Eschweiler - Pflegeplätze: „Eschweiler ist traditionell sehr beliebt“

Pflegeplätze: „Eschweiler ist traditionell sehr beliebt“

Von: Naima Wolfsperger
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Die größte Senioreneinrichtung in Eschweiler: Das Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion Aachen bietet nach eigenen Angaben etwa 240 Plätze. Foto: Irmgard Röhseler

Eschweiler. Traditionell verbringen die Menschen aus der Region ihr Alter gerne in Eschweiler. Das sagt Stadtkämmerer Stefan Kaever. Pflegeplätze sind in der Regel rar. In Eschweiler müssen sich die Menschen zumindest in den kommenden Jahren erst einmal keine Sorgen um einen Platz machen.

744 Pflegeplätze sind derzeit ausgebaut. Nur 547 Plätze werden von Bürgern aus Eschweiler auch in Anspruch genommen.

Trotzdem haben die Einrichtungen eine Auslastungen von etwa 88,9 Prozent, was den Schluss nahe lege, dass Eschweiler auch heute noch ein beliebter Ort sei, um sich zur Ruhe zu setzen, sagt Kaever. Etwa 114 Menschen aus anderen Kommunen haben demnach Eschweiler als Seniorenwohnsitz gewählt. „Menschen aus der ganzen Region kommen zu uns.“

Das deutsche Pflegegesetz sieht vor, dass bis Ende 2018 die Einrichtungen bis zu 80 Prozent vollstationäre Pflegeplätze anbieten müssen. Die Indestadt liegt beim vollstationären Ausbau bisher auf dem vorletzten Platz in der Städteregion und ist mit 63,9 Prozent noch ein gutes Stück von der 80-prozentigen Auslastung entfernt. Da muss die Stadt also noch nachziehen.

Die Kommune sieht die Entwicklung gelassen. Mit den im Bau befindlichen Seniorenheimen der Bonifatius Senioren GmbH an der Bismarckstraße und der Itertaler Senioren GmbH in Weisweiler wolle man den Sprung auf Platz zwei in der Städteregion schaffen, was den Ausbau der vollstationären Pflegeplätze angeht.

153 weitere Plätze entstehen mit dem Ausbau der beiden neuen Einrichtungen. Zeitgleich werden in den bestehenden Wohnheimen Doppelzimmer in Einzelzimmer umgebaut.

Für das Jahr 2018 rechnet die Stadt mit einem Anstieg an pflegebedürftigen Bürgern von fünf Personen auf 552. Im Jahr darauf kommen weitere acht hinzu, die Bedarfszahl steigt damit auf 560. Hinzu kommt dann weiterhin die Nachfrage aus den anderen Kommunen.

Nach der Bedarfsplanung der Städteregion gibt es, die noch im Bau befindlichen Pflegeplätze eingerechnet, einen Überhang von etwa 300 Pflegeplätzen, der nur schrittweise abgebaut werden kann und selbst im Jahr 2019 noch bestehen wird: mit 337 Plätzen.

Erst seit vergangenem Jahr gibt es die Bedarfsplanung, meldet Detlef Funken, Sprecher der Städteregion. Aus Sicht der Städteregion liegt der Kern des Eschweiler Überhangs darin, das Fördergelder für Pflegeplätze bis 2016 in der Regel genehmigt wurden. Mit der neuen Bedarfsplanung werden nur noch Pflegeplätze mit Fördergeldern gestützt, die auch der Bedarfsplanung entsprechen, sagt Funken. „Würde jetzt in Eschweiler ein neues Heim geplant, würden wir derzeit den Bedarf nicht anerkennen. Der Investor kann dann trotzdem bauen, einen Investitionskostenzuschuss kann er dann allerdings nicht erhalten.“ Die Fördergelder für die Bismarckstraße und Weisweiler waren zum Zeitpunkt der ersten gemeinsamen Bedarfsplanung bereits genehmigt.

Dass ein Seniorenheim in Zukunft leer steht, glaubt Werner Brungs, Geschäftsführer der Bonifatius Senioren GmbH, die derzeit Pflegeplätze an der Bismarckstraße in Eschweiler baut, nicht. „Die Marktanalyse von 2014 hat für uns ergeben, dass es eine angemessene Nachfrage in einem Radius von zehn bis 15 Minuten Autoweg gibt.“

Auch plane die Bonifatius Senioren GmbH langfristig. „Es ist bis 2040 mit einem etwa doppelt so hohen Bedarf an Pflegeplätzen zu rechen“, sagt Brungs. Der demografische Wandel, und auch, dass der gesellschaftliche Wandel es kaum noch möglich mache, Verwandte zu Hause zu pflegen, sei vor dem Bau berücksichtigt worden. Eschweiler steht also im Vergleich zu den anderen Kommunen der Städteregion besonders gut da: Im Jahr 2019 werden nach Rechnung der Städteregion in Aachen, Alsdorf, Baesweiler, Simmerath, Stolberg und Würselen weniger Plätze vorhanden sein als ältere Menschen, die sie benötigen. In Herzogenrath, Monschau und Roetgen wird es zwischen sechs und 64 Plätze mehr geben als nötig.

Die Eschweiler Überhangsplätze werden in die zukünftige Bedarfsplanung der Städteregion miteinbezogen. Auch, um die Nachfrage in den angrenzenden Kommunen zu stillen. Die Indestadt mit ihrem ausgeprägten Angebot nimmt dabei eine Sonderstellung in der Städteregion ein. Nur verzeichnet die durchschnittliche Jahresauslastung tatsächlich freie Plätze.

So hat beispielsweise Herzogenrath zwar 87 freie Plätze zur Verfügung, aber eben eine durchschnittliche Auslastung von 97,8 Prozent. Der Spielraum ist dabei weitaus geringer als in der Indestadt. „Eschweiler ist traditionell sehr beliebt, als Alterswohnsitz“, sagt Kaever und ergänzt: „Auch Menschen aus den Kreisen Jülich und Düren nehmen unsere Angebote in Anspruch.“

Weiterhin hat Kaever angeregt, dass auch Kurzzeitpflegeplätze in die Bedarfsplanung der Städteregion aufgenommen werden. Diese Plätze gelten oft als unwirtschaftlich, weil Personal bereitstehen muss, auch wenn die Plätze nicht ausgelastet sind. Stefan Kaever sieht in diesem Bereich Nachholbedarf.

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