Eschweiler - Politiker zeigen Bahnplänen die rote Kelle

Politiker zeigen Bahnplänen die rote Kelle

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Barrierefrei ist anders: Der Bahnsteig soll im kommenden Jahr erhöht werden, um den Ein- und Ausstieg zu erleichtern.
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Hauptbahnhof aus der Vogelperspektive. In 2018 sollen dort und am Bahnübergang Jägerspfad die Arbeiten starten.

Eschweiler. Gegen die geplante Schließung des Bahnübergangs Jägerspfad laufen die Bürger inzwischen Sturm. Jetzt zeigt auch die Politik eine klare Kante: Einstimmig lehnte der Planungs- und Umweltausschuss die Kreuzungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn AG ab, die das Aus des Übergangs besiegelt.

Alle Parteien waren sich einig, dass zunächst die Bahnüberführung Stich erweitert werden muss, bevor man die Möglichkeit nehme, am Jägerspfad die Bahnstrecke Aachen - Köln zu überqueren.

Damit gerät die Deutsche Bahn AG jedoch keineswegs unter Zugzwang: Sie kann auch eine Anordnung des Verkehrsministeriums erwirken, wonach die Berliner Behörde die Schließung festlegen kann. Der Technische Beigeordnete Hermann Gödde befürchtet jedoch, dass die Kosten in diesem Fall für die Stadt Eschweiler steigen könnten. Der Dezernent, der aus seiner kritischen Haltung gegen die Planungsgepflogenheiten der Bahn kein Geheimnis macht, kündigte im Ausschuss an, dass Vertreter der Deutschen Bahn in der kommenden Ratssitzung am 8. November Rede und Antwort stehen werden.

Große Sympathie dürfte ihnen im Ratssaal nicht entgegenfliegen, zu deutlich war die Kritik aller Parteien an die Pläne der Bahn. „Die Reihenfolge ist unmöglich“, sagte Manfred Waltermann von der UWG. Nach derzeitigem Stand der Dinge will das Verkehrsunternehmen mit den Arbeiten zur Schließung des Bahnübergangs im Jahr 2019 (in der Vorlage der Verwaltung war von 2018 die Rede) beginnen.

Zuvor soll der alte Rad- und Fußgängertunnel von der Burgstraße zum Ringofengelände verfüllt und ein neuer Tunnel angelegt werden. Parallel sollen auch die Arbeiten am Hauptbahnhof starten, der barrierefrei hergerichtet werden soll. Dafür werden nicht nur die Bahnsteige erhöht, sondern auch zwei Aufzüge installiert, die es gehbehinderten Menschen ermöglichen, alle Gleise zu erreichen. Die Aufweitung des Tunnels am Sticher Berg hingegen ist frühestens für 2022 geplant.

Letzteres ist den Menschen in Röthgen ein Dorn im Auge. Eine davon ist Marie-Theres Kugel, Bewohnerin der Röthgener Burg, unmittelbar an der Bahnschranke Jägerspfad: „Ich lade jeden herzlich ein, sich die langen Staus am Morgen oder Nachmittag hier anzuschauen.“ Tagtäglich beobachte sie, dass sich Schlangen bis weit hinein in die Bourscheidtstraße und die Wilhelmstraße bilden. Die 75-Jährige befürchtet, dass mit der endgültigen Schließung ein Verkehrschaos in dem Ort ausbreche. Zudem sorgt sie sich um die Innenstadt: „Wie sollen Menschen denn vom Süden aus noch in die Eschweiler Innenstadt gelangen?“ Sie selbst plane immer 30 Minuten ein, um mit dem Auto zum Geschäft zu gelangen – für eine Strecke von wenigen 100 Metern. Dies zeige in ihren Augen, dass schon jetzt eine unbefriedigende Verkehrssituation in Röthgen herrsche.

In diese Kerbe schlagen auch die Eschweiler Kommunalpolitiker, die im Ausschuss mehrfach davon sprachen, dass die Stadt von Bahnstrecken „dreigeteilt“ werde. Vor allem die Röthgener Straße und der Ortsteil Röthgen seien stark belastet. Allerdings wehrte sich der Technische Beigeordnete Hermann Gödde gegen den Vorwurf, die Verwaltung vernachlässige die Sicherheit der Bürger mit der Kreuzungsvereinbarung. Vor allem die Eschweiler Grünen hatten die Verwaltung scharf attackiert. „Es wird bewusst Angst verbreitet“, entgegnete Gödde. Ebenso deutlich widersprach er der Kritik, dass die Politiker mit der Vereinbarung überrumpelt würden. Im Jahr 2009 habe es ein ausführliches Gespräch mit Vertretern der Grünen-Fraktion gegeben, „spätestens zu diesem Zeitpunkt waren sie ausreichend unterrichtet“.

Die Forderung der Stadt Eschweiler, zunächst den Tunnel Stich aufzuweiten, ist nicht neu. Jahrelang rang man mit dem Verkehrsunternehmen um eine Lösung. Immerhin erreichte man, dass die Deutsche Bahn das Projekt offiziell auf seine Ausbauliste nahm. Auch der Streit um die Kostenbeteiligung der Städteregion wurde beigelegt – bei der Röthgener Straße handelt es sich um eine Kreisstraße. Was die Kommunalpolitiker von der Ankündigung der Bahn halten, im Jahr 2022 die Arbeiten am Stich zu beginnen, machte der Grüne-Stadtverordnete Dietmar Widell deutlich: „Wir haben auch eine Zusage der Bahn, dass in 2014 der Ausbau des Bahnhofs losgeht.“ Dort ist bisher nichts geschehen.

Dies soll sich ebenfalls im nächsten Jahr ändern. Im Zuge des Projekts „Ausbaustrecke 4“ (ABS4) soll der Bahnhof im kommenden Jahr nicht nur modernisiert und barrierefrei gestaltet werden, auch die Signal- und Leittechnik wird auf den neusten Stand gebracht. Fest eingeplant ist auch die Schließung des Bahnübergangs. Diese zu verhindern, hält Gödde für unmöglich: „Es gilt noch Eisenbahnrecht!“ Dies bedeutet, dass das Bundesverkehrsministerium eingeschaltet werden kann. Gödde hält diesen Weg sogar für „wahrscheinlich“, sollte der Rat die ablehnende Haltung nicht aufgeben.

Dass sich der Rauch im Ratssaal allerdings schnell legt, ist ebenfalls nicht zu erwarten. Die Kommunalpolitiker aller Farben machten deutlich, dass sie sich von der Vorgehensweise der Deutschen Bahn verschaukelt fühlen. Manfred Waltermann von der UWG sprach von „Jahrzehnten“, in denen die Pläne der Bahn den Kommunalpolitikern ein Dorn im Auge seien. SPD, Grüne, CDU und FDP legten sich ebenfalls fest, die Aufweitung des Tunnels Stich vorzuziehen. „Wir verursachen sonst ein absehbares Chaos“, meinte Wilfried Berndt (CDU).

Die Ratssitzung am 7. November dürfte also spannend werden. Wie vergiftet die Stimmung aktuell ist, zeigte sich nach der Debatte. Auf die von der Verwaltung vorgetragenen Bitte der Bahn, Fragen vorab zu senden, schüttelten viele Ratsvertreter nur den Kopf.

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