Parforceritt durch die Welt des Aberwitzes

Von: vr
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„Was für ein Publikum!, Ingo Oschmann war sichtlich stolz auf sein Eschweiler Publikum, das sich die 1. Comedy-Night am Blausteinsee auch vom Dauerregen nicht vermiesen ließ. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. „Wacken unplugged” am Blausteinsee, Lebens- und Liebestipps von MacGuyver und ein afrodeutscher Klomann mit Stand by-Gute Laune, dem selbst heftigste Regenschauern „nicht die Pigmente weg waschen”, das war Entertainment pur bei der 1. Comedy-Night auf Eschweilers Seebühne.

Marc Lersch und das Team der Agentur „attacke kommunikation” hatten mit Moses W., Ingo Oschmann und Dave Davis alias „Motombo Hmbokko” gleich drei Volltreffer an den Blausteinsee geholt, die ihrerseits das wetterfeste und bestens gelaunte Indestadt-Publikum nicht nur lobten, sondern den Auftritt an diesem kühlen und zum Teil stürmisch-regnerischen Abend zu einem jener emporhoben, den sie wohl so schnell nicht vergessen würden.

Bereits bei den Vorbereitungen zur 1. Comedy-Show des Hauses Lersch am Blausteinsee spürte Veranstalter Marc Lersch, dass dieser Abend nicht wie geplant, aber dennoch gut werden würde, denn ohne Zögern packten die drei Comedians mit an und schleppten Bühne, Technik und Stühle bei einsetzendem Regen kurzerhand auf die Seebühne, auf der wenige Zeit später die Scheinwerfer aufleuchten und Stand up-Comedy vom Feinsten für Lacher sorgen sollte.

Genervt von unzähligen Single-Angeboten, von Party bis Internetforen, definierte Moses W. aus Essen, was einen wirklich kernigen Mann ausmache: die Nassrasur, egal ob mit einer, zwei oder gar „Quadro”-Klinge für Allradbetrieb, Hauptsache, der „Gleitstreifen” im Gesicht ist zu sehen.

Wie dem Single-Dasein schnell ein Ende bereitet werde, demonstrierte der leidenschaftliche Heavy-Metal-Fan mit seinem speziell angeeigneten und fast perfektionierten „Knödelgesang” und lud sein kleines, aber sehr engagiertes Eschweiler Publikum kurzerhand zum Wochenendseminar in eben jener Disziplin ein: „Dann knödeln wir hier am Blausteinsee in den umliegenden Wäldern die Eulen aus den Bäumen!”.

Und spätestens seit der Heavy Metal unplugged-Neuauflage des Wacken-Festivals mitten im Naherholungsgebiet der Indestadt mit stilechtem Grölen, Headbangen und Fußstampfen dürfte die Standfestigkeit der Seebühne bewiesen sein.

Standfest musste auch das Publikum bei Ingo Oschmann sein, wenn der Bielefelder wieder einmal einen seiner Zuschauer aufs Korn nahm und nicht nur nach den Kochgewohnheiten ausfragte: „Wie? Du kochst alles? Suchst du dann in der Küche auf dem Fußboden „rum, was du so findest - und hinein in den Topf, ich koche ja alles!”.

Da erinnert sich der ehemalige „Star Search”-Sieger lieber an die 80er und sein Idol „MacGuyver”, „der aus einem Bleistift noch ein U-Boot bauen konnte”. Über die Vorbilder heutiger Generationen hingegen kann Oschmann nur noch den Kopf schütteln: „Paris Hilton, diese Intelligenzallergikerin”.

Schütteln vor Lachen gegen das Schütten aus Eimern aus dem dauer-grauen Himmel über dem See war wohl das beste Rezept an diesem Abend, und Ingo Oschmann erwies sich als idealer Therapeut gegen schlechte Laune, auch wenn er ein wenig irritiert feststellen musste: „Warum regnet es eigentlich immer nur, wenn ich auf die Bühne gehe?”. Jedenfalls dankte der Comedian seinem Eschweiler Publikum nicht zuletzt mit seinem enthusiastischem Jazz-Ausdruckstanz im hautengen Aerobic-Outfit.

Schwer, sich in diese Reihe fabelhafter Comedy-Auftritte einzufinden, und fast unmöglich, diese noch zu toppen. Dem Shootingstar der deutschen Comedy-Szene und Doppelpreisträger des renommierten „Prix Pantheon 2009” Dave Davis gelang es trotzdem, als er in seiner Rolle des pfiffigen und ständig gut gelaunten Klomanns Motombo Hmbokko im weißen Kittel mit modischer Putzhaube und Besen die Bühne betrat. In seiner Heimat Nwuddu gelte das Telefon-Wahlrecht, so der Afrodeutsche: „Wenn du dich hast verwählt, du wirst aufgehangen.”

So kam er also in das Land von „Angelina” Merkel und versucht seitdem, „Hass IV” zu entfliehen. Zunächst als Journalist in Bayern, dem Land der „Zeugen Seehofers”, wo er allerdings kein Wort dieser merkwürdigen Sprache verstand, dann als Betreiber des Kölner Fußpflege-Salons „Bläck Fööss”. Schließlich landete Motombo in den Sanitär-Einrichtungen einer Fastfood-Kette und gibt dort die Lebensweisheiten seines stummen Opas kund, der immer sagte: „Wenn du sitzt in Lehmhütte, darfst du nicht gegen Wand pinkeln!”.

Von „Beton-Mischa” und dessen Hund „Hilti”, seiner Kollegin „Böttina” und der Bedeutung des „Speed Datings” in seiner Heimat, das die Geschwindigkeit, mit ein Mann im Dorf sich eine Frau fängt, definiert, handeln der „Spaß um die Ecke” des cleveren Klomanns, der einen ebenso amüsant-ironischen wie scharfsinnigen Blick auf die Deutschen und ihre Gewohnheiten wirft. Nicht einmal die Bankenkrise kann Motombo Hmbokko die gute Laune dabei verderben, nur vor einer Toilettenkrise habe er Sch..., äh, Angst: „Erst Bankenkrise, jetzt Toilettenkrise? Deutschland fragt: Ist mein Stuhl noch sicher?”.

Gemeinsam mit Melanie Dülsner und Andreas Miksch von der Agentur „attacke kommunikation” ist es Marc Lersch gelungen, mit Moses W, Ingo Oschmann und Dave Davis drei der derzeit besten deutschen Comedians zur 1. Comedy-Night am Blausteinsee zu holen.

Für die geplante Folgeveranstaltung kann sich das Eschweiler Publikum nur wünschen, dass diese Qualität beibehalten werden kann, denn dann ist selbst Regenwetter kein Grund nicht herzhaft zu lachen und sich bestens unterhalten zu fühlen.
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