Stolberg - Ostern in der Flüchtlingsunterkunft Donnerberg-Kaserne

Ostern in der Flüchtlingsunterkunft Donnerberg-Kaserne

Von: Annika Kasties und Carsten Rose
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Osterdeko steht auch im Kinderraum der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der Donnerberg-Kaserne. Was das genau ist, wissen die Kinder aus Syrien oder Afghanistan nicht. Foto: Carsten Rose/Annika Kasties
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Stolberg. Platz für eine große Ostereiersuche gibt es auf dem Gelände der Donnerberg-Kaserne genug. Eier und Schokohasen auch. Was fehlt, ist das Verständnis für das Osterfest. Die Flüchtlingskinder aus Syrien, Afghanistan oder Iran, die in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Donnerberg wohnen, erleben es zum ersten Mal.

 „Deswegen gibt es auch keine Ostereiersuche“, sagt Celina Ayyad vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), „das könnte vielleicht im Chaos enden.“ Geschenke in Form von Büchern und Puzzeln gibt es trotzdem, ergänzt Ayyads Kollegin Mbarka Nabigh. Die waren vor Ostern aber noch – gut versteckt.

Rund 25 Kinder betreuen Celina Ayyad, Mbarak Nabigh und Marina Löfgen in der Unterkunft auf dem ehemaligen Appellplatz der Donnerberg-Kaserne, die Anfang Januar eröffnet wurde. Leiter der Unterkunft sind Arem Celik und Oliver Renn vom DRK. Sie versuchen, den Schutzsuchenden das Einleben in ihre neue Heimat so leicht wie möglich zu machen – Bräuche inklusive. „Wir haben für unsere Flüchtlingsunterkünfte festgelegt: Entweder wir feiern alle Feste oder gar keins“, erklärt Celik.

So sei ein Weihnachtsbaum in den Unterkünften ebenso willkommen wie eine gemeinsame Feier anlässlich des islamischen Opferfestes. „So bekommen die Flüchtlinge eben auch einen Bezug zu unseren Festen und Bräuchen – das ist ein erster Schritt, sich für etwas Neues zu öffnen“, sagt Celik weiter. Für die kleinen Besucher des Kindergartens der Notunterkunft bedeutete dies in der vergangenen Woche vor allem eins: Her mit den gekochten Eiern und rein in die Farbbecher.

Dass dabei auch mal was danebengehen kann, weiß Marina Löfgen. Die Erzieherin legt das gekochte Ei auf einen Plastiklöffel und lässt es behutsam in die blaue Farbmischung eintauchen. Die um sie versammelten Kinder beobachten sie mit großen Augen – und reißen sich förmlich darum, es ihr gleichzutun. Vier Eier darf jedes Kind färben, dann ist das nächste dran. Eine gebrochene Eierschale sorgt bei den Kindern kurz für Aufregung, doch Löfgen beschwichtigt. Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um Spaß. Deshalb wird auch der religiöse Aspekt des Osterfestes in der Donnerberg-Kaserne außen vor gelassen. „Wir wollen den Flüchtlingen einfach nur zeigen, was Kinder in Deutschland in den Ostertagen basteln“, erklärt Löfgen. Konflikte mit Eltern, weil es sich bei dem Osterfest um einen christlichen Brauch handelt, habe es bislang nicht gegeben. „Die Eltern sind völlig offen und kommen immer wieder neugierig vorbei, um zu gucken, was wir mit ihren Kindern basteln“, so die Erzieherin weiter.

Während Marina Löfgen mit einigen Kindern Eier bemalt, stehen andere am Tisch von Celina Ayyad und Mbarak Nadigh Schlange: Sie wollen sich ihre Gesichter bemalen lassen. „Die Kinder sind dankbar für jede Kleinigkeit, die wir ihnen bieten“, sagt Nadigh; sie würden sich auch unheimlich auf die Süßigkeiten freuen, die die Einrichtung gesponsert bekommen hat. Nadigh deutet auf die von den Kindern gemalten Bilder an den Wänden und sagt zu den Motivwünschen der Kinder: „Sie wollen Farben und etwas Positives – das hat alles nichts mit der Flucht zu tun.“ Blumen zieren die Wangen und Stirnen der Mädchen – und auch der Jungs. Blumen(„Warda“ auf arabisch und „Gol“ auf afghanisch), sagt Nadigh, sind neben Herzen („Qalb“ auf arabisch und afghanisch) eins der wenigen Motive, die die DRK-Mitarbeiterinnen problemlos malen können. Sie passen auch zum Osterfest: „Weil wir den Kindern den religiösen Grund von Ostern nicht erklären, sagen wir: Das ist ein Fest kurz bevor der Frühling beginnt“, sagt Nadigh – ein Fest, kurz bevor die Blumen sprießen.

Ein vierjähriger Junge, den Ayyad „unseren Charmeur“ nennt, möchte ein Fahrrad auf seine Wange. Er wünscht sich eins. „Kannst du mir das auch besorgen?“, fragt er – nicht wirklich im Stile eines Charmeurs – Mbarak Nadigh. Sie soll ihm auch einen Schnurrbart malen, weil er aussehen will wie sein Vater. Den bekommt er, in schwarz, ein Fahrrad kann Nadigh leider nicht malen. Dafür schnappt er sich kurz darauf das Dreirad im Raum und fährt herum. Mit dabei: ein gold-gelber Plüschosterhase.

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