Partylaune ohne Vollrausch: Jugendliche zu Feierstartern ausgebildet

Von: Sonja Essers
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Am vergangenen Wochenende wurden 13 Jugendliche aus Eschweiler und Herzogenrath im „Auenland“ in Mulartshütte zu sogenannten Feierstartern ausgebildet. Natürlich waren auch Nicole Hillemacher-Esser (1. Reihe, 4. v. l.; Mobile Jugendarbeit Eschweiler), Julia Bleilevens (1. Reihe, rechts; Mobile Jugendarbeit Herzogenrath) und Gabi Fischer (1. Reihe, links; Fachstelle für Suchtvorbeugung der Städteregion Aachen in Trägerschaft der Diakonie) mit von der Partie. Foto: Sonja Essers

Eschweiler/Herzogenrath/Mulartshütte. Ermahnen und mit dem erhobenen Zeigefinger auf Menschen zugehen? Das wollen die jungen Erwachsenen auf keinen Fall. Vielmehr möchte sie Altersgenossen über die Risiken von Alkohol aufklären und informieren, ohne ihnen den Spaß am Feiern zu nehmen.

Am vergangenen Wochenende wurden 13 Jugendliche aus Eschweiler und Herzogenrath im „Auenland“ in Mulartshütte zu sogenannten Feierstartern ausgebildet. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen den Jugendämtern der Städte Eschweiler und Herzogenrath und geht mit dem Ausbildungswochenende in die nächste Runde.

Zunächst Vorauswahl

Ende September fand in beiden Städten ein Casting statt, bei dem die jungen Erwachsenen Nicole Hillemacher-Esser (Mobile Jugendarbeit Eschweiler), Julia Bleilevens (Mobile Jugendarbeit Herzogenrath) und Gabi Fischer (Fachstelle für Suchtvorbeugung der Städteregion Aachen in Trägerschaft der Diakonie) erklären sollten, warum sie am Projekt teilnehmen wollen (wir berichteten). Am vergangenen Wochenende ging es dann einen Schritt weiter. Zunächst stand das Kennenlernen auf dem Programm. Die sechs Jugendlichen aus Eschweiler und sieben jungen Erwachsenen aus Herzogenrath wurden in Zweiergruppen eingeteilt und interviewten sich gegenseitig.

Auch die eigene Haltung zum Alkohol war in den Gesprächen Thema. Dass dies besonders wichtig ist, weiß Fischer. „Man muss selbst eine Haltung dazu haben, ohne die anderen belehren zu wollen“, sagt sie und fügt hinzu: „Man merkt schon, dass die Jugendlichen sehr fit sind. Sie haben eine gesunde Einschätzung und alle bereits ihre Erfahrungen mit dem Thema gemacht. Die Methoden haben sie eigentlich schon drauf, das müssen sie sich nur bewusst machen.“ Ihre geistige Fitness bewiesen die 17- bis 24-Jährigen im Alkoholquiz. Das habe viel Spaß gemacht, sind sich alle einig.

Wichtig sei vor allem, dass die Jugendlichen Methoden an die Hand bekommen, wie sie auf andere Jugendliche zugehen und das Gespräch starten. „Ein wichtiger Aspekt sind die verschiedenen Gesprächstechniken. Die Jugendlichen sollen lernen, sich in andere reinzufühlen“, so Fischer. Auch das Jugendschutzgesetzt sowie Grundlagen zu den Themen Sucht und Suchtentstehung standen auf dem Programm.

Immer wieder sollten die Jugendlichen jedoch auch eigene Ideen einbringen. Dazu zählt die Außendarstellung und die interne und externe Kommunikation. Auch die Entwicklung eines eigenen Logos ist die Aufgabe der jungen Erwachsenen. „Das ist ihr Projekt. Aber von uns ist natürlich immer jemand mit dabei“, sagt Hillemacher-Esser. So auch bei den Einsätzen, die im kommenden Jahr starten sollen. Termine stehen noch nicht fest. „Wir haben diesbezüglich ja keinen Stress. Wichtig ist, dass die Jugendlichen sich sicher fühlen“, meint Hillemacher-Esser. Erst dann könne es richtig losgehen.

Eine Wunschliste

Bereits bei der Vorauswahl wurde deutlich, dass die jungen Erwachsenen gerne an einem Selbstverteidigungskurs teilnehmen würden. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs stand weit oben auf der Wunschliste. Dieser fand bereits am vergangenen Wochenende statt. Im Fokus stand, wie die Jugendlichen in Notsituationen helfen können, während sie auf den Krankenwagen warten.

Warum die Jugendlichen am Projekt teilnehmen? „Weil es ein Thema ist, das im Alltag häufig vorkommt und es meiner Meinung nach auch etwas mit Zivilcourage zu tun hat“, sagt Rahel aus Eschweiler. Dieser Meinung ist auch Enver. Der Indestädter weiß: „Oft ist es so, dass die Jugendlichen ausgenutzt oder ausgeraubt werden, wenn sie zu viel getrunken haben. Wir können darüber informieren, und vielleicht werden sie dann gar nicht erst so betrunken.“

Auch für ihn spielt Zivilcourage eine wichtige Rolle. Das habe auch der Fall der jungen Türkin Tugce gezeigt. „Wenn wir das machen, haben wir in gewisser Weise ja auch eine Vorbildfunktion“, meint Sokol aus Eschweiler. Auch über ihren ersten Einsatz machen sie sich Gedanken. „Ich denke oft darüber nach. An Karneval möchte ich in Eschweiler nämlich nicht so gerne unterwegs sein, weil ich dann viele meiner Freunde treffe und ich glaube, dass sie sich dann darüber lustig machen“, sagt Rahel. Trotz Bedenken sind die Jugendlichen sehr motiviert.

Aus Eschweiler nehmen Maike Münstermann, Fabian Pütz, Sokol Belegu, Enver Demirak, Rahel Atta und Alice Schultheis teil. Lisa Dziwisch, Alina Stahl, Marie Wedeniwski, Nico Tournay, Nina Holzer und Oliver Goebel sind aus Herzogenrath dabei. Jessica Wojcik kommt aus Aachen.

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