Eschweiler - Parks: Von erholsamen Stadtoasen keine Spur

Parks: Von erholsamen Stadtoasen keine Spur

Von: Sonja Essers und Nina Lessenich
Letzte Aktualisierung:
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Andernorts bereits eine Selbstverständlichkeit, in Eschweiler noch Mangelware: Hundetoiletten in öffentlichen Parkanlagen. Foto: Lessenich (3), Essers (1), Stock/Tillmann Pressephotos
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Mit Graffitis beschmiert: Die Wände der Mauer rund um den Stadtpark kommen alles andere als ansehnlich daher. Auch das Klettergerüst auf dem Spielplatz wurde bereits von Unbekannten mit Farbe besprüht.
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Wer im Stadtpark einen Blick hinter die Büsche wirft, dem zeigen sich Anblicke wie dieser: Der Park wird offensichtlich nicht nur von Hunden, sondern auch von Menschen als öffentliche Toilette missbraucht.
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Nicht nur Hundehaufen, auch Müll findet man in den öffentlichen Parks - trotz zahlreicher Mülleimer. So fanden sich beispielsweise am Spielplatz im Park des Senioren- und Betreuungszentrums Kondome.
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Kaputtes Spielzeug, zerbrochene Flaschen, Zigarettenstummel: Der Sand am Spielplatz im Stadtpark lädt nicht unbedingt zum Spielen ein. Kinder hier unbeaufsichtigt spielen zu lassen, kann gefährlich werden.

Eschweiler. Wer im Stadtpark einmal genauer hinsieht, der erkennt schnell: Hier gilt das Motto „Außen hui und innen pfui“. Denn hinter Bänken und Büschen zeigt sich der Park von einer ganz anderen Seite: Zahlreiche Graffitis verschandeln Mauern und Klettergerüste, dutzende ausgedrückte Zigaretten, Flaschendeckel und Glasscherben liegen im Sand des Spielplatzes.

Hinter den Büschen findet sich von leeren Flaschen über halbvolle Pizzakartons bis hin zu Kondomen und leeren Feuerzeugen aller möglicher Müll. Einige Parkbesucher haben das Gebüsch hinter dem Ehrenmal sogar als öffentliche Toilette genutzt.

Dabei scheint das Thema Ordnung im Stadtpark auf den ersten Blick großgeschrieben zu werden: Am Parkeingang neben Peek und Cloppenburg steht ein voller Spender mit Hundekotbeuteln, der Wegesrand im gesamten Park ist mit zahlreichen, orangenen Mülleimern versehen. Möglichkeiten, um seinen Müll zu entsorgen, gibt es hier also zur Genüge. Nichtsdestotrotz scheinen diese nicht auszureichen, um im Park tatsächlich für Ordnung zu sorgen. Von Erholungsgebiet oder grüner Stadtoase zum Entspannen kann im Stadtpark keine Rede sein.

Von Entspannung keine Spur

Entspannen sollen sich auch die Bewohner des Senioren- und Betreuungszentrums (SBZ) an der Johanna-Neuman-Straße. Doch auch im dortigen Park ist keine Erholung in Sicht. Zwar lädt der Mehr-Generationen-Spielplatz, der eine Minigolfbahn, verschiedene Spielgeräte sowie ein Rückenmassagegerät und einen Beintrainer umfasst, nicht nur die Bewohner, sondern auch Familien zum Verweilen ein, doch davon sind in letzter Zeit immer weniger zu sehen, wie Heimleiter Bernhard Müller berichtet. Stattdessen treffe man dort regelmäßig Jugendliche an, die das liebevoll gestaltete Gelände verwüsten.

Zwischen 15 und 16 Uhr würden sich die jungen Erwachsenen mit ihren Fahrrädern und Kettcars auf dem Gelände treffen und sich dort austoben. So wurde laut Müller nicht nur die Minigolfbahn in Mitleidenschaft gezogen: Ein herausgerissenes Ziergitter sei der bisher größte Vandalismus gewesen.

