Projekt „Familienpatenschaften“: Es gibt noch einige Hemmschwellen

Von: Sonja Essers
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Wenn die eigene Familie wenig Zeit hat, können Familienpaten aushelfen. Sei es bei Hausaufgaben, einem Arztbesuch oder sonstigen Angelegenheiten. Foto: stock/epd

Eschweiler. Arztbesuche, Großeinkäufe oder einfach nur Zeit für sich selbst haben. Für Eltern, die berufstätig sind und keine Verwandten in der Nähe haben, die ihnen ab und zu unter die Arme greifen können, werden bereits alltägliche Situationen oft zum Problem.

Dass klassische Familienmodelle mittlerweile oft der Vergangenheit angehören, weiß auch Petra Kogel, Sozialpädagogin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Immer öfter berichteten ihr Familien, dass sie ohne die Hilfe von Großeltern auskommen müssten.

„Wenn die Großeltern nicht da sind, dann fehlt einfach was“, sagt Kogel. Aus diesem Grund startete der SkF im Sommer mit einem neuen Projekt. Die sogenannten Familienpaten sollten für Entlastung sorgen und den Familien in stressigen Situationen unter die Arme greifen.

Mehr Paten als Familien

Mittlerweile stehen zehn Paten in den Startlöchern, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Die Rückmeldungen der Familien halten sich jedoch in Grenzen. Gerade einmal sieben Familien haben Bedarf angemeldet. Ein Großteil davon habe sich sogar erst in der vergangenen Woche gemeldet, sagt Kogel. Bisher konnte erst eine Patenschaft starten.

Anders sieht es da in den umliegenden Städten aus. Sowohl in Stolberg und Alsdorf, als auch in Düren und Aachen sei das Projekt von Erfolg gekrönt. Dort gebe es sogar mehr Familien als Paten, berichtet Kogel, die sich regelmäßig mit ihren Kolleginnen austauscht.

Die Sozialpädagogin hat sich bereits zahlreiche Gedanken über die Gründe gemacht. Sie ist der Meinung, dass es nicht unbedingt an der Scheu liege, Hilfe von anderen in Anspruch zu nehmen. „Ich denke, es liegt daran, dass die Paten Menschen sind, die man nicht kennt. Da besteht bei vielen Familien mit Sicherheit eine große Hemmschwelle, die ich auch nachvollziehen kann.“

Obwohl sich bisher nur wenige Familien beim SkF gemeldet haben, bleibt Kogel optimistisch. „Ein neues Projekt braucht immer eine gewisse Vorlaufzeit.“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir wissen, dass die Idee der Realität sehr gut entspricht.“

Damit beide Seiten von dem Projekt profitieren, führt Kogel vor dem Kennenlernen sowohl mit den Paten, als auch mit den Familien ausführliche Gespräche. „Mir ist es wichtig, dass vorher geklärt wird, was eine Patenschaft bedeutet und was nicht“, sagt sie und macht deutlich: „Unsere Paten sind keine Haushaltshilfen oder ein Ersatz für eine regelmäßige Kinderbetreuung.“

Entlastung bei Stress

Vielmehr haben die Familienpaten die Aufgabe Familien in stressigen Situationen zu entlasten. Dazu zählt der Großeinkauf genauso, wie der Besuch beim Arzt. Kogel verdeutlicht dies an einem Beispiel: „Vor einiger Zeit war eine Mutter hier, die dringend zum Zahnarzt musste. Da sie keine Angehörigen hat, die hier leben, musste sie ihr kleines Kind mitnehmen.“ Da sei der Stress bereits vorprogrammiert gewesen. „In solch einer Situation ist ein Familienpate natürlich unheimlich viel Wert. Wenn ein Besuch beim Arzt ansteht, kann man vorher mit ihm abklären, ob er sich nicht um die Kinder kümmern kann.“

Doch wie kann man sich einen typischen Familienpaten überhaupt vorstellen? „Es sind überwiegend Menschen im Ruhestand, die sich gerne ehrenamtlich engagieren möchten“, beschreibt Petra Kogel die Ehrenamtler, die zum größten Teil weiblich sind. Ihre Motivation? „Bei vielen ist es so, dass die eigenen Kinder schon aus dem Haus sind und weil man dann viel Zeit zur Verfügung hat, kommt der Wunsch auf, sich wieder mit Kindern zu beschäftigen, mit ihnen zu spielen und ihnen etwas vorzulesen“, meint Kogel. Einige Paten hätten bereits in anderen sozialen Verbänden erste Erfahrungen als Ehrenamtler gesammelt. Voraussetzung für eine Familienpatenschaft ist das aber auf keinen Fall.

Wer sich in diesem Bereich engagieren möchte, muss allerdings ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis ablegen und an einer Präventionsschulung teilnehmen. Auch Fortbildungen in Ersthilfe und zu pädagogischen Themen bietet der SkF seinen Ehrenamtlern kostenfrei an. Geplant sei zudem ein regelmäßiger Austausch. Dieser finde bereits in anderen Bereichen statt und erfreue sich großer Beliebtheit, wie Petra Kogel berichtet.

Bevor eine Familienpatenschaft jedoch starten kann, müssen Pate und Familie sich erst einmal ganz genau kennenlernen. „Mir ist es wichtig, dass beim ersten Treffen die ganze Familie dabei ist, denn der erste Eindruck zählt“, sagt die Sozialpädagogin. Nicht nur die Kennenlernphase begleitet Kogel. Regelmäßig informiert sie sich, ob beide Seiten zufrieden sind.

Kogel hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem die Kinder Vorteile aus einer Patenschaft ziehen. „Für Kinder ist es natürlich schön, wenn es jemanden gibt, der nur Zeit für sie hat.“ Schließlich sei dies gerade in Familien mit mehreren Kindern oft ein Problem. „Die Familienpaten können sich auch nur mit einem Kind beschäftigen. Das ist für Kinder mit mehreren Geschwistern eine gute Sache, da sie so mehr Aufmerksamkeit bekommen“, sagt Kogel.

Gemeinsamer Ausflug

Für das kommende Jahr hat sich Kogel bereits ein Ziel gesetzt. „Wir wollen einen Ausflug mit allen Familien und Paten machen“, sagt sie. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Projekt auch genug Anklang findet.

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