Polizei hat weiter alle Hände voll zu tun

Von: Rudolf Müller
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Auch die Unfallvorbeugung an Schwerpunkten gehört weiterhin zum Programm der Polizei fürs neue Jahr in Eschweiler. Wie sehr dies geboten ist, zeigte der Dienstagmorgen: Glücklicherweise nur leichte Verletzungen trug ein 21-jähriger Pkw-Fahrer davon, als es gestern Morgen um 6.45 Uhr an der Kreuzung Aachener Straße/Rue de Wattrelos krachte. Beim Abbiegen von der Rue de Wattrelos nach rechts in die Aachener Straße, übersah der Pkw-Fahrer einen Lkw, der in Richtung Merzbrück fuhr. Beim Zusammenstoß schleuderte das Kleinfahrzeug über den Gehweg in einen Absperrungszaun. Insgesamt entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 7500 Euro. Die Straße musste eine Stunde lang gesperrt werden. Foto: Ralf Roeger
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Sie sind am Blau-steinsee inzwischen ebenso „zu Hause“ wie im Stadtwald und in der City: Beamte der Reiterstaffel. Foto: Rudolf Müller
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Das Befahren der Fußgängerzone ist nur zu bestimmten Zeiten zum Be- und Entladen erlaubt (unser Bild). Doch auch zu anderen Zeiten wird hier gefahren und geparkt, beschweren sich Anlieger und Besucher. Dabei werde oft nicht einmal die Einbahnregelung beachtet. Mehr als die Hälfte aller „Knöllchen“ schreibt das Ordnungsamt in der Fußgängerzone. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Eigentlich ist er ganz zufrieden mit dem, was seine Beamten im zurückliegenden Jahr geleistet haben. Doch er weiß auch, dass noch viel zu tun bleibt: Polizeidirektor Uwe Pasternak, Leiter der Polizeiinspektion 2, der auch die Indestadt angehört, zog am Dienstag beim traditionellen Arbeitsfrühstück von Bürgermeister, Polizei, Ordnungs-, Jugend- und Schulamt sowie Feuerwehr eine positive Bilanz des Projekts „Sichere Stadt Eschweiler“.

In dessen Rahmen hatten die Beamten der Wache Eschweiler und der Polizeiinspektion 2 zu Schwerpunkteinsätzen Unterstützung durch Beamte der Bereitschaftspolizei, der Reiter- und der Hundestaffel erfahren. Im Bereich des Polizeipräsidiums Aachen gibt es lediglich zwei Orte, für die das Land im Rahmen des Projekts „Sichere Stadt“ zusätzliche Kräfte bereitstellte: Neben Eschweiler ist dies das berüchtigte Gebiet Kaiserplatz/Ostviertel in Aachen.

Wie erfolgreich die Beamten dabei genau waren, das wird Polizeipräsident Klaus Oelze in den kommenden Wochen erläutern: wenn die genauen Zahlen zur Entwicklung der Straßenkriminalität und der Wohnungseinbrüche im Rahmen der Kriminalstatistik 2013 bekanntgegeben werden. Auch die Zahlen der Unfallstatistik sind noch „in der Mache“. Fest steht aber schon jetzt, dass die Polizei auch in diesem Jahr wieder präventive Schwerpunkteinsätze an bekannten Unfallhäufungspunkten unternehmen will. Dazu zählt auch die Kreuzung Rue de Wattrelos/Aachener Straße, wo erst am Dienstag wieder der Zusammenstoß eines Pkw mit einem Lkw in der Berufsverkehrszeit erhebliche Behinderungen verursachte.

Wie nötig der offene und auch verdeckte der zusätzlichen Polizeikräfte in Eschweiler nach wie vor ist, das konnte Pasternak am Dienstag aber mit brandaktuellen Zahlen untermauern: Am Montag waren Kräfte der Aachener Einsatzhundertschaft in Uniform und in Zivil in Eschweiler unterwegs. Dabei fielen ihnen illegale Böller, ein unerlaubtes Messer und Marihuanatütchen in die Finger. Bilanz nach acht Stunden: drei Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, eine wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, eine wegen Beleidigung, eine wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Zudem gab es zehn Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen: darunter sechs wegen Verkehrsverstößen, eine wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, je eine wegen Fahrens unter Betäubungsmitteleinfluss und wegen Verstoßes gegen das Gewerbegesetz. Zudem seien 65 Fahrzeuge kontrolliert worden.

Klar, dass Uwe Pasternak da für das neue Jahr gleich wieder beim Land Zusatzkräfte beantragt hat. Und gute Aussichten auf Erfolg sieht. Die meisten der Einsätze sollen im Herbst stattfinden, wenn in der dunklen Jahreszeit Einbrecher ihre Chancen sehen. Die Terminplanung läuft derzeit.

Abgesehen davon, so der Inspektionschef, gebe es bei „normaler Präsenz“ in Eschweiler „keinerlei Auffälligkeiten“. Allerdings: „Eine hohe Einwohnerzahl bringt natürlich auch hohe Einsatzzahlen mit sich.“

Und die, so wird Bürgermeister Rudi Bertram nicht müde zu betonen, erfordern eine höhere Polizeipräsenz, etwa durch eine rund um die Uhr besetzte Wache. Dabei ist er mit der Arbeit, die die Beamten vor Ort leisten, durchweg zufrieden. „Meine Kritik richtet sich nicht gegen die Männer und Frauen der Polizei vor Ort, sondern gegen ganz andere Leute, die einem geradezu krankhaften Spargedanken unterliegen“, betont Bertram, dessen eigene Mitarbeiter ebenfalls immer wieder unterstreichen, wie hervorragend die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsämtern und Polizei funktioniere. Beispiel Karneval: Von einem „ausgereiften Konzept“, das nur noch in Details verbesserungsfäig sei, sprechen da Pasternak und Amtsleiter Edmund Müller unisono.

