Pavel Stránsky: Bewegende Geschichtsstunde aus erster Hand

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Erzählte den Gesamtschülern in Langerwehe über seine Erfahrungen aus der NS-Zeit: Pavel Stránsky.

Langerwehe. Dem tschechischen Juden Pavel Stránsky aus Prag ist vor mehr als 60 Jahren das schier Unglaubliche gelungen: Er überlebte das Nazi-Regime und entkam mit knapper Not der Vergasung in drei Konzentrationslagern.

Fragt man ihn, warum er in Schulen und Unis über seine Zeit im Konzentrationslager berichtet, antwortet Stránsky: „Damit die Ereignisse nicht vergessen werden.”

Und so erzählt er den Schülern der Gesamtschule Langerwehe von seiner Leidensgeschichte, von seinen ermordeten Familienmitgliedern und von den Greueln, die er in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Schwarzheide mit ansehen und erleben musste.

Im Konzentrationslager lernt er den berüchtigten KZ-Arzt Dr. Josef Mengele kennen. Für ihn muss er im sogenannten Kinderblock als Betreuer und Lehrer der jüdischen Kinder arbeiten.

Pavel Stránsky weiß, dass alle seine jüdischen Schüler in den Gaskammern umkommen werden. Er weiß, dass er sie nicht retten kann, aber er versucht, ihnen ihre letzten Lebenswochen so schön wie möglich zu machen.

So übt er mit ihnen Mut machende tschechische Lieder ein, schreibt mit ihnen kleine Gedichte auf Altpapierreste oder führt kleine Theaterstücke auf. Manchmal erscheint Dr. Mengele persönlich zu einer Aufführung, lobt die Kinder und streichelt ihnen zärtlich den Kopf. In die Gaskammern hat er sie dennoch geschickt.

Wenn man Pavel Stránsky zuhört, ist man emotional aufgewühlt; aber man ist auch verwundert, wie ruhig der 88-Jährige über die Nazi-Gräuel sprechen kann. „Ich bin nicht verbittert oder hasserfüllt”, erklärt er. Den Schülern sagt er aufmunternd: „Es ist nicht eure Schuld, was die Nazis den Juden damals angetan haben. Aber es ist eure Pflicht, dass so etwas nie wieder geschieht.” Und er fügt hinzu: „Ich komme heute wieder gerne nach Deutschland, und ich habe viele Freunde hier.”

Am Ende seines Besuchs nennt Stránsky den Schülern noch einen ganz privaten Grund, warum er diese Schreckenszeit psychisch unbeschadet überstanden hat: Die Liebe zu einer jungen Jüdin namens Werra. Noch im KZ heiratet er sie, und wie durch ein Wunder überlebt auch Werra den Holocaust, dem sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. „Die Liebe”, sagt Stránsky, „ist das Wichtigste im Leben.”
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