Opern-Gala auf dem Marktplatz: Stimmen verzaubern Sommernacht

Von: Paul Santosi
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Sie boten ihrem begeisterten Publikum ein mehr als zweistündiges Programm voller musikalischer Höhepunkte: Anna Maria Kaufmann ... Foto: Rudolf Müller/Paul Santosi
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...Eva Lind... Foto: Rudolf Müller
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...Silvia Rampazzo... Foto: Rudolf Müller
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...und Cristian Lanza. Fast 1000 Fans italienischer Opernarien dankten es ihnen mit Standing Ovations. Foto: Rudolf Müller
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Große Bühne, großes „Kino“: Erstmals präsentierten sich die Künstler vor der attraktiven Kulisse der Peter-Paul-Kirche statt auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes.
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Die beste Begleitung, die sich Sänger wünschen können: die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg mit ihrem Stardirigenten Juri Gilbo.

Eschweiler. Ihren ersten Test als Plattform für klassische Musik bestand die neugestaltete Freilichtbühne Eschweilers am Samstagabend. Es war zwar auf dem bestuhlten Konzert nicht ganz so proppenvoll wie beim Popkonzert am Tage zuvor, aber gemessen am guten Publikumszuspruch wurde der Mut von Veranstalter Max Krieger sehr wohl belohnt.

An einem nahezu perfekten Sommerabend entwickelte sich auf dem Marktplatz einmal eine wohltuend andere, eine ganz besondere und festliche Stimmung, geprägt von renommierten Sängerinnen und Sängern, mitunter fast andächtiger Stille, einem ausgezeichneten orchestralen Klangkörper und starkem Applaus. Durch das fast zweistündige, abwechslungsreiche Programm moderierte Patrick Nowicki.

Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter der Leitung des gleichermaßen energiegeladenen wie sympathischen Juri Gilbo eröffnete den Abend mit Rossini, bevor Eva Lind mit einer Arie aus dem „Barbier von Sevilla“ und Cristian Lanza mit „La Danza“, einer Tarantella Napolitana, die Szene betraten. Die in Innsbruck geborene Sopranistin Eva Lind ist so etwas wie eine globale Opern-Botschafterin. Bereits auf allen Kontinenten zu Gast, teilte sie die Bühne schon mit Stars wie José Carreras, Luciano Pavarotti oder Placido Domingo und arbeitete mit etlichen Weltklasse-Dirigenten zusammen.

Cristian Lanza, dessen berühmte Sänger-Vorfahren immer wieder zum Vergleich herangezogen werden, nutzte die Gelegenheit einmal mehr, um zu beweisen, dass er eine völlig eigenständige künstlerische Identität besitzt. Seine stimmliche Ausdruckskraft und seine Bühnenpräsenz sprechen für sich selbst. Durch und durch Entertainer, fand Cristian Lanza auch während seiner fokussierten Arbeit am Samstagabend auch erfreulicherweise immer genügend Lockerheit, um mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen oder erlaubte sich einen beiläufigen Scherz mit dem Fotografen vor der Bühne.

Anna Maria Kaufmann stammt zwar aus dem kanadischen Edmonton, feierte ihre größten Starterfolge jedoch in Deutschland, etwa als „Christine“ im Musical „Phantom der Oper“. Die Preisträgerin ungezählter Medien-Auszeichnungen ist sowohl in der Oper als auch in der Operette eine gefragte Persönlichkeit. Mit dem neapolitanischen Lied „La Mattinata“, eröffnete sie ihren Beitrag am Samstagabend bei der Opern-Gala. Danach rückte Silvia Rampazzo aus Ravenna den für die Oper notwendigen italienischen Flair mit der Verdi-Arie „Ave Maria“ ins Scheinwerferlicht der Bühne, wobei sie auch die eher ruhigen und getragenen Passagen des Werkes aus „Otello“ souverän transportierte.

Publikum geht begeistert mit

Opernhandlungen, so Moderator Patrick Nowicki in seinen Zwischen-Ansagen, waren wohl für ihre Zeit so etwas wie heutzutage TV-Krimis. Geht es doch in ihnen oftmals nicht nur um Liebe, sondern auch um Intrige und blutrünstige Rache. Als Vorlage wählten Komponisten gerne Stoffe aus Dramen, die aus den Federn etwa von Shakespeare oder Schiller stammten. Ein Beispiel dafür lieferte Christian Lanza mit der Arie „Ah la paterna mano“ aus der Verdi-Oper „Macbeth“. Diese ist eine der wenigen Opern, in denen eindeutig keine Liebeshandlung im Vordergrund steht, sondern Machtgier und ihre Konsequenzen. Ein durchaus aktueller Inhalt also, den Lanza gekonnt auf die Bühne zauberte. Selbiger brachte später mit „La donna e mobile“ aus „Rigoletto“ auch den ersten musikalischen Höhepunkt des Abends hervor, der überdurchschnittlich viel Applaus erhielt.

Mindestens so interessant wie das Geschehen auf der Bühne war jedoch auch das Verhalten der vielen hundert Klassik-Fans bei der ersten Gala ihrer Art in Eschweiler, die hoffentlich zukünftig ihre Nachfolger finden wird. So summten zahlreiche Zuschauer bekannte Melodien während der ersten Takte spontan mit und zeigten so, das auch klassische Musik das ansteckende Potenzial moderner Hits bietet. Werbefernsehen und Hollywood-Filmemacher bedienen sich hin und wieder gerne bekannter Motive aus der Opernwelt. Sie mögen zu diesem Trend ebenfalls beitragen. Einfach klasse, wie Cristian Lanza im zweiten Teil der Show „Nessun Dorma“ aus der Puccini-Oper „Turandot“ geradezu in die Herzen des Publikums schmetterte. Die berühmte abschließende Textzeile „Vincerò“ („Ich werde siegen“) war ein Paradebeispiel dafür, wie man die Emotionen der Opern-Zuhörer auf den Punkt genau in den Griff bekommt.

Zum Finale schließlich präsentierten sich Anna Maria Kaufmann, Eva Lind, Silvia Rampazzo und Cristian Lanza nochmals gemeinsam mit einem weiteren klassischen Evergreen, dem „O sole mio“ von Eduardo Di Capua, dem auch Elvis Presley in der profanen Musikwelt unter dem Titel „It´s now or never“ ein Denkmal errichtete.

Als Fazit der Veranstaltung lässt sich konstatieren: tolle Stimmen, ein ausgezeichneter Dirigent nebst professionellem Orchester und ein mutiges Konzept an einem zauberhaften Open-Air-Sommerabend, das mit viel Applaus und „Bravo“-Rufen belohnt wurde.

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