Pate macht es Flüchtlingsfamilien leichter

Von: Rudolf Müller
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Sie hoffen auf ein Überleben in Frieden und Sicherheit – möglicherweise in Deutschland. Doch ohne die Hilfe mitfühlender Menschen ist das kaum zu machen: Mädchen in einem von der UN betreuten Flüchtlingscamp für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in Domiz nahe der Stadt Duhok im Nordirak (Kurdisches Autonomiegebiet) Foto: Stock/B.Shamlo

Eschweiler. Sich in einer völlig fremden Umgebung zurechtzufinden, das ist wie Stochern im Nebel: Man läuft gegen Wände – oder stößt ins Leere. Die Landessprache noch nicht zu beherrschen, macht das Ganze umso schwieriger.

Zahlreichen Familien, die vor den Bomben der eigenen Regierungstruppen oder den Schwertern islamistischer Schlächterhorden geflohen sind, stellt sich in der neuen Heimat dieses Problem – trotz aller Hilfen durch Sozialämter, Hilfsorganisationen und andere offizielle Stellen. Sich neben der Suche nach Jobs, geeigneter Wohnung, dem Gang zu Ämtern und allem, was zur Organisation des neuen Lebens dazugehört, auch noch ausreichend um die Kinder zu kümmern, damit diese sich in der auch für sie völlig ungewohnten Situation nicht vernachlässigt und alleingelassen fühlen, macht alles nicht einfacher.

Eine Situation, die den Sozialdienst katholischer Frauen auf den Plan ruft. Das Rezept des SkF: Familienpatenschaften – speziell für Flüchtlingsfamilien. Mit Familienpatenschaften an sich hat der SkF seit rund einem Jahr bereits gute Erfahrungen gesammelt. „Wir können in diesem Bereich jederzeit weitere engagierte Ehrenamt-ler brauchen“, sagt Petra Kogel. Die Diplom-Sozialpädagogin ist beim SkF in Eschweiler für das Patenschaftsprogramm zuständig. Und ist fest überzeugt, dass die enorme Welle der Hilfsbereitschaft, die Flüchtlingen in der Indestadt entgegenschlägt, auch einige Bürger dazu bringen wird, als Paten Flüchtlinge unter ihre Fittiche zu nehmen.

Die Anforderungen sind nicht allzu stressend: „Ein- bis zweimal pro Woche sollten sie sich zwei-drei Stunden lang um die Kinder kümmern, mit ihnen spielen, kleine Ausflüge machen oder ihnen bei den Hausaufgaben helfen. Das hilft nicht nur den Kindern, sondern bietet auch den Eltern Entlastung und gibt ihnen Zeit, sich um andere Dinge zu kümmern“, erklärt Petra Kogel.

Ein- oder zweimal pro Woche (gerne auch öfter) durchatmen können, während Vertrauenspersonen die Kinder betreuen, das ist für viele Familien eine enorme Hilfe. Die idealen Paten, das sind Einzelpersonen, vielleicht auch Ehepaare, Ehrenamtler, die – so Kogel – „Zeit haben, die eine gewisse Offenheit mitbringen, sich auf andere Menschen einzulassen, die Neugier und Freude im Umgang mit Menschen besitzen, die Abweichungen vom eigenen Wertesystem tolerieren, die Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit mitbringen“.

Wer an dieser Arbeit interessiert ist, den bereitet Petra Kogel in einem Einführungsgespräch auf seine Aufgaben vor. Und der kann sich darauf verlassen, vom SkF auch laufend fortgebildet zu werden. Zum Beispiel in Fragen des Asylrechts. Auch der Austausch mit anderen Paten gehört dazu. Stichwort: interkulturelle Kompetenz. Da gilt es, die Sensibilität für andere Kulturen zu fördern und Besonderheiten unserer wie der fremden Kultur hervorzuheben, um gegenseitiges Verständnis zu schaffen. „Wichtig für das Funktionieren dieses Projekts ist es auch, die Ehrenamtler nicht alleinzulassen. Wir garantieren, dass wir sie gut begleiten werden.“ Klar, zufriedene Paten sind Multiplikatoren, die weitere Paten hervorbringen. Und die braucht der SkF dringend.

Wie viele, das lässt sich nicht schätzen. Der Sozialdienst geht jetzt daran, bei den Flüchtlingen für sein Angebot zu werben. Bei Flüchtlingen, die hier bleiben – Familien in Erstaufnahmeeinrichtungen wie der Jahnhalle, die nach wenigen Tagen oder Wochen wieder weiterreisen, bringt das Projekt nichts. Die werden von offiziellen wie ehrenamtlichen Helfern fast rund um die Uhr betreut. Und da reicht auch die Zeit nicht, Vertrauensverhältnisse aufzubauen.

Was die übrigen betrifft: Petra Kogel hofft, dass sich etliche Familien und mögliche Paten melden werden. Dann geht es darum, die richtigen zusammenzubringen. Schließlich muss die „Chemie stimmen“ – nicht jeder Pate passt in jede Familie.

Petra Kogel besucht die interessierten Familien zu Hause, führt mit ihnen ausführliche Gespräche, lernt die Erwartungen der Menschen kennen und bringt sie schließlich mit dem potenziellen Paten zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen. Schon kann sie beginnen, die Geschichte der multikulturellen Win-Win-Situation. Die Geschichte der Familie, der geholfen wird, und des Paten, der das wunderbare Gefühl genießt, von anderen Menschen wirklich gebraucht zu werden.

Der Sozialdienst katholischer Frauen denkt inzwischen sogar schon einen Schritt weiter: „Wir planen ein Patenschaftsprojekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, sagt Petra Kogel. Seit die Bundespolizei in Eschweiler beheimatet ist, ist es Aufgabe der Indestadt, sich um diese jungen Menschen zu kümmern. Sie tut das in enger Kooperation mit dem Haus St. Josef, das den jungen Flüchtlingen Obdach und Betreuung bietet. Doch diese Hilfe endet, sobald die Betroffenen ihren 18. Geburtstag feiern, sprich: volljährig werden. Dann ist die Arbeit der Vormunde getan, die jungen Leute sind auf sich gestellt. „Gerade dann ist es hilfreich, Paten zu haben, die verhindern, dass man in ein tiefes Loch fällt“, sagt Kogel.

Wer Näheres erfahren will, wendet sich an: p.kogel@skf-eschweiler.de oder Telefon 609180.

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