Eschweiler - Pastor Christof Lenzen verlässt Eschweiler

Pastor Christof Lenzen verlässt Eschweiler

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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Bei seinem Abschiedsgottesdienst durfte Jazzfan Christof Lenzen auch als Sänger zusammen mit dem Musikteam seiner bisherigen Gemeinde auftreten. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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„Die Freude ist schon vorhanden in Dir – entdecke sie!“ Mit einer Predigt über den Anfang des ersten Petrus-Briefs verabschiedete sich Pastor Christof Lenzen von der Freien evangelischen Gemeinde in Eschweiler. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. „Der Himmel ist offen auch schon in diesem Leben!“ Mit der Aufforderung, im Vertrauen auf Gott die Freude im eigenen Leben zu entdecken, verabschiedete sich am Sonntag Christof Lenzen von den Mitgliedern und Freunden der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Eschweiler, der er 13 Jahre lang als Pastor gedient hat.

Einige der Gläubigen im voll besetzten Gemeindehaus hatten Tränen in den Augen. Christof Lenzen hat den Ruf einer Gemeinde in Thüringen angenommen. Er wird Pastor der FeG in Gera. Einen Nachfolger für Lenzen in Eschweiler gibt es noch nicht. Die Gemeinde richtet sich zunächst auf eine „pastorenlose Zeit“ ein, die auch dem Leitungskreis einiges an zusätzlichem Einsatz abverlangen wird.

Hauptstadt der Konfessionslosen

Die kleine Gemeinde der frei-evangelischen Christen in Gera erhofft sich von Lenzens Engagement ein neues Wachstum. Die kreisfreie Stadt Gera, mit 95 000 Einwohnern deutlich größer als Eschweiler, gilt als Hauptstadt der Konfessionslosen – 87,4 Prozent der Bürger dort gehören keiner Kirche an.

Die Hoffnung auf einen neuen Aufschwung in Gera kommt nicht von ungefähr. In den knapp 13 Jahren, die Christof Lenzen in Eschweiler war, wuchs die Gemeinde von 70 auf jetzt 156 getaufte Mitglieder, hinzu kommen noch viele Freunde und Kinder. In der Freien evangelischen Gemeinde ist die Erwachsenentaufe als ein bewusstes Entscheiden für ein Leben mit Gott üblich.

Der 1967 geborene Lenzen, von Beruf zunächst Diplom-Informatiker, hat als Spätberufener Theologie studiert. Eschweiler war seine erste Pastorenstelle. Auf das, was er hier gemeinsam mit der Gemeinde bewegt hat, wurde in dem über zweistündigen Gottesdienst im Gemeindehaus an der Kopfstraße im Stadtteil Bergrath gern hingewiesen.

Da ist natürlich das Gemeindehaus selber. Die Gemeinde, früher in einem älteren Haus an der Kaiserstraße beheimatet, kaufte 2005 den damals leerstehenden Edeka-Markt in Bergrath und baute ihn aufwendig um. Dort gibt es Tagungs- und Besprechungsräume, Platz für Kinder-Spielgruppen, Möglichkeiten für kleine und große Feiern und einen Gemeindesaal, der 200 Personen fasst und am Sonntag noch einige mehr fassen musste.

Die Gemeinde schaffte diesen Umbau aus eigenen finanziellen Mitteln und mit viel eigener Arbeit. Dr. Martin Stubenrauch als Sprecher des Leitungskreises der Gemeinde erinnerte an diese Zeit, als man den Seelsorger der FeG als „Pastor im Blaumann“ erleben konnte. Der Spitznamen „Sankt Edeka“ für die neue Heimat der bald 110 Jahre alten Gemeinde hat die FeG Eschweiler mit einem Augenzwinkern angenommen.

Der „Miezenkreis“

Stubenrauch erinnerte auch an die religiösen Impulse, die Christof Lenzen gesetzt hat. Der Pastor, der „mit klarer Botschaft das Evangelium verkündet“, habe mit seinen stets emotionalen Reden zu oft überraschenden Erkenntnissen geleitet. Seine engagierten Predigten sind weit über Eschweiler hinaus bekannt, sowohl durch Radiopredigten im WDR als auch durch Verbreitung im Internet.

Auch als Buchautor („Glauben genießen“ und „Lass dich fallen und flieg“) hat er für das Evangelium geworben. „Ehrlichkeit, Verwundbarkeit und Gemeinschaft“ seien zu Markenzeichen geworden, schrieb Stubenrauch im Gemeindebrief zum Abschied des Pastors.

Den Einsatz von Lenzen für ein gutes ökumenisches Miteinander der christlichen Gemeinden in Eschweiler würdigte in einem Grußwort Hannokarl Weishaupt, der katholische Pfarrer von St. Antonius Bergrath.

Die Abschiedsworte einiger Gruppen der Freien evangelischen Gemeinde machten deutlich, welch reges Gemeindeleben sich entwickelt hat. Es gibt bei der FeG Eschweiler Gebetskreise und Hausgruppen, einen Malkreis, der dem Pastor zum Abschied Bilder schenkte, es gibt eine Krabbelgruppe für die Kleinsten ebenso wie einen Jugendkreis und einen Seniorenkreis, es gibt die „Emmaus-Biker“, eine Fußballgruppe und einen „Miezenkreis“ für junge Frauen.

Von einer zu Beginn dieses Jahres entstandenen Gruppe werden Asylsuchende und Flüchtlinge tatkräftig und mit vielen Spenden unterstützt. Ein Musikteam gestaltet die Gottesdienste mit, und seit zwei Monaten gibt es auch einen Gemeindechor, der für jedermann offen ist. Geleitet wird er von Daniel Engers. Am Sonntag hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt.

„In den 13 Jahren hat sich unsere Gemeinde sehr zum Positiven gewandelt“, berichtete Doris Vanderbrück, die als Liturgin den Abschiedsgottesdienst in Bergrath leitete. Es zeichne diese Eschweiler Gemeinde aus, „dass hier Emotionen erlaubt sind und gezeigt werden können. In unseren Gottesdiensten wird viel gelacht, aber auch Tränen dürfen ungeniert laufen.“ Beides, Lachen und Tränen, gab es dann auch im Abschiedsgottesdienst.

Ganz und für immer weg aus Eschweiler ist Christof Lenzen aber auch nach diesem Abschied nicht. Einmal im Jahr, das hat er zugesagt, wird er in Eschweiler predigen. Und dann beim Abendmahl sicher genau aufpassen, was er sagt.

„Brot und Kölsch“

Damit er nicht – wie es ihm einmal passiert ist und woran sich die Gemeinde am Sonntag mit Vergnügen erinnerte – von „Brot und Kölsch“ spricht, wenn eigentlich, wie im Abendmahl üblich, von „Brot und Kelch“ die Rede ist. Seitdem, so erzählte er am Sonntag, habe er die Vorstellung, dass Gott ihm einst am Himmelstor mit einem Glas Kölsch in der Hand entgegen kommen werde: „Das ist zumindest mein Gottesbild.“

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