Podolski und Özil hängen Ballack ab

Von: Michael Cremer
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Zwei Klassiker auf dem Spielfeld. Geht es um Spielzeug oder Sportartikel, steht Qualität bei den Kunden hoch im Kurs. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Alle fiebern der Fußballweltmeisterschaft entgegen. Naja, nicht wirklich alle. Im Vergleich zum Sommermärchen 2006, das beinahe wahr geworden wäre, hält sich die Vorfreude diesmal eher in Grenzen. Das Kap - oder wie manche sagen - der Cup der guten Hoffnung ist eben verdammt weit weg.

Vor und in fast allen Läden der City sucht man im Jahr 2010 - nachvollziehbar - vergeblich nach Hinweisen auf die WM. Einzig einige Fachgeschäfte und Discounter halten für den Eschweiler Fußballfan dies und jenes bereit.

Eines scheint klar: Für Qualitätsware legt der Kunde gerne ein paar Euro mehr auf die Ladentheke. Sehr zufrieden und angenehm überrascht ist Thomas Virnich von Sport Fergen in den Englerthstraße.

Eigentlich alles, sagt er, verkaufe sich gut - ob offizieller WM-Ball oder offizielles Deutschland-Trikot. Vor allem aber das Trikot. Der Boom habe spätestens mit dem Länderspiel gegen Malta auf dem Tivoli eingesetzt. Dort hätten halt sehr viele Fans nicht im Alemannia-Outfit hingewollt, sondern im Deutschland-Dress.

Und wie steht es um die Nummer 13? Michael Ballack (der verletzt zusehen muss) sei bei jungen Fans nicht so gefragt wie etwa seine Nationalmannschaftskollegen Podolski oder Özil, weiß Virnich. Deren knallbunte Fußballschuhe kommen bei der Jugend offenbar besser an.

Ähnlich zufrieden über den Umsatz äußert sich Markus Pickartz, Filialleiter von Aixtra Sport einige Häuser weiter. Auch hier sind - vor allem die weißen - DFB-Trikots der Renner. „Angefangen hat das Ganze schon nach der WM-Auslosung.” Doch nicht nur das Deutschland-Dress wird verlangt. Serbien sei auch sehr gefragt. Gerade eben noch seien aus Aachen fünf solcher Trikots bestellt worden.

Artikel wie Hosen, Stutzen, Schals und auch preisgünstige Bälle ließen sich derzeit ebenso gut verkaufen. Und natürlich der offizielle WM-Ball. Nur hat der sich zu einem solchen Verkaufsschlager entwickelt, dass Hersteller Adidas offenbar mit der Produktion nicht mehr nachkommt.

Während mit den meisten der oben genannten Artikel tatsächlich auch Fußballsport getrieben werden kann, dienen jene, die nun folgen, der aktiven Unterstützung durch den Fan beim Public Viewing, also dem Vor-dem-Fernseher-Sitzen in aller Öffentlichkeit. Bei TEDI im Citycenter etwa findet der (Deutschland-)Fan Hüte, Fahnen, Trinkbecker und sogar Kaugummikugeln in Schwarz-Rot-Gold (oder besser: Gelb).

Einige größere Becher sind noch von der WM in Deutschland 2006 übergeblieben. Sammlerstücke? Bei INFERNO in der Neustraße werden ebenfalls Hüte feilgehalten, dazu Fahnen fürs Auto und solche zum Selberschwingen, Hawaii-Ketten, Umhänge und sogar Pflaster in Deutschlandfarben. „Hilft bei Sieg und Niederlage”, verspricht der Hersteller.

Offizielle DFB-Sammelkarten gibt REWE seinen Kunden ab einer gewissen Einkaufssumme gratis dazu; in der Filiale am Langwahn startet am Samstag sogar eine Tauschbörse. Ab Montag bietet die Discounter-Kette Penny ebenfalls gezielt Fan-Artikel an: vom Schlüsselbund über die Autofahne bis hin zu Haarreif und Zopfhalter.

Und dann sind da noch jene Tröten, abgeschaut vom Original, mit dem der südafrikanische Fußballfan bereits beim Confederations-Cup Reporter wie Fernsehzuschauer an den Rand der Verzweiflung brachte.

„Vuvuzelas” heißen die Dinger im Original, „Fan-Tröten” bei TEDI und INFERNO; die gibt es hier in der „Vollversion”, also in einem Stück, oder zweiteilig zum Ineinanderschieben. Mit dem lizensierten Nachbau, wie ihn ein Unternehmen aus Düsseldorf auf den europäischen Markt gebracht hat, haben sie nicht so viel gemein.

„Vuvuzelas” machen richtig Lärm

Diese dreiteilige Ausführung fällt laut Hersteller auseinander, sollte sie zwischendurch einmal als Schlaginstrument eingesetzt werden. Und: Sie soll TÜV-geprüft dank Schalldämpfung deutlich leiser sein als die südafrikanischen Vorbilder. Deren Lautstärkepegel wiederum vergleicht Rolf Vesenmaier vom TÜV Rheinland mit dem eines Düsenjets.

Und wieso sind dann Plastikfanfaren auf dem Markt, die nicht vom TÜV geprüft wurden? „Es gibt keine gesetzlichen Grundlagen, die sich hier eins zu eins übertragen lassen”, sagt Vesenmaier. „Wir sind ja schon froh, dass zumindest ein Hersteller so vernünftig war.” Nomen est Omen: „Vuvuzela” soll in der Zulu-Sprache soviel wie „Lärm machen” bedeuten. Was das wohl für die WM bedeutet?

Deutlich leiser geht es da auf dem Spielzeugmarkt zu. Günter Rosenbaum vom gleichnamigen Fachgeschäft an der Marienstraße weiß aus Erfahrung, dass bei Fußball-Großereignissen die Klassiker gefragt sind: Da sind zunächst natürlich die Fußball-Sammelbildchen samt Album zu nennen. Spannung ist garantiert: Man weiß vorher nie, wen man im Tütchen findet und wer nachher tatsächlich auch spielt.

Sehr beliebt ist nach wie vor das „Tipp-Kick”. Hier tummeln sich „Top-Kicker” und „Star-Kicker” in allen möglichen Vereins- und Landesfarben auf dem Spielfeld, die dank eines beweglichen Beines erstaunliche Schussvarianten beherrschen. Im Herbst sollen sogar weibliche Spielfiguren auf den Markt kommen.

Fit für die WM ist auch Playmobil, das sein Fußballfeld samt Spielern aller Couleur wieder aufgelegt hat. Auch diese Figuren sind mit einem beweglichen Bein ausgestattet und können richtig „kicken”.

Der „Trainer” ist hier klar im Vorteil: Da alle möglichen Rückennummern zum Aufkleben mitgeliefert werden, kann der Coach immer über die besten Spieler verfügen. Schwerwiegende Verletzungen natürlich ausgenommen.
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