Ordnungsdienst: Bürger kümmern sich um ihre Viertel

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Johann Schleip weist auf einen Anhänger, den er im Gebüsch entdeckt hat. Das Gefährt ist mit Müll vollgepackt. Foto: F. Ebbecke-Bückendorf
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Die Stadt hat ihre Ordnungshelfer ausgezeichnet, die dankenswerter Weise dabei helfen, Eschweiler sauber zu halten.

Eschweiler. Seit zehn Jahren gibt es den Eschweiler Ordnungsdienst: Bürger kümmern sich im Auftrag der Stadt ehrenamtlich um Ordnung und Sauberkeit in ihren Stadtvierteln. Am Jahrestag der Gründung trafen sie sich jetzt zu einem Erfahrungsaustausch. Ihr Appell: Leute, helft mit, unsere Stadt sauber zu halten!

„Es ist ein Kampf gegen Windmühlen! Aber ohne eure Arbeit wäre die Stadt längst nicht so schön!“ Abteilungsleiter Edmund Müller vom Ordnungsamt der Stadt hatte viel Lob für die Dame und die Herren vom Ordnungsdienst. Die verstehen sich nicht nur als Saubermänner, sondern auch als Ansprechpartner vor Ort für ratsuchende Bürger. Mit besten Kontakten ins Rathaus.

Bei der Gründung am 5. Juli 2006 sei er skeptisch gewesen, berichtete bei dem Treffen der Leitende Städtische Rechtsdirektor Dieter Kamp. Was ist, wenn sich für dieses Ehrenamt vor allem Leute mit Hausmeister-Mentalität melden? Aber das Thema habe sich dann nie gestellt. Wer hier mitmacht, so Kamp, das seien Menschen, die sagen: Ich will mich für die Allgemeinheit engagieren! Für diesen Einsatz gibt es kein Geld, aber zweimal im Jahr organisiert die Stadt Eschweiler für ihre Ordnungshelfer einen Ausflug oder eine Besichtigung.

An diesem Tag gab es den Dank jetzt auch schriftlich. Edmund Müller überreichte Urkunden „in besonderer Würdigung des engagierten Einsatzes“ und wünscht sich, dass sich mehr Bürger als bisher zu diesem Ehrenamt bereit erklären.

Es ist ein Engagement, das oft unauffällig bleibt – die defekte Straßenleuchte fällt auf, nicht die schnell reparierte. Die derzeit 21 Ordnungshelfer, von denen zehn an der kleinen Feier im Wald-Restaurant Bohler Heide teilnahmen, sorgen auf vielfältige Art für mehr Ordnung und Sauberkeit in ihren Stadtteilen.

Sie melden den jeweils zuständigen Stellen der Stadtverwaltung Schlaglöcher, beschädigte Verkehrsschilder, wilde Müllablagerungen, morsche Bäume. Sie rufen den Streudienst, wenn sie im Winter auf Fußwegen Glatteisflächen sehen, und sie reden auch schon mal ein ernstes Wort mit Leuten, die ihre Hunde auf Bürgersteige koten lassen.

Weil sie in ihrem Viertel fast jeder kennt, werden sie von Bürgern auch um Rat gefragt – sie wissen ja, an wen man sich im Rathaus oder bei anderen Behörden wenden muss, um Probleme zu lösen. Und: „Wir sind uns nicht zu schade, selber mal mit dem Müllsack loszuziehen und Müll weg zu machen“, sagt Johann Schleip, den alle in seinem Stadtviertel Eschweiler-Ost nur mit seinem zweiten Vornamen Willi nennen.

Denn mit dem wilden Müll ist das so eine Sache. Eine Grünfläche kann Monate lang sauber sein – aber kaum liegen dort die ersten leeren Plastikflaschen oder das erste Fuder Grasschnitt aus dem Nachbargarten, schon wird dieses Grün zu einer wilden Müllkippe. Das braucht keine Woche.

Wir begleiten Willi Schleip am nächsten Tag auf einem seiner Spaziergänge durch Eschweiler-Ost. Entlang der begrünten Kippe geht heute sein Kontrollgang, vorbei am Kindergarten Wunderland. Da liegen schon mal leere Trinktütchen im Gras. Könnten von den Kindern sein, nickt Schleip, aber: „Mit Kindern nie schimpfen!“ Es sei viel besser, an die Einsicht zu appellieren. Das wirke manchmal auch bei Erwachsenen. Natürlich, unbelehrbare Leute gebe es immer. Zum Beispiel unter den Hundehaltern.

Hundekot – das ist auch so ein Thema. Was ist schlimmer: die Häufchen mitten auf dem Weg oder die Häufchen, die verborgen am Rand im Gras liegen, als Tretminen? „Am schlimmsten sind die in den Tütchen!“ findet Willi Schleip. Da gibt es Leute, die lesen zwar den Kot ihrer Hunde auf und tüten den ein – aber dann werfen sie diese Plastiktüten ins Unterholz. „Die verrotten doch nicht! Voriges Jahr habe ich die mit einer Schubkarre rausgeholt. Guck mal da oben, da hängt ein Beutel sogar im Baum!“

Den Menschen zuzuhören, das ist Willi Schleip wichtig. Auch und gerade Menschen, die neu nach Deutschland kommen. Im Stadtteil Ost leben viele Migranten, „da muss man auch hinhören, was die auf dem Herzen haben und wie man ihnen helfen kann“.

Dann klappt das auch mit der Integration, versichert er und zeigt beispielhaft auf ein Haus: „Da wohnen nur Dunkelhäutige. Und was haben sie in den Fenstern hängen? Deutschlandfahnen, wegen der EM.“

Unser Weg führt an einem Autoanhänger vorbei, der zwischen hohem Gras am Wegesrand steht. „Das Grünflächenamt könnte hier auch mal öfter mähen!“, murmelt Schleip. „Aber was hat denn der Anhänger hier zu suchen? Was ist das überhaupt?“

„Mongolischer Wandertempel“ steht auf der Plane des Anhängers. Der Ordnungshelfer öffnet die Verschlüsse der Plane und klappt sie hoch. Der „Wandertempel“ ist randvoll mit Schutt, Haushaltsabfällen und Müll.

„Ist noch ein Kennzeichen dran? Ja? Dann finden wir auch den Halter“, freut sich Schleip. Auch wenn da auf ihn und auf die Stadtverwaltung neue Arbeit zukommt.

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