Piet Klocke: Logisch, dass „Pisa“ nur schiefgehen konnte

Von: Andreas Röchter
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Mitnichten „der Programmende“, sondern „der Lesende“: Piet Klocke ließ im Talbahnhof keinesfalls die Kühe grasen oder wiederkäuen, sondern in Konversation mit der Erde treten. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Entgegen anderslautender Verlautbarungen der hiesigen Presse handelte es sich in keinster Weise um eine Nachtwanderung und erst recht nicht um ein Programm, sondern um eine Lesung, die am Mittwochabend wahre Heerscharen von Kulturliebhabern in das Kulturzentrum Talbahnhof lockte. Logisch, dass ein Mann wie Piet Klocke, der mit seinem Namen wie kaum ein anderer dafür steht, Dinge schleunigst auf den Punkt zu bringen, Wert darauf legt, auf diesen gar nicht so kleinen oder auch feinen Unterschied hinzuweisen.

Nachdem Durchsagen und weitere Formalitäten erledigt waren, ging es dann auch schnellstmöglich in „medias res“, als der unter anderem Autor, Philosoph, Satiriker, Kabarettist, Schauspieler und Musiker sich selbst und/oder seinen Zuhörern eine Frage stellte, die für den weiteren Verlauf des Abends wegweisend sein sollte: „Humoresk? Warum denn nicht!“, antwortete er der Einfachheit halber selber. Und zog einige Zettel aus seinem Werk „Kühe grasen nicht, sie sprechen mit der Erde“.

Apropos Kühe: Diese benutzten die auf den Weiden aufgestellten Badewannen zu selten. Das hätten von der EU in Auftrag gegebene Erhebungen der zurückliegenden acht Jahre eindeutig erwiesen. Doch selbstverständlich haben die EU-Verantwortlichen eine pragmatische Lösung parat: Ab 2019 sollen die Badewannen für die Bauern freigegeben werden!

Kuh-Badewannen-Freigabe

Über ein Treffen Piet Klockes mit einem Berliner Taxifahrer mit Kommunikationspsychologie im Nebenfach näherte sich die erste von immerhin zwei Hälften ihrem Schlusssignal. Doch schon weit vor dem Abpfiff der Pause pfiff Piet Klocke zur Überraschung so manches Lesungsgastes den zweiten Durchgang an.

Zahlreiche Zettel folgten: Einer Dame mit zwei Möpsen, also Hunden, an der Y-Leine und die bildungstechnische Erkenntnis, dass „Pisa ja nur schiefgehen konnte“, folgten die „Bild“-Schlagzeile „Weichei schaut am Vatertag Champions-League der Frauen!“ Auch die Zoologie kam zu ihrem Recht: „Elefanten kommunizieren über extrem tiefe Töne, die sie in ihren Rüsseln bilden. Diese sind derart tief, dass es dem Menschen nicht möglich ist, sie wahrzunehmen. Der Hund kann dies schon, doch den interessiert es thematisch nicht!“ Darüber hinaus ist dem weltmännischen Allrounder aufgefallen, dass es sich bei München um die Verniedlichungsform der Stadt Mün handele, deren Partnerstadt Gelsenkir sei.

In der Schlussphase, die Uhr des Vorlesers drohte bereits mit dem nächsten Weckruf, gab eben dieser noch einige Exzerpte aus seiner 2011 erschienenen Schrift „Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?!“ zum Besten. Piet Klocke brachte es. Und verabschiedete sich per tiefer Verbeugung aus 1,96 Meter Höhe vom enthusiastisch applaudierenden Publikum.

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