Eschweiler - Organist Scholly in der Kirche St. Peter und Paul

Organist Scholly in der Kirche St. Peter und Paul

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Angelo Scholly spielte am Karfreitag das Orgelkonzert in der Kirche St. Peter und Paul. Als Registrant assistierte Moritz Krumbach. Rund 100 Besucher hatten sich im Gotteshaus eingefunden. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Totenklage, Trauer und Trost – der Aachener Organist Angelo Scholly spielte am Karfreitag in der Kirche St. Peter und Paul Werke von Arvo Pärt, Händel, Bach und weiteren bekannten und weniger bekannten Komponisten. Zu dem traditionellen Karfreitagskonzert hatten sich gut 100 Besucher in dem katholischen Gotteshaus am Markt eingefunden.

Nur wenige farbige Strahler an den Füßen der Säulen erhellten den Kirchenraum. Drei Kerzen und ein leeres Kreuz vor dem mit einem Tuch verhängten Chorraum lenkten die Gedanken der Konzertbesucher auf das Wesentliche des Karfreitagsgeschehens, auf das Leiden Christi, hinter dem die Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben zu ahnen ist. Kaplan Andreas Züll und der Organist Jonas Nobis sprachen erläuternde Worte zu den Musikstücken ebenso wie zur Bedeutung des Karfreitags für den christlichen Glauben.

Zu allen Zeiten, seitdem Musik aufgeschrieben werden kann, haben Komponisten Verzweiflung, Leid und Trauer in bewegende Klänge übersetzt. Auf wie unterschiedliche und doch im tiefsten Grund ähnliche Weise das geschieht, machten die Werke deutlich, die Angelo Scholly in Eschweiler spielte.

Scholly, der am St.-Gregorius-Haus in Aachen Kirchenmusik studiert hat, ist Organist an St. Martinus in Aachen-Richterich und spielt damit an der ältesten Aachener Orgel. Oft ist er auch im Aachener Dom zu hören. Seit 2007 leitet er zudem den Aachener Bistumschor. Bei dem Konzert am Karfreitag in Eschweiler assistierte ihm als Registrant Moritz Krumbach.

Dass die Trauer und Verzweiflung über Jesu Tod nicht ohne Hoffnung ist, wird zum Beispiel in den zwölf Variationen des Chorals „Christus, der ist mein Leben“ deutlich, die Johann Pachelbel 1683 schrieb. Angelo Scholly spielte dieses älteste Stück seines Konzertprogramms als zweites, nach einer einleitenden mächtigen Elegie des belgischen Komponisten Flor Peeters, und zeigte dabei in der Fülle der Register eindrucksvoll die Möglichkeiten der Orgel in St. Peter und Paul.

Ganz anders und in seiner Verzweiflung geradezu erschütternd war das nächste Stück, eine moderne Fassung des wohl bekanntesten Passionslieds „O Haupt voll Blut und Wunden“, das auch von Johann Sebastian Bach als Choral in seine Matthäus-Passion aufgenommen wurde. Mit schleppenden dissonanten Akkorden macht der 1946 geborene ungarische Komponist Zsolt Gárdonyi den Gegensatz zwischen der Majestät des leidenden Christus und dem Hohn seiner Peiniger spürbar.

Auf das geradezu tröstliche Choralvorspiel „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ (BWV 822) aus Johann Sebastian Bachs Orgelbüchlein ließ Angelo Scholly dann eine musikalische Leidensgeschichte voller Gefühlsgegensätze folgen.

Die Orgel-Partita über das bekannte und ebenfalls als Choral in Bachs Matthäuspassion enthaltene Kirchenlied „Herzliebster Jesu, was hast Du verbrochen“, komponiert von dem 1958 geborenen deutschen Musikdozenten und Kirchenmusikdirektor Reiner Gaar, variiert das Thema in einem weiten Spektrum von tiefer Innigkeit bis zum verzweifelten Schmerz.

Nach so viel Gefühlsaufruhr bot Scholly mit der eingängigen Melodie der Passacaglia aus Georg Friedrich Händels Cembalo-Suite Nr. 7 in g-moll Zeit zum Atemholen. Und zum Wundern, welche ungewöhnlichen Register man auf der Orgel von St. Peter und Paul ziehen kann. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt des Karfreitagskonzerts war dann ein Stück des estnischen Komponisten Arvo Pärt. Die nur wenige Minuten dauernde Trauermusik „Pari intervallo“, geschrieben 1976 zur Erinnerung an einen gerade verstorbenen Freund, ist ergreifend und tröstlich zugleich. Eine Musik, als sei der Mensch auch im Tod in den Klang der Ewigkeit gehüllt.

Mit dem „Thema met variaties“ von 1949 des niederländischen Komponisten Hendrik Andriessen endete die traditionelle Karfreitagsmusik – ein musikalischer Blick über die Passionszeit hinaus, mit kühnen Wendungen und mächtigen Harmonien.

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