Mehrfach machten die Verantwortlichen des SBZ die jungen Leute auf ihr Fehlverhalten aufmerksam, einsichtig waren diese jedoch nicht. Mit der Zeit suchten immer weniger Familien den Park auf und auch die Bewohner litten zunehmend unter der Situation. „Unsere Bewohner hatten Angst, diesen Weg am Spielplatz vorbei zu gehen“, sagt Müller. Er zog daraus seine Konsequenzen und stellte einen Wachmann ein, der natürlich, wie auch die Reparaturen, zusätzlich Geld kostet. Der Wachmann sorgt jedoch nur ab und zu dafür, dass am Nachmittag auf dem Gelände Ruhe einkehrt und spricht die Jugendlichen gezielt auf ihr Verhalten an. „Seitdem der Wachmann da ist, fühlen sich auch unsere Bewohner wieder sicherer“, sagt Müller.

Gegen ein anderes Problem ist der Heimleiter allerdings weiterhin machtlos. „Leider ist unser Park immer wieder Opfer des Mülls einiger Jugendlicher“, sagt er. Regelmäßig finde man die Hinterlassenschaften von Jugendlichen, die sich im Park austoben.

Ein Blick hinter die Bänke und Büsche bestätigt dies. Plastik- und Papiermüll sind dort keine Seltenheit. Sogar ungenutzte Kondome findet man am Spielplatz im Park des SBZ. Auf der anderen Seite des Hauses sei es allerdings noch schlimmer, meint Müller. „An der Boule-Bahn hinter dem Haus finden wir jeden Morgen relativ viel Müll“, berichtet er. Dort veranstalten die jungen Erwachsenen regelmäßig Treffen – ihren Müll lassen sie danach einfach herumliegen und auch die Bänke aus dem Park werden dafür regelmäßig umgestellt. Dem Heimleiter sind dagegen jedoch die Hände gebunden. Da der Eingang zum Park gleichzeitig ein Rettungsweg ist, müssen die Tore durchgängig geöffnet bleiben. So kann den Jugendlichen der Zugang nicht verwehrt werden.

Ein gesellschaftliches Problem

Dass die zunehmende Vermüllung von öffentlichen Anlagen und Vandalismus große Probleme sind, weiß auch Heinz Rehahn von der Stadt Eschweiler. „Von der Vermüllung oder von Vandalismus sind aber nicht nur unsere Parks betroffen, sondern das gesamte Stadtgebiet“, sagt er. Der Stadtwald habe beispielsweise auch stark darunter zu leiden. Regelmäßig würden „irgendwelche Hirnlosen“ dort Bänke zerstören und ihren Müll zurücklassen.

Als Verantwortliche sieht Heinz Rehahn jedoch nicht nur die Jugendlichen, sondern die Einstellung der Gesellschaft. „Besonders in Bezug auf die Vermüllung ist das ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem und liegt an der generellen Einstellung der Menschen zur Umwelt“, meint Rehahn. Dem mit entsprechenden Lösungsansätzen beizukommen, sei nicht einfach. Was die Erziehung jahrelang nicht hätte leisten können, könne man mit Ordnungsmaßnahmen eben nicht mal schnell geradebiegen. In gewisser Hinsicht seien der Stadt deshalb die Hände gebunden – man könne ja nicht das gesamte Stadtgebiet mit Wachpersonal besetzen.

Den richtigen Rahmen schaffen

Das Wichtigste sei daher, an öffentlichen Anlagen die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen – etwa mit ausreichend Mülleimern. Auch würde man in jüngster Zeit mit neuen Aktionen verstärkt gegen Hundekot auf den Gehwegen in Parkanlagen angehen. „Wir starten jetzt in Weisweiler mit einer neuen Aktion. Dort werden zahlreiche neue Hundekotbeutel-Spender sowie Schilder installiert, welche die Hundebesitzer zur Ordnung aufrufen“, berichtet Rehahn.

Letztlich könne man aber nur an den Verstand der Menschen appellieren. „Wir können im Endeffekt nicht mehr machen, als die Menschen dazu aufzufordern, ihren Müll immer mitzunehmen und sich rücksichtsvoll zu verhalten, wenn sie Parkanlagen besuchen“, sagt Rehahn.

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