Pfarrer Müllenborn: Am Ufer der Olef träumt er von der Inde

Von: Rudolf Müller
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Bücher sind seine Freunde: Über 2000 davon hat Peter Müllenborn in seinem Arbeits- und Lesezimmer um sich geschart. Der früherer Pfarrer von St. Peter und Paul lebt heute in einem idyllischen Haus gleich gegenüber der Schleidener Schlosskirche. Aus der gemütlichen Küche geht der Blick hinaus auf die Olef. Foto: Rudolf Müller
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Bücher sind seine Freunde: Über 2000 davon hat Peter Müllenborn in seinem Arbeits- und Lesezimmer um sich geschart. Der früherer Pfarrer von St. Peter und Paul lebt heute in einem idyllischen Haus gleich gegenüber der Schleidener Schlosskirche. Aus der gemütlichen Küche geht der Blick hinaus auf die Olef. Foto: Rudolf Müller
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Bücher sind seine Freunde: Über 2000 davon hat Peter Müllenborn in seinem Arbeits- und Lesezimmer um sich geschart. Der früherer Pfarrer von St. Peter und Paul lebt heute in einem idyllischen Haus gleich gegenüber der Schleidener Schlosskirche. Aus der gemütlichen Küche geht der Blick hinaus auf die Olef. Foto: Rudolf Müller
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Bücher sind seine Freunde: Über 2000 davon hat Peter Müllenborn in seinem Arbeits- und Lesezimmer um sich geschart. Der früherer Pfarrer von St. Peter und Paul lebt heute in einem idyllischen Haus gleich gegenüber der Schleidener Schlosskirche. Aus der gemütlichen Küche geht der Blick hinaus auf die Olef. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler/Schleiden. Im Tal nahe dem Pfarrhaus plätschert die Olef dahin. Das Pfarrhaus selbst – für einen einzelnen Bewohner eigentlich etwas zu groß – steht unmittelbar gegenüber der Schlosskirche. Zum Markt sind es nur ein paar Meter. Und das Hospital trägt wie sein Pendant in Eschweiler den Namen St. Antonius...

Es gibt sie, die Ähnlichkeiten zwischen dem Pfarrhaus von St. Peter und Paul in Eschweiler und dem Haus, das Peter Müllenborn heute bewohnt. Aber tatsächlich liegen Welten zwischen dem Leben des Pfarrers damals in Eschweiler und heute in Schleiden. 17 Jahre lang hat Peter Müllenborn die Geschicke der Pfarre St. Peter und Paul gelenkt. Er war der erste, der eine funktionierende Gemeinschaft von vier Gemeinden auf den Weg brachte.

Er trug die Verantwortung für das Haus St. Josef und dessen junge Bewohner. Für zwei Kindertagesstätten und ein Jugendheim. Und er war Kuratoriumsvorsitzender des St.-Antonius-Hospitals: in einer Zeit des Umbruchs, in der Millionen von Mark und Euro in die Modernisierung des Hospitals gesteckt wurden. 17 Jahre lang trug Peter Müllenborn Verantwortung für Menschen und Institutionen. Unermüdlich, als Kopf eines engagierten Teams. Als der Domkapitular 65 wurde, dachte er nicht ans Aufhören. Aber mit 70, so hatte er sich vorgenommen, sollte Schluss sein.

Das war vor sieben Jahren. Im Mai 2007 räumte er sein ihm liebgewordenes Domizil an der Dürener Straße und zog nach Schleiden. Der Vorschlag dazu war vom Bistum gekommen. Hier, in einer Gemeinschaft von Gemeinden, die sich über zig Kilometer von Gemünd bis Losheim erstreckt, sollte Peter Müllenborn als Subsidiar seelsorgerisch tätig sein.

Sollte das tun können, wofür er bei all den Verwaltungsaufgaben in Eschweiler nur schwer die Zeit fand. Heute, knapp sieben Jahre später, sitzt Peter Müllenborn in seinem idyllischen, der Gemeinde gehörenden Haus in der Schleidener Altstadt und sagt: „Zuhause bin ich hier nicht. Wenn ich ab und zu nach Eschweiler komme, dann komme ich nach Hause.“

Wie jüngst, beim Neujahrsempfang im St.-Antonius-Hospital. Dem in Eschweiler. Da freut er sich, alte Bekannte und vertraute Weggefährten zu treffen und mit ihnen plaudern zu können. So etwas fehlt ihm in Schleiden. Seine älteste Schwester, die hier wohnte, ist inzwischen verstorben. Und der Kontakt zu seinen Mitpriestern ist eher dürftig: „Der Pfarrer macht den Einsatzplan; den nehme ich zur Kenntnis.

