Pause und Alich bringen den Talbahnhof zum Toben

Von: jlm
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Pause und Alich sorgten mit ihrem neuen Programm „Früchte des Zorns“ im ausverkauften Talbahnhof für Begeisterung und weckten die Hoffnung auf baldige Wiederholung. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. „Was wird das für ein Abend!“, stieß Reiner Pause verzweifelt aus. „Peinlich.“ Dabei fing der vielversprechende Abend gerade erst an. Im ausverkaufte Talbahnhof sorgten Rainer Pause und Norbert Alich am Montagabend mit ihrem neuen Kabarett „Früchte des Zorns“ gleich von Beginn an für tosenden Applaus und schallendes Gelächter.

Alles fing mit einem Geburtstagsständchen an, denn ein runder Geburtstag steht vor der Tür: 100 Jahre Erster Weltkrieg und 70 Jahre Zweiter Weltkrieg. Dabei lese man jeden Tag in der Zeitung von Auseinandersetzungen, Kämpfen und Zerstörung. Und auch in Deutschland seien die Kriegsfolgen immer noch gegenwärtig: wenn bei der Bombenentschärfung etwas nicht klappe, übernehme selbstverständlich nicht der Absender die Kosten und auch die Trümmerfrauen kämen heutzutage nicht mehr vorbei, um beim Aufräumen zu helfen.

„Aber wir wollten doch eigentlich etwas Vernünftiges sagen, Norbert“, sagte auf einmal Rainer Pause, nachdem die Aufregung auf der Bühne und das Lachen im Saal nicht mehr aufhören wollte. „Was ich eigentlich sagen wollte,“ versuchte Pause es noch einmal „Wir sollten nur noch da kämpfen, wo wir‘s auch können: auf dem Fußballplatz.“ Es sei schließlich toll gewesen, endlich noch mal gefeiert zu werden. Sogar der Engländer habe gelobt, die Deutschen hätten so elegant gespielt.

Doch kurz darauf ging die Aufregung auch schon weiter und versprach für die Zuhörer heiter zu werden: Sie sängen immer Schlagzeilen, erklärte Pause den Zuhörenden, die sie auch immer erneuern würden. Aber die Skandale und Probleme blieben dabei immer die Gleichen. Dann würde er sich aufregen, aber seine Frau könne ja auch nichts dafür. Deshalb setze er sich jetzt immer auf den Balkon, wartet bis es dunkel ist und schmeißt alte Tomaten und alten Sellerie in eine Ecke des Gartens. „Und wenn es dann ,Platsch!‘ macht, denke ich mir: Da hat’s ihn erwischt!“, so der Kabarettist lachend.

Ein weiterer Grund für Aufregung: Vor 850 Jahren seien die berühmtesten Bürger Kölns gekommen: die Heiligen Drei Könige. Das Rheinland sei davon reich geworden, das Handwerk habe davon gelebt, sie seien das Kostbarste überhaupt gewesen. „Und dann kam Tebartz van Elst und macht alles kaputt.“ Er habe eine Reliquienwand nicht aus Gold anfertigen lassen, sondern aus Rigips. Wie die Kistchen von Ikea, wie eine Schuhausstellung habe das ausgesehen. Noch nicht mal ein Schild habe man angebracht. Demnächst passiere das wohlmöglich auch noch in Köln so, spinnt der Kabarettist weiter: „Alles Rigipswände. Dann fühlst du dich wie in der Schlachthalle und hast Angst, am Altar geopfert zu werden.“

Doch die tagtäglichen Schlagzeilen und Tebartz van Elsts Rigipswände waren nur zwei Gründe, die drohten, die „Früchte des Zorns“ zum Platzen zu bringen. Frauen, die dem Mann die Rolle des Ernährers streitig machten und in der Kneipe die Abseitsregeln erklären, die Russen auf der Krim, die in den Süden müssten, „damit sie sich nicht immer warm saufen müssen, weil sonst ja noch mehr an Alkoholvergiftungen sterben“, waren weitere. „Ja, das wollt ich nur mal sagen“, tönte Pause, während Alich sich den Schweiß von der Stirn wischte.

Wissenswert: Rainer Pause erklärte seinen Zuhörern auch, warum der Erdbeerjoghurt so lecker sei, ja förmlich im Mund explodiere „Wenn jetzt noch Erdbeeren drin wären.“ Letztens habe er einen aus richtigen Erdbeeren gemacht – aber der habe langweilig geschmeckt. Das Geheimnis: in dem gekauften Jogurt seien Sägespäne, „aber wenn du den Deckel öffnest, sind die weg! Der Hefepilz isst nämlich die Sägespäne und scheidet dann das Erdbeeraroma aus. Ich muss ja gestehen: so was kann ich ja nicht.“ Und was noch viel wichtiger sei: „Das kann auch die Erdbeere nicht!“

Diese ganzen Geschmacksverstärker würden aber auch Gehirnzellen vernichten, „aber was soll’s: wir haben doch eh zu viel. Früher habe man das Gehirn noch gebraucht, um Essen zu besorgen, heute gehe man zur nächsten Fleischtheke und kaufe Fleischsalat ohne Fleisch. Und überhaupt: „Wofür brauchen Vegetarier Gehirn, um ein Salatblatt zu jagen?“, fragte Pause.

Bei dem Thema „Fliesflusen“ und Fische trieben die beiden Kabarettisten ihre Ausführungen dann wieder weiter ins Absurde. „Ich versuche nur sinnvoll zu Ende zu bringen, was du schwachsinnig begonnen hast“, rechtfertigte Pause sich schließlich, als Alich sich erneut den Schweiß von der Stirn wischen musste. Alles in allem zahlreiche Gründe, um die beiden Kabarettisten und den gesamten Saal zu Toben zu bringen, bis es kein Halten mehr zu geben schien.

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