Paten für Flüchtlingsfamilien ebnen Weg zum guten Miteinander

Von: Sonja Essers
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Flüchtlinge im Camp Moira auf Lesbos. Auch wer es von hier in die Bundesrepublik schafft, braucht weiter Hilfe. Patenschaften können da ein wertvoller Beitrag zur Integration sein. Foto: Stock/Michael Krumphanzl
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Paten beim SkF: Wilfried und Marlies Konter. Foto: Essers

Eschweiler. Wie ein typischer Donnerstagnachmittag des Ehepaares Konter aussieht? Erst holen sie den siebenjährigen Mehmet (Name von der Redaktion geändert) von der Schule ab, dann geht´s zu seinen drei Geschwistern und den Eltern. Dort wird gespielt, geredet und nach den Hausaufgaben des Ältesten geschaut. „Das macht uns wirklich sehr viel Freude“, sagt das Ehepaar.

Marlies und Wilfried Konter sind jedoch nicht die Großeltern des kleinen Mehmets und seiner Geschwister. Sie sind noch nicht einmal mit der Familie verwandt und trotzdem eng mit ihr verbunden. Die Konters zählen zu den ersten Indestädtern, die eine Patenschaft für Flüchtlingsfamilien übernommen haben. Derzeit gibt es davon sechs Stück. Der Bedarf ist jedoch weiterhin hoch.

Zehn Patenschaften

Das weiß Petra Kogel. Sie ist beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) für die Familienpatenschaften zuständig. Mittlerweile bestehen insgesamt zehn Patenschaften zwischen Ehrenamtlern und Familien aus der Indestadt. Vor wenigen Monaten kamen die Patenschaften für Flüchtlingsfamilien (wir berichteten) hinzu.

Kogel meint: „Ehrenamtliche Familienpaten verschaffen den Eltern eine punktuelle Entlastung und werden zu wertvollen Bezugspersonen. Für Flüchtlingsfamilien kann ein solches Angebot ein wertvoller Beitrag zur Integration sein.“

In erster Linie kümmern sich die Paten um die Kinder der Familien. Das ist auch im Fall von Marlies und Wilfried Konter so. Derzeit kümmern sich die Indestädter um eine syrische Familie mit vier Kindern. Spielen und gemeinsame Ausflüge, wie der Martinszug, der kürzlich in Kindergarten und Schule stattfand, stehen nun auf ihrem Programm. „Sie freuen sich, wenn wir dabei sind und wir freuen uns auch“, meint das Ehepaar, das Anfang Oktober die Patenschaft übernahm.

Gleichzeitig ist das Ehepaar jedoch auch Ansprechpartner für die Eltern und unterstützt diese bei Behördengängen sowie beim Ausfüllen von Formularen aus Schule und Kindergarten. „Das kann nämlich manchmal ganz schön verwirrend sein“, erklärt Kogel.

Auch der Schule des Ältesten stattet Wilfried Konter regelmäßig Besuche ab. Der Grund: Der Siebenjährige kann noch nicht richtig zählen. Das soll allerdings schon bald der Geschichte angehören. Auf dem Nachhauseweg von der Schule sollen demnächst Bäume und Haustüren gezählt werden. „Man muss sich halt etwas einfallen lassen“, sagt Wilfried Konter und lacht.

Über einen Artikel in der Tageszeitung seien die beiden Rentner auf das Angebot des SkF aufmerksam geworden. Wilfried Konter war sofort Feuer und Flamme und kümmerte sich zeitnah um ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, das jeder Ehrenamtler vorlegen muss. „Als ich das gelesen habe, war mir sofort klar, dass man etwas tun muss“, sagt Konter, der auch seine Ehefrau schnell von der Idee begeisterte.

Auch Berufstätige dabei

Nach einem Vorgespräch mit Petra Kogel war schnell eine passende Familie gefunden. Nach einem gemeinsamen Gespräch zum Kennenlernen ging es dann für die beiden Ehrenamtler so richtig los. Den Donnerstagnachmittag nehmen sie sich nun für ihre Patenfamilie Zeit. Wie viele Stunden Ehrenamtler grundsätzlich investieren wollen, steht ihnen frei. Schließlich gebe es auch einige Paten, die noch berufstätig seien.

Und wie sieht es mit der Verständigung aus? Die funktioniere ganz gut, sagt das Ehepaar. Der Vater besuche zwei Mal in der Woche einen Deutsch-Kurs in der Volkshochschule, und auch die Kinder hätten keinerlei Verständigungsprobleme.

Falls man sich jedoch einmal nicht verstehe, komme das Smartphone zum Einsatz. „Der Sinn einer Patenschaft ist auch, dass es zu einer Förderung der Sprache kommt“, sagt Kogel. Regelmäßig trifft sie sich mit den Ehrenamtlern in großer Runde zum Austausch.

Die Paten kümmern sich nicht um Menschen, die in den Erstaufnahmestellen untergebracht sind, sondern um Familien, deren Asylverfahren bereits läuft oder die langfristig in der Indestadt bleiben können. Das Ehepaar Konter hat mit seinen Schützlingen bisher nur gute Erfahrungen gemacht und lernt regelmäßig Neues hinzu. Erst vor wenigen Wochen aß man gemeinsam zu Abend.

Dabei galten natürlich die Regeln der Gastgeber. „Die Hausfrau macht dort den Teller voll. Erst wenn sie entscheidet, dass man genug hat, kann man ihn abstellen. Vorher nicht“, sagt Wilfried Konter und lacht.

Petra Kogel weiß, dass es jedoch nicht immer so einfach ist. Es gebe auch Patenschaften, die eher holprig anlaufen würden. „Vieles entwickelt sich mit und mit, man muss nur wissen, wann man Stopp sagt“, erklärt Konter.

Wiedersehensfreude groß

Für das Ehepaar steht nun erst einmal ein zweiwöchiger Urlaub an. „Danach wird die Wiedersehensfreude wahrscheinlich umso größer sein“, sagt Marlies Konter. Und dann? „Bald kommt die Vorweihnachtszeit, da müssen wir natürlich wissen, wie man in Syrien Weihnachten feiern, damit wir uns auch darüber austauschen können“, sagt Wilfried Konter und fügt hinzu: „Das ist eine tolle Aufgabe. Eine Familienpatenschaft zu übernehmen, können wir nur empfehlen.“

Weitere Informationen zum Thema Patenschaften beim SkF erhalten Interessierte bei Petra Kogel unter Telefon 609180 oder per Mail an p.kogel@skf-eschweiler.de.

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