Eschweiler - Philip Sayce beweist: Echter Rock wird laut gespielt!

Philip Sayce beweist: Echter Rock wird laut gespielt!

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Schweiß auf der Stirn, Rock im Blut: Der Songwriter und Gitarrist Philip Sayce (Bild) brachte mit seinen Bandkollegen Ryan McMillan und Joel Gottschalk den Talbahnhof zum Kochen. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Während draußen ein erstes frühwinterliches Hochdruckgebiet bereits für frostige Temperaturen sorgte, tobte am Donnerstagabend im Kulturzentrum Talbahnhof ein wahres Rock-Gewitter. Der britische Songwriter und Gitarrist Philip Sayce fegte mit einem gewaltigen Dezibel-Sturm in die Gehörgänge der Zuhörer.

Keine Gnade, keine lockere Aufwärmphase - wie eine Tornadoschneise hinterließ der in Wales geborene und in Toronto aufgewachsene Sayce ein auch Stunden später noch nachhallendes Echo.

Mit verantwortlich für die zum Rock mutierte Naturgewalt waren auch die beiden außergewöhnlichen Musiker, die Philip Sayce im Schlepptau hatte. Das Schlagzeug beackerte in schweißtreibender Manier Ryan McMillan, für den ständig stampfenden Bass zeigte sich Joel Gottschalk verantwortlich. Als Trio entpuppten sie sich im Rahmen der „Blues meets Rock”-Reihe als akustische Wetterfront, die an keiner schalldichten Wand Halt machte.

Schweißschübe

Sayce & Band legten gleich los wie die Feuerwehr: „One Foot” und „Powerful” sorgten für die ersten Schweißschübe bei Musikern und Zuhörern zugleich. Laut und krachend regierte von Anfang an der Rock im Talbahnhof.

Für einige war es vielleicht eine Nummer zu heftig, denn der Blues stand - zumindest in der ersten Hälfte des Konzertes - deutlich im Hintergrund. Stattdessen dominierten harte Beats, schrille Gitarrenriffs und tiefe Basstöne das Geschehen. Dass Sayces Stimme zunächst ein wenig zu leise über die Boxen kam, verbesserte sich zum Glück mit der Zeit.

Schon nach zwei Songs färbte sich das grüne T-Shirt des dynamischen Musikers, der bereits mit Größen wie Melissa Etheridge und Chartstürmern wie Uncle Cracker auf Tour ging, dunkel. Einmal schön schwitzend, kam Philip Sayce erst so richtig in Fahrt.

Mit „Over my head” ließ er es das erste Mal etwas ruhiger angehen, spielte sich aber beim grandiosen Gitarrensolo schnell wieder in einen regelrechten Exzess. „Das macht Spaß!”, lautete der lapidare Kommentar des Walisers.

Keine Schonung

Am Tag zuvor noch in Basel auf der Bühne, zeigten die drei Musiker keine Anzeichen von Müdigkeit. Und auch Sayces verstauchte Hand, die dazu führte, dass der Gig an der Inde vor zwei Wochen kurzfristig verschoben werden musste, hinderte ihn nicht daran, wie ein Teufel über die Saiten zu jagen. Die Kühl-Packs für die lädierte Hand müssen wohl eisberggroß sein, wenn Sayce sich jeden Abend derart „schont”.

Sein Hang zu epischen Stücken bewies er ein weiteres Mal mit „Dream away”. Kernig, geradeaus und über übliche Genregrenzen hinweg zelebrierten Sayce & Co. ihre Show. Dabei durften als Zutaten gerne eine Prise Alternative und - wie in „Slip away” - sogar ein Hauch von Metall untergemischt werden.

„Take you away” kam mit punkigen Elementen daher, grandios dann der groovige Gute-Laune-Rock-Song „Bitter Monday”. Trotz „bitterem” Titels ein Höhepunkt der rund zweistündigen Konzert-Achterbahnfahrt. Bei der persönlichen Ballade „Its over now” gönnte Sayce, der hier auch seine stimmlichen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellte, allen einen kurzen Moment der Ruhe, bevor es zum Ende noch mal eine gute Portion Rock sein durfte.

Die Haare streng zurückgegelt, wanderte Sayce bei seinen gekonnten Blues-Ausflügen durchs Publikum, sank bei der Zugabe auf die Bühnenbretter und spielte den Sound so, wie er ihn mag: „Dirty and clean”.

Das erste Gastspiel von Philip Sayce in Eschweiler war ein im wahrsten Sinne des Wortes krachender Ohrenöffner, ein rockiger Farbkleckser, der das Klischee beweist: Richtiger Rock wird laut gespielt!
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