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„Pädagogische Gemeinschaft“: Dr. Wolfgang Hagemann zu Gast

Von: ran
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Beleuchtete den Dreiklang von Eltern, Lehrern und Schülern auf dem Weg zum Idealfall, der Pädagogischen Gemeinschaft: Dr. Wolfgang Hagemann, Ärztlicher Leiter der Röher Parkklinik, betonte während seines Vortrags in der Bischöflichen Liebfrauenschule die Bedeutung „echter und respektvoller Begegnungen“, durch die Schule zu einem „sicheren Ort“ für alle Beteiligten werden könne.

Eschweiler. „Pädagogik ist Beziehungsarbeit. Ein Unterricht ohne Pädagogik ist zum Scheitern verurteilt!“ Doch gehört zur Pädagogik auch Autorität? Ist diese wichtig? Und wie kann ein Lehrer Autorität erlangen, ohne Schüler zu verunsichern, zu verängstigen oder sogar zu demütigen?

Wie gelingt es, positive Wechselwirkungen zwischen allen Beteiligten einer Schulfamilie zu aktivieren? Fragen, denen sich Dr. Wolfgang Hagemann, Ärztlicher Leiter der Röher Parkklinik, am Dienstagabend in der Bischöflichen Liebfrauenschule während seines Vortrags, der die Überschrift „Gemeinsam stark – Pädagogische Gemeinschaft stärkt die Wirksamkeit und Selbstwirksamkeit von Eltern, Lehrern und Schülern“ trug, widmete.

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, zitierte der Arzt für Psychatrie und Psychotherapie zu Beginn seiner Ausführungen den Philosophen Martin Buber. In „positiven Begegnungsräumen“ sei es gut möglich, einen sicheren Ort zu kreieren. „Von entscheidender Bedeutung ist es, die Kinder und Jugendlichen ernstzunehmen. Wird ein Schüler von seinem Lehrer persönlich angesprochen, wird ihm damit signalisiert, dem Lehrer etwas wert zu sein“, so Dr. Wolfgang Hagemann.

In einer Schule, die einen „sicheren Ort“ darstelle, solle es möglich sein, Konflikte zu erkennen. Denn klar müsse sein: „Wo Menschen zusammenkommen, gibt es zwangsläufig Konflikte. Ohne diese geht es nicht!“, unterstrich der Mediziner. Verbindliche Spielregeln für alle Beteiligten des Schulalltags seien natürlich hilfreich. Nicht zuletzt, weil der Lehrer bei der erstmaligen Begegnung mit dem Schüler heutzutage nicht mehr automatisch Autorität genieße. „Diese muss erworben werden. Gelingt dem Lehrer dies, hat er gewonnen.“ Erworbene Autorität, die auf gegenseitigem Respekt beruhe, sei wünschenswert.

„Der Lehrer als Kumpel, den die 68er-Generation der Lehrer als Opposition zu ihren Vorgängern hervorbrachte, wird dem notwendigen Respekt den Schülern gegenüber nicht gerecht“, erläuterte Dr. Wolfgang Hagemann seinen Zuhörern. Zeige der Lehrer Bereitschaft, Verantwortung für den Schüler zu übernehmen, habe er auch das Recht, Fehlverhalten anzusprechen und deutlich aufzuzeigen, „dass es so nicht läuft“. Demütigungen seitens des Lehrers in Richtung Schüler hätten dagegen häufig fatale Folgen und wirkten teilweise jahrzehntelang nach.

Der erfolgreiche Weg zu einer „Pädagogischen Gemeinschaft“ könne nur eingeschlagen werden, wenn Lehrer, Schüler und Eltern Teil des Ganzen seien. Deshalb sollten Eltern in die Schulaktivitäten aktiv einbezogen werden. „Ein offener Dialog, bei dem der Lehrer so oft als möglich ein offenes Ohr auch für das Umfeld der Schüler und der Eltern hat, bietet Chancen für eine Gemeinschaft. Dabei muss er natürlich nicht immer sofort aktiv werden. Ein guter Schritt ist auch, einen anderen Lehrer, der vielleicht einen besseren Zugang zu einem bestimmten Schüler hat, mit ins Boot zu holen“, erklärte der Psychiater. Es gelte, Konflikten offensiv lösungsorientiert zu begegnen. „Ganz entscheidend ist selbstverständlich die Gewaltlosigkeit, auch mir selbst gegenüber. Was wiederum nicht heißt, dass es verbal nicht auch mal laut werden darf, so lange keine Beschimpfungen stattfinden.“

Stichwort „Mobbing“: Es dürfe nicht im mindesten in Zweifel gezogen werden, dass der Mobber der Täter und der Gemobbte das Opfer sei. Der Täter bedürfe der Zurechtweisung, das Opfer habe Bedarf und das Recht auf Schutz. „Das Selbstwertgefühl des Opfers muss gestärkt und der Täter befragt werden, wie er sein Verhalten korrigieren kann. Das Opfer sollte unbedingt in die Lösung des Konflikts einbezogen werden“, so der Referent. Immer im Hinterkopf müsse der Gedanke sein, dass Kinder nach Orientierung suchten und sich oft ohne Kompass auf hoher See befänden. „Deshalb lautet eine der Hauptaufgaben für den Lehrer, die Mutter, den Vater, Bezugspunkt zu sein.“

Während der anschließenden Diskussion wurde auch die Frage gestellt, was von Lehrern überhaupt erwartet werden könne. „Ist es die Aufgabe des Lehrers, Konflikte zu lösen?“, so eine Zuhörerin. Eine Frage, die Carsten Gier, Leiter der Bischöflichen Liebfrauenschule, eindeutig beantwortete: „Es gehört zu den Aufgaben eines Lehrers, Konflikte zu lösen. Jedoch muss jeder Lehrer auch die Grenzen seiner Möglichkeiten erkennen!“ Dr. Wolfgang Hagemann kritisierte kurz darauf scharf die gesellschaftliche Entwertung von Schule, die auch in anderen Berufen, in denen Menschen anderen Menschen unmittelbar begegneten, sei es in der Pflege oder in Kindertagesstätten, unübersehbar sei. „Geht die Entwicklung so weiter, fliegt uns eines Tages alles um die Ohren“, wählte er drastische Worte. Deshalb müsse die Aufforderung an die Entscheidungsträger lauten: „Wir benötigen mehr Personal in Kindergärten, mehr Lehrerinnen und Lehrer und nicht zuletzt mehr Fortbildung!“

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