Eschweiler - Pfostenlöcher münden in PC-Animation

Pfostenlöcher münden in PC-Animation

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Nach dem Vortrag wurde noch munter gefachsimpelt und diskutiert. Hier die Referentin Dipl.-Ing. Friederike Orendi im Gespräch mit dem früheren Leiter der Liegenschaftsabteilung von Rheinbraun, Dr. Jan Breitfuß, und weiteren Besuchern.

Eschweiler. Schon geringe Verfärbungen im Boden können den Archäologen viel verraten: Hier hat vor über tausend Jahren einmal ein Vorratsspeicher gestanden, hier waren Gärten, dort eine Siedlung, später ein Dorf. Wie sich zum Beispiel die Besiedlung des Kirchspiels Lohn entwickelt hat, erforscht zurzeit Friederike Orendi, Architektin und Fachfrau für Siedlungsgeschichte am Freilichtmuseum Kommern.

Das Schwierige an dieser Forschung ist: Die Dörfer des Kirchspiels Lohn gibt es nicht mehr. Bis auf ein kleines Stück von Fronhoven verschwand das Kirchspiel im Tagebau. Abgebaggert. Weg.

Weit über 100 Zuhörer, die meisten von ihnen aus dem einstigen Kirchspiel Lohn, drängten sich im Saal des Kulturzentrums Talbahnhof, um den Vortrag von Friederike Orendi zu hören. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Man weiß wenig, viel zu wenig. So wenig, dass sich vieles nicht mehr rekonstruieren lässt. Nur noch Mutmaßungen sind möglich: Die erste Kirche von Lohn könnte so ähnlich ausgesehen haben wie eine, deren Reste anderswo ausgegraben wurden. Die ursprüngliche Burg Hausen könnte ausgesehen haben wie dieser Flügel eines Kölner Klosters... Wirklich befriedigend fanden manche Besucher das nicht, obwohl hinter dem, was die Referentin zeigte, ein enormer Forschungsaufwand steckt.

Doch was versäumt wurde vor und während der Zeit, als die Ortschaften Lohn, Erberich, Fronhoven, Pützlohn, Langendorf und das Rittergut Hausen abgebaggert wurden, lässt sich nicht nachholen. Es ist unwiederbringlich dahin. Eine der ersten Karten, die auf der Leinwand aufleuchten, ist eine Übersicht der archäologischen Grabungen und Funde. Es sind erschreckend wenige Flächen.

Die Archäologen arbeiteten in den 70er und 80er Jahren unter enormen Zeitdruck, die Braunkohlenbagger warteten nicht. Das Verhältnis zwischen den Forschern und der Bergbaufirma Rheinbraun war anfangs nicht das beste, und gegraben wurde nicht systematisch genug. Auch ist von den Funden vieles, so wurde aus dem Vortrag deutlich, noch nicht ausgewertet.

Orendi zeigt als Beispiel den Ort Pützlohn. In der Ortslage ist fast gar nicht archäologisch gegraben worden. Etwas außerhalb des Ortes wurden Pfostenlöcher entdeckt. Dort also haben in der Zeit, bevor sich der Fachwerkbau durchsetzte, zwei kleine Höfe gestanden. „Da muss noch mehr gewesen sein!” sagt die Architektin. Nur: Man wird es nie mehr erfahren. Die Vorgeschichte des Ortes lässt sich durch Siedlungsfunde nicht mehr rekonstruieren.

Immerhin - es gibt wichtige Erkenntnisse, auch solche, die bislang kaum bekannt sind. Friederike Orendi trägt sie fast beiläufig vor. Sie schildert zum Beispiel die Ergebnisse der Ausgrabungen im Bereich der Kirche St. Silvester. Die erste Kirche an diesem Standort wurde schon im 9. Jahrhundert errichtet. Sie war nur 8 mal 6,50 Meter groß und stand auf Holzpfosten. Man kann sie sich mit einem Strohdach vorstellen.

Über zwei weitere Bauphasen wuchs dann jene immer noch recht kleine romanische Kirche, die 1899 abgerissen wurde. An gleicher Stelle, jedoch ohne die ursprünglichen Fundamente zu nutzen, wurde dann der vielen Lohnern noch bekannte „Dom des Jülicher Landes” errichtet, die Pfarrkirche St. Silvester.

Wie gefährdet historische Dokumente immer sind, selbst wenn man sie für sicher hält, wurde aus einer Bemerkung der Referentin deutlich. Sie zeigte eine Ansicht des Ritterguts Hausen aus dem um 1720 entstandenen Codex Welser, einer Landesbeschreibung des Herzogstums Jülich. Nur zwei Exemplare dieses Werkes sind bekannt. Eines ist in der Bayereischen Staatsbibliothek München, das andere lag im Stadtarchiv Köln, das im vorigen Jahr eingestürzt ist.
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