Aber so etwas bin ich nicht gewohnt. In Eschweiler haben wir die Pläne mit allen Beteiligten abgesprochen. Das gibt es hier nicht. Damit muss ich mich abfinden. Es gibt hier zwar ein Team, was aber eigentlich kein Team ist – aber auch in dem bin ich noch nie gewesen. Ein richtiges Team kann sich hier auch gar nicht bilden, weil der Pfarrer das nicht will.“

Mit seiner Enttäuschung über das fehlende Miteinander hält Peter Müllenborn nicht hinterm Berg. „Ich bin es gewohnt, im Team zu arbeiten. Das schafft Vertrautheit. Die gibt es hier nicht. Wir sind hier keine Gemeinschaft. Die vermisse ich hier. Wenn ich mal einen Nachmittag nach Eschweiler komme und so viele Leute treffe, die ich kenne, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, dann bin ich zu Hause.“

Kontakte nach Eschweiler gibt es immer noch etliche: Viele ehemalige Mitstreiter schreiben Karten zu Ostern und Weihnachten, zum Geburts- oder Namenstag. manche rufen ihn auch ab und zu an. Und in seinem Arbeitszimmer steht ein Internet-PC mit E-Mail-Anschluss. Rundherum: tausende Bücher. Ebenso wie im Lesezimmer, in dem ein Kaminofen zwischen überbordenden Bücherregalen gemütliche Wärme ausstrahlt.

„Bücher sind wie Freunde“, sagt Peter Müllenborn. „Die sind immer da, wenn man sie braucht. Und die vergessen nichts.“ Was er derzeit liest? „Einiges über Papst Benedikt, den ich ja im Studium als Professor Ratzinger in Bonn kennengelernt habe, und einiges von Franziskus. Und gerade habe ich ,1913‘ angefangen.“

„Mit Rucksack und Bibel“

„Lesen hält fit, da fällt auch das Formulieren viel leichter“, sagt Müllenborn, der hier regelmäßige Einkehrtage mit den Schwestern von Alverno in Mechernich-Kommern vorbereitet und von „Einheitspredigten“ wenig hält. Bis zu vier Messen liest er am Wochenende – in bis zu 50 Kilometer ausein­ander liegenden Orten. Hinzu kommen zahlreiche Beerdigungen. „In Eschweiler bin ich im Jahr 15.000 Kilometer gefahren, Urlaub inklusive. Hier sind es fast 30.000“, sagt Peter Müllenborn. Angesichts dieser dienstlich erforderlichen Fahrleistung ist ihm der Weg nach Eschweiler für spontane Privatbesuche doch etwas zu weit. Eine gute Stunde braucht man für die 62 Kilometer.

Als er die Indestadt 2007 verließ, wollte er Dinge unternehmen, für die ihm bis dahin die Zeit gefehlt hatte. Eine Pilgerwanderung nach Santiago de Compostela stand ganz obenan. 890 Kilometer von Spanien aus. „Aber den Jakobsweg zu gehen ist nach Hape Kerkelings Buch ,Ich bin dann mal weg‘ zu einem Modegag geworden“, beklagt er. Compostela wich anderen Zielen: über den Assisi-Weg nach Rom. Oder über den Jesus-Weg von Nazareth via See Genezareth durchs Bergland nach Jerusalem. „Aber das geht nur dann, wenn ich jemanden finde, der mitgeht“, sagt Müllenborn, dem eine schwere Erkrankung vor Jahren einen Strich durch so manche Pläne machte.

18 Mal ist er mit Eschweiler Christen nach Kevelaer und zurück gepilgert. Und auch heute, mit 77 Jahren, ist er fitter und wirkt jünger als mancher, der die 60 noch vor sich hat. „Das ist teils naturgegeben“, entgegnet er .„Aber es liegt auch daran, wie wir selbst mit uns umgehen. Man muss körperlich und geistig beweglich bleiben und nicht jeden Abend in den Sessel fallen, um dann Bier in sich hineinzuschütten.“

Wandern ist nach wie vor Peter Müllenborns Leidenschaft. Als er ein Jahr in Schleiden war, initiierte er in einem leer stehenden Ladenlokal eine Bibelausstellung. Mit enormem Echo: Ganze 23 Schulklassen führte er durch die Schau. Aus dem Erfolg dieser Ausstellung erwuchs die Aktion „Mit Rucksack und Bibel“. Die Idee: „Die Bibel ins Leben übersetzen beim Wandern, beim Erleben der Natur, an besonders schönen und geeigneten Orten, Zeit haben für Gespräche, Singen, Lachen, aber auch für Stille.“ Mehr als zwei Dutzend solcher Wanderungen mit Rucksackverpflegung hat Peter Müllenborn bereits geführt. Mit jeweils 15 bis 30 Teilnehmern fast jeden Alters. „Nur einmal, bei Schneesturm, waren wir nur zu siebt“, berichtet er fröhlich.

Zurück an die Inde?

Peter Müllenborn lebt allein in dem Haus mit der Anschrift Vorburg 5. Wie lange noch, das ist offen. Seine Tätigkeit als Subsidiar kann er jährlich kündigen. „Ich gehe selber einkaufen, ich koche selber, ich wasche und bügle selber. Aber ewig kann ich das nicht machen und deshalb auch nicht ewig hierbleiben. Wenn ich merke, es geht nicht mehr, dann möchte ich in betreutes Wohnen mit der Möglichkeit, in die Pflege zu wechseln, umziehen. Wo? „Ich bin zwar in der Eifel geboren, aber ich bin kein Eifler mehr. Ich habe seit meiner Jugend in Städten gelebt. Und wenn ich umziehe, dann am liebsten nach Eschweiler.“

Sagt‘s, und nimmt die letzte Frage und Antwort vorweg: „Ob ich noch einmal Priester würde? Ja, ich würde den ganzen Weg noch einmal gehen! Wenn man den Priesterberuf als Berufung sieht und nicht als Nebenjob, ist das ein ganz spannender Beruf!“

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