Prachtvolle Schönheiten, aber keine Diven

Von: Patrick Nowicki
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Seine Orchideen bereiten ihm viel Freude: Karl-Heinz Froese will weitere Pflanzenfreunde für seinen Verein gewinnen. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Phragmipedium steht neben Dendrobium. Sie mögen es beide gerne warm und feucht. Nicht so Cypedium. Sie kann auch etwas frieren und fühlt sich draußen pudelwohl. Was sie alle vereint: Sie sind Orchideen aus der großen Sammlung von Karl-Heinz Froese.

Der Vorsitzende der Orchideenfreunde Aachen-Dreiländereck nennt 200 Exemplare sein Eigen, die alle seine volle Aufmerksamkeit genießen. Auch wenn der 68-jährige Eschweiler vehement widerspricht, wenn man ihn auf die komplizierte Pflege der Pflanzen anspricht, so weiß er doch genau: Orchideen haben klare Ansprüche und wachsen nicht immer.

Pflanzen zeigen Durst an

„Die meisten Orchideen werden totgepflegt, man gibt ihnen also zu viel Wasser“, sagt er. Dabei sei es einfach zu erkennen, wann die Blume durstig ist. Als Merkmal nennt er die meist sichtbare Wurzel: Wirkt sie grau, dann ist Gießen angesagt, erscheint sie grün, dann steht sie noch voll im Saft. Mit der Kanne geht Froese dann nicht zu Werke, sondern er sprüht seine Schützlinge ein. Denn „Orchideen nehmen die Flüssigkeit und die Nährstoffe meistens über die Oberfläche auf“, berichtet er. Ihre Wurzeln hängen frei oder stecken in einem besonderen Granulat. Je nach Art unterscheiden sich die Bedürfnisse der Pflanzen. Man muss sie nur kennen.

Einmal im Monat trifft er sich mit Gleichgesinnten aus der gesamten Städteregion, aus den Kreisen Heinsberg und Düren in der Gaststätte Siedlerklause in Alsdorf-Begau. Dort wird gefachsimpelt und jeder bringt gleich ein Paar blühende Orchideen mit, um sie den anderen Liebhabern zu zeigen. Oft stehen Vorträge auf dem Programm. Dann berichten Vereinsmitglieder und Freunde von Reisen und besonderen Arten der Pflanze, die in vielen Varianten zu den geschützten Arten zählen.

Sein 50. Geburtstag war für Karl-Heinz Froese ein Schlüsselerlebnis. Er erhielt eine Orchidee als Geschenk. Sie stand zunächst alleine auf der Fensterbank. Dann kamen weitere Exemplare hinzu – bis die Sammlung auf nun 200 wuchs. Um allen Pflanzen gerecht zu werden, fasste er vor wenigen Jahren den Entschluss umzubauen. In seinem Büro auf der ersten Etage befindet sich ein kleines Gewächshaus. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden vom Computer überwacht und reguliert.

Auch in seinem großen Garten ist die Vorliebe für die vielfältige Pflanzengattung zu erkennen. Wie eine Treppe hat er das Beet der winterharten Orchideen angelegt. Warum dieser aufwendige Aufbau? „Die unteren Orchideen benötigen einen sehr feuchten Boden“, erklärt er. Auf den Stufen zwei und drei nimmt der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens ab. Damit nicht genug: Jede Pflanze benötigt auch eine bestimmte Düngung. Sie muss nicht häufig mit Nährstoffen versorgt werden, aber auch der Zusatz muss passend sein. Wenige Meter weiter befindet sich das Gewächshaus, in zwei Bereiche eingeteilt. Der vordere beherbergt die trockeneren Pflanzen, dahinter folgt der Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Von der Blütenpracht fasziniert

Jeden Tag investiert Froese etwa eine Viertelstunde in sein Hobby. Mindestens. Ganz schön viel Aufwand für ein Paar Pflanzen. Aber Orchideen sind Froeses Passion. „Die Blüten und die Vielzahl und Varianten der Blüten faszinieren mich einfach“, sagt er. Nur an eine eigene Zucht denkt er nicht. Das sei ihm dann doch zu kompliziert. Um neue Formen und Farben zu erhalten, werden Orchideen inzwischen oft in Labors gezüchtet. Der Nachwuchs aus Froeses Sammlung entsteht hingegen auf ganz natürliche Weise: Manche Pflanzen bilden Ableger oder lassen sich nach einer bestimmten Größe teilen.

Will er neue Orchideen seiner Sammlung hinzufügen, so erwirbt er sie bei einem Züchter oder bei einer der zahlreichen Ausstellungen. Im nächsten Jahr wird er dafür nicht weit reisen müssen, denn die Orchideenfreunde Aachen-Dreiländereck veranstalten im März eine eigene große internationale Veranstaltung. Sogar Teilnehmer aus Südamerika haben sich angesagt. Dort werden die Freunde der Pflanzen voll auf ihre Kosten kommen. So wie Froese an seinem 50. Geburtstag. Sein Geschenk von damals hat er noch. Es steht im Gewächshaus.

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