Parssa Shahdoust geht als erster aus der Familie zur Erstkommunion

Von: Sonja Essers
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Am Sonntag ist es soweit: Parssa Shahdoust empfängt in Dürwiß die erste Heilige Kommunion. Darauf freut sich der Zehnjährige sehr. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Dürwiß. Gemeinsam mit 117 anderen Kindern empfängt Parssa Shahdoust am Sonntag zum ersten Mal den Leib Christi. Auf seine Heilige Kommunion freut sich der Zehnjährige ganz besonders. Schließlich ist er der Erste aus seiner Familie, der dieses Sakrament empfängt.

Parssas Eltern stammen aus Persien und glauben an die Lehre Zarathustras (siehe Box). Im vergangenen Jahr fasste der kleine Indestädter jedoch einen ungewöhnlichen Entschluss: Er beschloss sich taufen zu lassen.

Lieblingsfach Religion

Wenn Parssa an diesen Moment zurückdenkt, beginnen seine großen braunen Augen zu leuchten. Seit seiner Einschulung interessiert sich der Viertklässler für das Christentum. Das Fach Religion wurde schnell zu seinem absoluten Lieblingsfach. „Ich habe bisher in allen Tests eine Eins plus geschrieben“, sagt er stolz.

Mama Shahla Neysari unterstützt ihren Sohn bei dessen Entscheidung. Bei der Taufe, die im Januar stattfand, sei eine Art Last von ihm gefallen, sagt sie. Er habe schon mit sich gehadert und die Frage, ob er sich taufen lassen darf, kam immer wieder auf, beschreibt Shahla Neysari die vergangenen Jahre im Hause Shahdoust.

Für seine Eltern war der Wunsch des kleinen Parssa kein Problem. „Wir sind in dieser Beziehung sehr offen, und haben immer gesagt, dass wir die Wahl der Religion unseren Kinder selbst überlassen möchten. Trotzdem sollte so etwas natürlich gut überlegt sein, denn es ist eine wichtige Entscheidung.“

Doch für Parssas stand sein Entschluss schnell fest. So musste er nur noch Pfarrer Ralph Osnowski davon überzeugen. Im November erklärte der Kleine dem Geistlichen, warum er Katholik werden möchte. „Ich habe ihm gesagt, dass ich das aus Überzeugung mache“, erinnert sich der Zehnjährige.

Eltern müssen einverstanden sein

Auch Pfarrer Ralph Osnowski erinnert sich an diesen Moment noch gut. Ungewöhnlich sei es keineswegs. Immer mal wieder gebe es Kinder, die sich vor der Erstkommunion taufen lassen möchten. Wichtig sei jedoch, dass nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern mit der Entscheidung einverstanden seinen, macht der Pfarrer deutlich.

Dann war es endlich soweit. Der Tag seiner Taufe stand bevor. Nach der Messe in der Pfarrkirche St. Bonifatius in Dürwiß blieben Familie, Taufpaten, Bekannte und Freunde des Jungen in der Kirche und sahen zu, wie Parssa das Sakrament empfing. „Ich war ganz schön nervös“, sagt der Schüler, wenn er an diesen Moment zurückdenkt.

Wie die Zeremonie ablief, erklärt Parssa so: „Ich hatte ein weißes Gewand an und Pfarrer Osnowski hat mit zuerst etwas Wasser über den Kopf geschüttet. Dann habe ich mit Krisam-Öl ein Kreuz auf die Stirn bekommen. Das Glaubensbekenntnis haben wir auch gesprochen.“

Auch auf einen Taufnamen wollte Parssa nicht verzichten. Der Taufname des Kleinen lautet Martinus. Ganz nach seinem Vorbild St. Martin. Warum er gerade ihn gewählt hat? Ganz einfach: „Wegen seiner guten Taten.“ Bei seinen Klassenkameraden hat ihm sein Taufname bereits einen neuen Spitznamen eingebracht. „Sie nennen mich jetzt immer Parssinus“, erzählt er und beginnt zu lachen.

Und welche Feste werden nun im Hause Shahdoust gefeiert? „Wir feiern alles mit“, sagt Mama Shahla Neysari und beginnt zu lachen. Natürlich stehen Ostern, St. Martin und Weihnachten ganz oben auf der Liste. Doch auch das persische Neujahr, das jedes Jahr am Frühlingsanfang stattfindet, wird gefeiert.

Doch zurück zu den Kommunionsvorbereitungen. Empfangen am Sonntag 118 Kinder in der Indestadt das Sakrament, so feiern in der kommenden Woche 56 Schüler ihre erste heilige Kommunion. Vorbereitet darauf wurden sie in Gruppenunterricht. Das war auch bei Parssa der Fall. In einer Gruppe mit vier weiteren Kindern, bereitete sich der Zehnjährige in den vergangenen

Monaten auf das bevorstehende Fest vor. Im Kommunionsunterricht sprachen die Kinder unter anderem darüber, was man unter der Heiligen Kommunion versteht und bastelten auch ihre Kommunionskerzen.

Das Basteln war dem Viertklässler allerdings nicht so wichtig. Vielmehr interessierte sich Parssa für die Geschichten aus der Bibel. Sein Favorit? Das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Warum? „Der Vater hat seinen Sohn positiv aufgenommen, obwohl er sein ganzes Geld verballert hat. Er hätte ja auch sagen können: „Warum soll ich dir helfen?“ Das hat er aber nicht gemacht“, erklärt Parssa.

Auch in seiner Freizeit lies der Schüler sehr gerne und hat einen, wie er findet, passenden Vergleich gefunden. „Die Geschichten aus der Bibel sind so ein bisschen wie Fantasiegeschichten und die lese ich sehr gerne“, sagt er.

Was Parssa am Kommunionsunterricht besonders gefallen hat? „Ich habe gelernt, wie wichtig Wasser und Brot sind. Ich glaube, da denken heute viele Leute gar nicht mehr drüber nach. Das fand‘ ich interessant.“ Auch ihre Sünden sollten die Kinder aufschreiben. „Ich fand´ es gut, dass wir darüber gesprochen haben, was wir alles besser machen können“, sagt Parssa.

Eis als Belohnung

In den Ferien traf sich die Gruppe auch zur Vorbereitung in der Kirche. Anlässlich des Palmsonntags wurden Palmstöcke gebastelt. „Und zur Belohnung gab es für uns ein Eis“, erinnert sich der Kleine.

Und wie stellt Parssa sich Gott eigentlich vor? Auch diese Aufgabe mussten die Kinder in der Vorbereitung beantworten. Der Zehnjährige hat diesbezüglich eine ganz besondere Auffassung. „Ich glaube, dass Gott eine Frau ist“, sagt er und antwortet auf die Frage nach dem Warum: „Das sagt mir einfach mein Gefühl.“

Vor seinem großen Tag ist der Schüler nicht nervös. Vielmehr freut er sich, gemeinsam mit seiner Familie und seinen Verwandten zu feiern. „Wir freuen uns mit ihm und hoffen, dass er weiterhin seinen eigenen Weg gehen wird“, sagt seine stolze Mama.

Parssa wünscht sich für seinen großen Tag schönes Wetter. Schließlich will er mit seinen Freunden Fußball spielen, denn auch das ist eine große Leidenschaft des Zehnjährigen.

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