüpfen in verschiedene Rollen steht beim Filmprojekt Nocase auf dem Programm. Die Teilnehmer lernen natürlich auch den richtigen Umgang mit Kamera und Ton. Foto: Sonja Essers
10434450.jpg
Spaß haben die Teilnehmer des Projekts Nocase allemal. In diesen Tagen drehen sie eine neue Version des Märchens „Hänsel und Gretel“. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Hücheln. „Wir wollen auf keinen Fall so sein, wie andere. Wir wollen uns auf keinen Fall verstecken und wir wollen auf keinen Fall Menschen mit einem Handicap oder aus sozial schwachen Familien ausgrenzen“, sagt Claudia Schmoldt und fasst damit die Ziele der inklusiven Filmproduktion, die sie im März 2015 als gemeinnützige GmbH gegründet hat, zusammen, das in der gesamten Städteregion einzigartig ist: Nocase.

Was sich hinter dem Namen, der übersetzt „auf keinen Fall“ bedeutet, verbirgt? Nocase wurde im Oktober als Medienwerkstatt für Kinder und Jugendliche gegründet. Was daraus entstand, war eine Filmproduktion der etwas anderen Art: Menschen mit und ohne Handicap stehen gemeinsam vor und hinter der Kamera. Momentan drehen die Jugendlichen eine neue Version des Märchen-Klassikers „Hänsel und Gretel“. Doch dazu später mehr.

Wenn man Claudia Schmoldt und die Pädagogin Mireille Schauer auf ihre ehrenamtliche Arbeit anspricht, macht sich ein Lächeln in den Gesichtern der beiden breit. Nicht nur ihnen bereite das Projekt sehr viel Spaß, sondern auch den Teilnehmern. „Filmen ist sehr vielseitig. Die Teilnehmer können sich darstellerisch und kreativ austoben und lernen auch noch eine Menge soziale Kompetenzen“, meint Schmoldt.

Doch nicht überall stoßen sie auf offene Ohren. Viel zu oft werde man mit „merkwürdigen“ Fragen konfrontiert. „Es gibt Leute, die fragen, warum wir Menschen mit Handicap überhaupt vor die Kamera lassen und ob das ethisch vertretbar wäre“, berichtet Schauer.

Zu wenig Angebote

Diese Fragen machen die Pädagogin, die Claudia Schmoldt unter anderem von Dortmund aus mit der Planung und Organisation der Projekte unterstützt, sauer. „Warum sollten Menschen mit Handicap nicht in der Öffentlichkeit stehen dürfen? Wenn man solche Fragen stellt, zeigt das meiner Meinung nach doch, dass die Gesellschaft gar nicht so offen ist, wie es immer scheint.“

Auch Schmoldt hat in der Vergangenheit negative Erfahrungen gemacht. Rund 15 Jahre lang war sie in der Selbsthilfe tätig, kümmerte sich um Menschen, die an Epilepsie litten, und bekam mit, welchen Schwierigkeiten die Betroffenen und ihre Eltern ausgesetzt waren. Besonders verärgert war Schmoldt darüber, dass Kinder mit Handicap oft nicht an den Freizeit- und Ferienaktivitäten teilnehmen konnten, die sie gerne ausgeübt hätten. „Wenn man von Inklusion spricht, dann sollte es auch entsprechende Angebote geben“, meint sie.

So entstand die Idee zum Projekt Nocase. Doch warum fiel die Entscheidung der Indestädter auf eine Filmproduktion? Auf diese Frage antwortet Schmoldt mit einer Gegenfrage: „Wann wird denn schon mal ein Mensch mit Handicap gezeigt? Meistens nur, um sein Schicksal auszuschlachten. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie ein Gesicht und eine Stimme haben und sich darstellen können. Sie müssen sich nicht verstecken.“ Zudem brachte Schmoldt bereits haufenweise Erfahrung mit.

In dieser Woche startete das erste Ferienangebot. Mit von der Partie sind natürlich nicht nur Claudia Schmoldt und Mireille Schauer. Medienpädagogin und Ergotherapeutin Margrit Knetsch zeigt den sechs Teilnehmern, die zwischen 14 und 18 Jahre alt sind und aus der gesamten Städteregion stammen, nicht nur den richtigen Umgang mit Kamera, Ton und Requisiten, sondern auch die Themen Medienkritik und Medienkompetenz spielen bei ihr die Hauptrolle.

Aus Leipzig angereist

So drehten die Jugendlichen zu Beginn der Woche einen Kurzfilm, in dem sie Werbespots auf die Schippe nahmen. „Wir lernen nicht nur, wie man die Kamera an- und ausschaltet, sondern auch, wie wir zum Beispiel mit Bildern aus der Werbung umgehen. Durch Bilder werden Werte vermittelt und diese gilt es kritisch zu betrachten“, meint Knetsch. Die gelernte Ergotherapeutin stieß im Internet auf Nocase und stellte den Kontakt zu Schmoldt her. Um mit den Jugendlichen eine neue Version von „Hänsel und Gretel“ zu drehen, reiste sie aus Leipzig an. Sie will Schmoldt und Schauer auch in Zukunft unterstützen.

Und was wünschen sich Claudia Schmoldt und Mireille Schauer für die Zukunft des Projekts, das sie als ihr „Baby“ bezeichnen? „Unser Ziel ist es, dieses Projekt wirklich allen kostenlos zugänglich zu machen, aber dafür sind unbedingt Kooperationen und Sponsoren notwendig“, sagt Schmoldt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert