Pfarrer Josef Wienand feiert seinen 75. Geburtstag

Von: Patrick Nowicki
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Er vollendet am Montag sein 75
Er vollendet am Montag sein 75. Lebensjahr: Josef Wienand in „seiner” Pfarrkirche St. Cäcilia. Inzwischen leitet der ehemalige Dechant die Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Nord. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Im beschaulichen Hehlrath kennt Josef Wienand jedes Haus und jeden Stein. Und jeder in dem Ort kennt ihn. Dort, in dem Dorf im Nordwesten Eschweilers wirkt er seit dem 13. Oktober 1973 als Pfarrer der Gemeinde St. Cäcilia. Am Montag steht ein großes Fest an: Josef Wienand vollendet sein 75. Lebensjahr.

Der 1937 im Eifelort Dahlem geborene Wienand weiß viel zu erzählen. Die Nachkriegszeit prägte ihn, als junger Mann schaffte er über den zweiten Bildungsweg das Abitur. Vor der Aufnahme in die Klasse 12 musste er sich in 14 Fächern prüfen lassen - und bestand. Zu dieser Zeit sprach er neben Deutsch auch Englisch, Französisch und Latein. Im Studium gesellten sich Griechisch und Hebräisch dazu. „Am besten allerdings kann ich immer noch Dahlemer Platt”, sagt er heute.

Die Studienzeit führte ihn nach Semestern in Frankfurt am Main und München schließlich nach Aachen. Neben Theologie zeigte er Vorlieben für Philosophie und Kunst. Welcher Moment in seinem Leben letztlich dazu geführt hat, katholischer Priester zu werden, weiß er nicht. Es sei wohl eher eine Verkettung verschiedener Umstände gewesen. Familiär vorbestimmt ist er allerdings nicht: „Ich bin der einzige Priester in unserer Familie, und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich das auch für längere Zeit bleiben werde”, stellt Josef Wienand schmunzelnd klar. Seine Entscheidung für das Priesteramt habe er nicht eine Sekunde bereut.

Dabei hat sich seine Arbeit ein Stück weit von dem entfernt, was sie zu Anfang seines Berufslebens ausmachte. Kaum ein Geistlicher im Bistum Aachen spürt die strukturellen Veränderungen im Alltag so sehr wie der 74-Jährige. Inzwischen leitet er die Gemeinschaft der Gemeinden in Nord, zu der 12 500 Christen zwischen St. Jöris im Westen und Hücheln im Osten gehören. Zudem bekleidet er das Amt des Pfarrers in St. Silvester Lohn, fungiert als Pfarradministrator in St. Silvester Weisweiler und hat die Aufgaben als Regionaldekan für Aachen-Land inne. Für einen Menschen, dessen Altersgenossen in der Regel den Ruhestand genießen, hat Josef Wienand ein extrem hohes Arbeitspensum zu erledigen. Dies will er jedoch nicht in den Vordergrund rücken. Nach den strukturellen Veränderungen in der Kirche gefragt, verweist er auf die Bibel: „Die zwölf Apostel haben beim letzten Abendmahl gebetet und sicher nicht über Strukturen gesprochen.”

Die Aufgaben aufzuzählen, die er in seinem Leben übernommen hat, würde ganze Zeitungen füllen. Josef Wienand blickte stets über den Tellerrand der Hehlrather Gemeinde hinaus. Viele Indestädter kennen ihn auch als Lehrer am Städtischen Gymnasium, wo er Philosophie und Katholische Religionslehre unterrichtete. Ferner war er als Fachberater des Regierungspräsidenten an der Referendarsausbildung beteiligt. Die Arbeit mit jungen Menschen rückt er stets in den Mittelpunkt.

Josef Wienand mag es nicht, wenn Diskussionen über die Kirche dazu führen, den Glauben aus den Augen zu verlieren. „Ein Schüler hat mir mal gesagt, was ein Priester leisten soll: Er muss wissen, wo die Armen und Kranken wohnen.” Dies gelte bis heute. Etwas süffisant ergänzt er: „Wir Priester sind keine Politiker, wir müssen halten, was wir sagen.”

Das Wort hat für ihn besonderes Gewicht: Josef Wienand schreibt das „Wort zum Tag”, das im Bayrischen Rundfunk gesendet wird, und das „Geistliche Wort” im WDR. Fünf Mal wurde der Rundfunk-Gottesdienst aus St. Cäcilia übertragen.

Um die zahlreichen Arbeiten zu bewältigen, helfen ihm heute die Erfahrung und das Wissen, auch einmal Aufgaben delegieren zu können. Einmal im Jahr zieht er sich in ein Kloster zurück und tankt Kraft in der Ruhe und Abgeschiedenheit des Ordens. Bald steht auch eine Reise an: nach Istanbul. Dort zieht es ihn in die Museen, denn die Liebe zur Kunst hat ihn seit seiner Studienzeit nicht losgelassen. Viele Werke hat er schon unter Augenschein genommen: im Eremitage in St. Petersburg, im Musée National d´Art Moderne Centre Georges Pompidou und im Louvre in Paris.

Viele seiner Weggefährten werden am Montag nach Hehlrath kommen, um zum 75. Geburtstag zu gratulieren. Um 18 Uhr zelebriert Weihbischof Dr. Johannes Bündgens in der Hehlrather Pfarrkirche mit weiteren Geistlichen einen Dankgottesdienst. Anschließend hofft Josef Wienand auf „viele gute Gespräche”. Mit Mitbrüdern, Gemeindemitgliedern, Weggefährten, aber auch zahlreichen ehemaligen Schülern, zu denen er freundschaftliche Kontakte hält. Im Alltag als Priester begibt er sich oft unter Menschen, in der Gemeinschaft fühlt er sich am wohlsten. Wie lange er Pfarrer bleibt? „So lange es der liebe Gott zulässt.”
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