Platzpflege ist mehr als nur Rasen mähen

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
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Ein Leben für den FV: Guido Hark ist der Mann für alle Fälle beim Fußballclub in Eschweiler-Ost. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Von den Fußball-Stadtmeisterschaften verpasst er keine Sekunde. Mehr noch: In den frühen Morgenstunden bereitet Guido Hark den Platz „Am Wetterschacht“ für die Spiele am Abend vor, stopft Löcher im Rasen, zieht neue Linien, befreit das Gelände von Unrat und richtet die Theken und Stände für die ersten Fußballfans am späten Nachmittag her.

Der 50-Jährige übernachtet während der Titelkämpfe sogar am Platz. Zur Sicherheit, weil beim Jugendturnier des FC Rhenania Eschweiler gleich ein ganzer Kühlwagen gestohlen wurde. Hark ist Platzwart, Kassierer, Fußballobmann und Torwarttrainer.

Aus Liebe zum Verein

Wer vom FV Eschweiler spricht, der denkt auch an Guido Hark. Denn wie kaum ein anderer ist er eng mit dem Verein verbunden. Im Jahr 1982 trug er als Torwart das erste Mal das Trikot der Mannschaft. Und zog es nicht mehr aus bis zum Jahr 2000. „Ich habe wohl an die 500 Spiele für den FV im Kasten gemacht – und dabei gefühlte 1500 Tore kassiert“, sagt er und lacht. Ausgerechnet in seiner letzten Begegnung mit der 1. Mannschaft stieg er ab und verlor gleichzeitig 0:10 in Roetgen. Damit sollte eigentlich Schluss sein, aber für „seinen“ FV half er ab und zu in der „Zweiten“ aus.

Die Liebe zum Verein blieb. Und dies ist etwas, was er bei der heutigen Spielergeneration vermisst: „Heute identifiziert sich kaum noch einer mit dem Verein. In der Sommerpause erzählen sie, wie toll es bei uns ist, und im Winter ist es bei einem anderen Club toller.“ Früher habe er gewusst, dass man zu 95 Prozent auch in der nächsten Saison mit den gleichen Jungs spiele. Dies ist heute anders, und das FV-Vorstandsmitglied hat sich damit abgefunden. Anderen Vereinen ergehe es genauso. Obwohl: „Manchmal denkt man schon: Warum tu ich mir das an?!“

Die Stadtmeisterschaft ist eine große Herausforderung für einen Verein wie FV Eschweiler. Aber der Vorstand kann auf ein eifriges Helferteam zurückgreifen. Am Ende ist der Erlös aus dem Verkauf von Getränken und Essen auch ein Segen für die Vereinskasse. Ganz zu schweigen vom großen Zuschauerinteresse: Bei normalen Saisonspielen passieren selbst bei Derby maximal 70 Zuschauer das Kassenhäuschen. Auch dies war zu Harks aktiver Torwartzeit anders. „Ich kann mich noch an eine Saisoneröffnung gegen Germania Dürwiß erinnern, als über 500 Menschen am Platz waren“, berichtet er.

Ein Leben für den FV – so lässt sich das Engagement von Hark und seinen Vorstandskollegen beschreiben. Als Platzwart ist er zwischen 15 und 20 Stunden in der Woche mit Grünschnitt, Reinigung und Herrichtung der beiden Rasenplätze und der Außengelände beschäftigt. Viele Spiele, viel Regen – es ist jede Menge Arbeit, die Plätze zu pflegen. Den Rasenschnitt des Fußballplatzes übernimmt die Stadt. Sie zahlt auch einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 7440 Euro für die weitere Pflege an den Verein. Die Zuschüsse richten sich unter anderem nach der Art und Anzahl der Plätze. Mit dieser Summe muss allerdings auch die Reinigung des Vereinsheims finanziert werden. Guido Hark steckt viel Zeit in die Pflege der 15.555 Quadratmeter großen Sportnutzfläche. Den städtischen Zuschuss sieht er als „kleine Aufwandsentschädigung“. Dass der Verein überlebe und die Anlage so gut in Schuss sei, funktioniere ohnehin nur dank des guten Zusammenhalts im Team. Zwei Mal in der Woche werden die Spielflächen in Eschweiler-Ost von den Wirtschaftsbetrieben gemulcht, sie werden also gemäht, der Schnitt jedoch auf dem Platz belassen.

Wieder vier Jugendteams

Als Fußballobmann muss Hark ein offenes Ohr für die Spieler haben. „Wenn ich einmal zwei Wochen nicht auf dem Platz wäre, dann hätte sich ein Berg an Problemen aufgetürmt, den man nicht mehr bewältigen könnte“, weiß er. Deswegen ist es wichtig, dass er seine Familie hinter sich weiß. Alle sind mit dabei, wenn es um den FV geht. Inzwischen kicken für den Verein auch wieder eine Bambini-, F-, E- und C-Jugendmannschaft. Dies freut den 50-Jährigen. Denn manchmal sei das Ehrenamt schon „sehr belastend – körperlich und psychisch“. Die positiven Erlebnisse halten ihn jedoch bei der Stange. Und natürlich: „Die Liebe zum Verein.“

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