Die erprobte Zusammenarbeit wird fortgesetzt: Fettdonnerstag ebenso wie Rosenmontag, beim Eschweiler Music Festival ebenso wie beim Public Viewing der diesjährigen Fußball-WM.

„Die Anstoßzeit für die Spiele der deutschen Mannschaft ist fast immer 20.30 Uhr unserer Zeit“, sagt Bürgermeister Rudi Bertram. Ideale Voraussetzung für ausgelassene Party-Abende auf dem Marktplatz. Die Gastwirte dort haben ihre Großbild-Pläne bereits angemeldet. Einziges Ärgernis aus Sicht der Polizei: die wilden, lauten Autocorsos nach den Spielen. „Auch wenn uns das viel mehr Arbeit macht hoffen wir natürlich, dass unsere Mannschaft möglichst weit kommt“, sagt Pasternak. „Immerhin: Auch andere Nationen können im Freudentaumel ordentlich auf den Putz hauen.“

Die weitere weiteren Themen der Sicherheitsbesprechung in Schlaglichtern:

Knöllchen: Seit der Anhebung der „Knöllchen“-Sätze im vergangenen April ist die Parkmoral in Eschweiler deutlich gestiegen, betont Edmund Müller (wir berichteten). Was an Strafgeldern weniger verhängt wurde, wurde durch erhöhte Nutzung der Parkscheinautomaten aufgefangen.

Fußgängerzone: Hier wird das Ordnungsamt mit immer massiveren Beschwerden über illegale Autofahrer konfrontiert. „Da geht es häufig fast so zu wie auf einer normalen Straße“, sagt Müller. Häufig werde dabei nicht einmal die Einbahnregelung beachtet. Die „Knöllchen“, die in der Fußgängerzone gegen Falschparker verhängt werden, machten „mindestens die Hälfte, wenn nicht zwei Drittel“ aller Parkknöllchen in der Innenstadt aus, so Edmund Müller. Hier seien verstärkte Kontrollen gemeinsam mit der Polizei nötig.

Feuerwehr: Bei den Einsatzzahlen liegt Eschweiler nach Aachen an der Spitze der Städteregion, so Wehrchef Axel Johnen. „Bei den Rettungsdienst-Einsätzen gehen wir auf die 10 000er-Marke zu. Dazu kommen täglich zwei bis drei Brandeinsätze.“ Wieso Eschweiler deutlich mehr Einsätze fahre als das einwohnerstärkere Stolberg, ist bisher unerklärt. Die unfallträchtige Autobahn könnte dazu ebenso beitragen wie die große Zahl von Seniorenheimplätzen.

Ortsdurchfahrt Weisweiler: Die Sperrung für den Lkw-Verkehr habe gute Früchte getragen, berichtet Edmund Müller. Nur noch vereinzelt seien Lkw in der Ortsdurchfahrt anzutreffen. Für Lkw-Fahrer bedeute das Umfahren des Ortes zwar eine längere Strecke, zeitlich aber kaum Mehraufwand.

Unbelehrbare Eltern: Das Bringen und Abholen von Kindern bereite nach wie erhebliche Probleme. Und immer wieder sei festzustellen, dass gerade diejenigen, die sich über rücksichtsloses Fahren im Umfeld der 20 Schulen und 30 Kindergärten in Eschweiler beschweren, selbst uneinsichtige Übeltäter seien. Edmund Müller: „Wir halten uns dran, Eltern zur Vorsicht zu mahnen und auf sie einzuwirken, nicht bis ins Klassenzimmer zu fahren.“ Wolfgang Robioneck, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Wache Eschweiler, kennt das Problem: „Das Verhalten mancher unbelehrbarer Eltern ist einfach nicht zu begreifen!“

Schulen: „Es ist sehr gut, dass unsere Schulen Bezirksbeamte der Polizei vor Ort haben, die auch gern in Anspruch genommen werden", lobt Schulamtsleiterin Petra Seeger, während Rechtsrat Dieter Kamp die hinter verschlossenen Türen geleistete Präventionsarbeit gegen mögliche Amokläufe hervorhebt. Seinen Eindruck, dass die Zahl relevanter Vorfälle zurückgegangen sei, kann Uwe Pasternak nicht teilen. „Schon die Androhung einer entsprechenden Tat löst einen massiven Polizeieinsatz aus", betont der Polizeidirektor. „Das schließt eine Zimmerdurchsuchung und die Überprüfung des Computers mit ein." Wie Eltern und Lehrer sind auch die Polizeibeamten nach grausigen Vorfällen wie in Erfurt und Winnenden hoch sensibel, wenn jemand droht, seine Schule in die Luft zu jagen oder Lehrer „umzulegen". Lieber sofort mit harten Bandagen durchgreifen als im Fall des Falles zu lasch zu reagieren.

Mobile Jugendarbeit: Olaf Tümmeler, Leiter der Fachdienststelle für Jugendförderung, soziale Dienste und Jugendhilfe, freut sich über den neuen Bus, der der Mobilen Jugerndarbeit seit dem vergangenen Jahr zur Verfügung steht. die „Top 5“ der Jugendtreffpunkte, die die Streetworker damit ansteuern: das weitgehend verwaiste City-Center, der Skate-Park, die Volière am Drimbornshof, die Kleinfeldanlage Bergrath und der Ballspielekäfig in Pumpe-Stich.

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